Edgar Bronfman im Profil Zweite Chance

Edgar Bronfman jr. verspielte einst den Seagram-Konzern — nun bekommt er die zweite Chance, sich als Medienmogul zu beweisen.

Von Von Imke Henkel

(SZ vom 25.11.03) - Für Edgar Bronfman jr. ist es die Chance zur Rehabilitierung. Mit der Übernahme von Warner Music bekommt der 48-jährige Erbe des früheren Seagram-Konzerns die seltene zweite Chance, sich als Medienmogul zu beweisen.

Bronfman Ap

Edgar Bronfman jr. muss im Augenblick viel regeln.

(Foto: Foto: AP)

Ein erster Versuch scheiterte Anfang dieses Herbstes, als sein Gebot für Vivendi Universal Entertainment vom Mischkonzern General Electric ausgestochen wurde.

Die Neigung zur Unterhaltungsindustrie verfolgt Bronfman seit seinen Teenager-Tagen. 1955 wurde er als zweiter Sohn von Edgar Bronfman senior, dem späteren Präsidenten des Jüdischen Weltkongresses, und damit als Spross der Seagram-Dynastie geboren, die sein Großvater begründet hatte.

Grundstock

Sam Bronfman war das Kind russischer Juden, die 1889 nach Kanada emigrierten. Er gründete 1924 eine Schnapsbrennerei und verdiente zur Zeit der amerikanischen Prohibition durch den Schmuggel seiner Spirituosen ins Nachbarland den Grundstock des Familienvermögens.

Der Getränkekonzern Seagram wuchs zu einem der größten der Welt mit bekannten Marken wie Chivas Regal oder Absolut Vodka.

Edgar Bronfman junior jedoch zeigte sich an dieser Tradition zunächst wenig interessiert. Im Alter von 15 Jahren überredete er seinen Vater, ihm die Produktion eines Spielfilms zu finanzieren - immerhin hatte Bronfman senior in den 60-er Jahren wiederholt in Theater- und Filmprojekte investiert.

Glückliche Hand für Zukäufe

Nach der High School und ohne College-Abschluss begann Bronfman junior seine Laufbahn als Filmproduzent, blieb jedoch erfolglos. Erst 1982 trat er in den väterlichen Konzern ein. Hier zeigte er bald eine glücklichen Hand für Zukäufe. Unter anderem fädelte er die Übernahme der deutschen Sektkellerei Matheus Müller ein.

1989 stieg Bronfman junior an die Spitze von Seagram auf. Sechs Jahre später - und ein Jahr, nachdem sein Vater endgültig aus dem Management ausgeschieden war - begann er den Umbau von Seagram vom Getränke- in einen Medienkonzern.

Für 5,7 Milliarden Dollar übernahm er 80 Prozent von MCA, zu der die Universal Studios gehörten. 1998 bezahlte Seagram elf Milliarden Dollar an Philips für das Musiklabel Polygram und benannte es um in Universal Music.

Zunächst von der Börse belohnt

Bronfman bezahlte jeweils mit dem Verkauf anderer Unternehmensteile. Sein Kalkül wurde zunächst von der Börse belohnt: Die Medienindustrie galt als rasch wachsend, die Getränkebranche wirkte dagegen langweilig.

Als sich 1999 jedoch abzeichnete, dass Seagram zu klein war für die Konkurrenz mit den großen Medienkonzernen, begann Bronfman Gespräche mit dem französischen Mischkonzern Vivendi.

Im Sommer 2000 verkaufte er Seagram für 34 Milliarden Dollar. Jedoch: Vivendi bezahlte in Aktien. Seit der Übernahme ist deren Kurs um mehr als 80 Prozent abgestürzt. Andere Familienmitglieder haben ihm deshalb vorgeworfen, Familienvermögen verspielt zu haben.

Bronfman, der aus zwei Ehen sieben Kinder und eine Schwäche für das Schreiben von Popsongs hat, verließ Vivendi vor zwei Jahren. Sein Verhältnis zu dem inzwischen gefeuerten Vivendi-Manager Jean-Marie Messier gilt als feindlich.