Abgasaffäre Audi fürchtete schon 2013, aufzufliegen

Blick auf den Showroom-Tower des Autoherstellers Audi in Berlin

(Foto: Bloomberg)
  • Audi-Techniker haben bereits im Oktober 2013 auf die Abgasmanipulation in den USA hingewiesen. Das zeigt ein internes Dokument.
  • Sie warnen darin vor den Folgen eines Auffliegens und empfehlen sogar, die Manipulations-Software zeitnah umzustellen. Doch das geschah nicht.
  • Hätte Volkswagen die Hinweise der eigenen Fachleute befolgt, wären die Schadenersatzzahlungen für das Unternehmen möglicherweise deutlich geringer ausgefallen.
Von Klaus Ott

Beim Ingolstädter Autohersteller Audi haben Fachleute aus der Motorenentwicklung intern frühzeitig auf die Abgasmanipulationen in den USA hingewiesen und eindringlich vor Strafen gewarnt. In einem Dokument vom 11. Oktober 2013 heißt es nach Informationen von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR, das "Kernrisiko" bestehe in einer "Aufdeckung" der betreffenden Software bei Dieselfahrzeugen durch die US-Behörden. Das könne zu hohen Geldbußen führen. Die Technikexperten schlugen vor, diese Software so schnell wie möglich umzustellen.

Das geschah aber nicht. Stattdessen wurde weiter manipuliert, bis die US-Behörden zwei Jahre später die Gesetzesverstöße bei Volkswagen und der VW-Tochter Audi enthüllten. VW musste, auch für die Verstöße bei Audi, in den USA Strafen und Schadenersatz in Höhe von mehr als 20 Milliarden Dollar zahlen. Volkswagen und die Ingolstädter Tochter wären wahrscheinlich besser weggekommen, wenn die alarmierenden Hinweise der eigenen Fachleute befolgt worden wären. Nach Erkenntnissen der US-Behörden hatte Audi das elfseitige Papier mit dem Titel "Risikoeinschätzung" an VW weitergereicht. Audi und VW äußerten sich nicht zu dem Papier.

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Die Ingolstädter Motorenentwickler beschrieben darin eine in den Vereinigten Staaten verbotene Software, mit der die Abgasreinigung auf der Straße weitgehend abgeschaltet wurde. Beim kalifornischen Umweltamt CARB eingereichte Unterlagen seien "falsch oder nicht vollständig". Bei der US-Umweltbehörde EPA würden "im Extremfall die Emissionsanforderungen" nicht erfüllt.

"Eine direkte Auffälligkeit vor Kunden ist eher gering", so die Techniker

Es gehe um 62 000 Fahrzeuge mit dem Motor V6 TDI. Die Strafe könne bis zu 37 500 Dollar pro Auto betragen. Dies wären insgesamt bis zu rund 2,3 Milliarden Dollar. Diese Summe ist in dem Papier aber nicht genannt. Die drohenden Folgen inklusive eines Rufschadens werden drastisch beschrieben. In anderen bekannt gewordenen Fällen sei die "negative Publicity" ausgesprochen hoch gewesen. Der "Gesichtsverlust" bei der Behörde sei nachhaltig.

Die Audi-Fachleute gingen davon aus, dass die Autokäufer die Manipulationen nicht bemerkten. "Eine direkte Auffälligkeit vor Kunden ist eher gering." Behörden könnten dies aber entdecken und eine Nachrüstung der Fahrzeuge anordnen. Im schlimmsten Falle drohe ein Widerruf der Zulassung. Bislang gibt es keine Hinweise, dass die Vorstände von Audi oder VW damals das Papier bekommen hatten. Der VW-Aufsichtsrat lässt seit Langem prüfen, ob damalige Vorstandsmitgliedern gegen ihre Pflichten verstoßen haben und Schadenersatz zahlen müssen.

Dazu könnte die Frage gehören, wie es sein kann, dass solch eine Warnung nicht die Chefetage erreicht. Denkbar wäre ein Organisationsverschulden. Im Audi-Aufsichtsrat wird diskutiert, ob Rupert Stadler Konzernchef bleiben kann. Oder ob er, weil er das Unternehmen schlecht organisiert habe, abgelöst werden müsse. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt hat für 22 000 Porsche-Cayenne wegen Abgas-Manipulationen einen Rückruf angeordnet. Die Fahrzeuge enthalten Audi-Motoren. Porsche gehört wie Audi zum VW-Konzern.

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