Ehemaliger Thyssen-Krupp-Chef Schulz Mit der Wut des Ex

Der kürzlich geschasste Thyssen-Krupp-Manager Ekkehard Schulz holt zum Gegenschlag aus. Pünktlich zur Hauptversammlung des Konzerns wehrt er sich gegen den Vorwurf, er habe das Unternehmen getäuscht. Und räumt doch Fehler ein.

Der ehemalige Vorstandschef von Thyssen-Krupp, Ekkehard Schulz, wehrt sich gegen den Vorwurf, er habe den Aufsichtsrat im Zusammenhang mit dem Bau eines Stahlwerks in Brasilien getäuscht.

Hat der ehemalige Thyssen-Krupp-Chef jahrelang die wahren Kosten des Werks in Brasilien verschwiegen? "Das ist völliger Unsinn", sagt Ekkehard Schulz dazu.

(Foto: dapd)

Pünktlich zur Hauptversammlung des Konzerns sprach Schulz in einem am Freitag veröffentlichten Interview mit dem Handelsblatt von einer "infamen Unterstellung", was die Behauptung angehe, er habe jahrelang die wahren Kosten des Werks verschwiegen. "Das ist völliger Unsinn", so Schulz.

Thyssen-Krupp hatte am Ende des Geschäftsjahres 2010/2011 etwa 2,9 Milliarden Euro abschreiben müssen - vor allem wegen Problemen mit den neuen Werken in den USA und Brasilien. Die Ausgaben für die Anlage in Brasilien waren auf mehr als fünf Milliarden Euro explodiert.

Schulz, der das Projekt als Vorstandschef auf den Weg gebracht hatte, war 2011 in den Aufsichtsrat gewechselt - wegen der immer lauter werdenden Kritik an den Milliarden-Verlusten in Übersee hatte er sich im Dezember dann aber aus dem Kontrollgremium zurückgezogen.

In dem Gespräch mit der Zeitung relativierte Schulz die Kostenexplosion. Die Zahl 1,3 Milliarden Euro sei lediglich einmal als mögliche Größenordnung einer Investition genannt worden. Aber schon die Kosten der ursprünglichen Planung hätten mit Hafen, Kokerei und Kraftwerk bei 3,5 Milliarden Euro gelegen.

Projekt vor dem Aus

Wer die Zahl 1,3 Milliarden als ursprünglichen Kostenrahmen nenne, "vergleicht Äpfel mit Birnen". Der Aufsichtsrat sei zudem regelmäßig über die Kosten informiert worden. Sein Verhältnis zu Aufsichtsratschef Gerhard Cromme sei "wie schon in früheren Jahren unverändert professionell".

Schulz räumte jedoch auch persönliche Fehler ein. "Ich habe zu lange den falschen Leuten vertraut. Leuten, die mir die Lage geschönt dargestellt haben. Als mir dann andere die Situation ungeschminkt beschrieben, war es fast schon zu spät."

Das Brasilien-Projekt selbst scheint Medienberichten zufolge mittlerweile vor dem Aus zu stehen. "Mittelfristig wird ein Teil- oder Komplettverkauf nicht mehr ausgeschlossen", zitierte das Handelsblatt Verantwortliche. Bereits am Vortag hatte das Manager-Magazin berichtet, Thyssen-Krupp erwäge einen Verkauf der neuen Stahlwerke in Brasilien und den USA. Konzernchef Heinrich Hiesinger prüfe vor allem die Trennung von dem brasilianischen Werk.

Ein Rückzug könne noch in diesem Jahr erfolgen. Als möglichen Käufer nannte das Blatt den brasilianischen Vale-Konzern. Ein Sprecher des Bergbau-Multis verwies auf die Hauptversammlung und sagte, das Unternehmen äußere sich nicht zu Spekulationen - "vor allem nicht zu Spekulationen von Investmentbanken".