Edelsteine Diamant-Riese De Beers will geheime Zahlen veröffentlichen

Bling-bling: Ihr Schliff macht Rohdiamanten zu funkelnden Steinen. Doch die Geschäfte laufen schlecht.

(Foto: Bloomberg)
  • Der Preis für Rohdiamanten ist stark gesunken, darunter leiden die Förderunternehmen.
  • De Beers veröffentlicht seit kurzem vormals geheime Verkaufszahlen und will so wilde Spekulationen darüber verhindern.
Von Björn Finke, London

"Diamonds are a girl's best friend", sang Marilyn Monroe. Und Audrey Hepburn genoss ein Frühstück beim Juwelier Tiffany. Diamanten mögen für Chemiker nichts weiter als Kohlenstoff sein, doch für Schmuck-Enthusiasten und Verliebte aus aller Welt sind sie dank ausdauernder Werbekampagnen viel mehr: die Könige unter den Edelsteinen, ein Symbol von Reinheit und - auf Verlobungsringen - ewiger Liebe. Für Rohstoff-Konzerne wiederum sind die funkelnden Steine ganz prosaisch eine Ware, die mit viel Aufwand in winzigen Mengen aus dem Gestein gewonnen wird. Und die Geschäfte mit den Klunkern laufen gerade ganz und gar nicht glänzend.

Im vergangenen Jahr sanken die Preise für Rohdiamanten um fast ein Fünftel, für die kommenden Monate erwarten Fachleute ein weiteres Minus. Weltweit sind die Notierungen von Rohstoffen zuletzt gefallen, ob für Kupfer, Kohle oder Öl. Diamanten schlugen sich zunächst noch passabel, aber dann ging es auch bei ihren Preisen bergab. Diamanten-Preise leiden wie die anderer Rohstoffe darunter, dass sich die Konjunktur in China abkühlt. Chinesen kaufen weniger "Bling-bling", die Juweliere haben daher genug Diamanten im Tresor und ordern wenig Nachschub.

Exklusives auf Auktionen: Aus selten wird teuer

Ein Koffer, ein Kleid, verrostete Motorräder: Alltägliches wird immer wieder zu Höchstpreisen versteigert. Aber auch Edles ist gefragt. Hauptsache, es gibt nur wenig davon. Von C. Dorner, L. Hampel, S. Radomsky und J. Schmieder mehr ...

Das zwingt einen der größten Edelstein-Förderer, De Beers, nun zu mehr Offenheit. Er will bislang geheime Verkaufszahlen publizieren. Die Tochter des börsennotierten Rohstoff-Konzerns Anglo American lädt zehnmal im Jahr ausgewählte Händler nach Gaborone, eine verschlafene Stadt in Botswana im Süden Afrikas. In einem wie eine Festung gesicherten Gebäude präsentiert das Unternehmen den Käufern die Diamanten, die zuletzt gefunden wurden. Bisher schwieg sich De Beers immer vornehm darüber aus, wie viel Umsatz diese zehn Verkaufstage erzielen. Jetzt will die Firma diese Details veröffentlichen. Die neue Transparenz soll zu einer Erholung des Marktes beitragen und verhindern, dass wilde Spekulationen über die Preise zirkulieren, heißt es. Vorige Woche fand der erste Verkauf in diesem Jahr statt.

De Beers hatte im vergangenen Jahr wegen des Preisverfalls die Förderung gekappt; 2016 sollen noch weniger Edelsteine auf den Markt kommen. Zusammen mit dem börsennotierten Konzern Alrosa aus Russland beherrscht die Firma mehr als die Hälfte des Weltmarktes. Nummer drei ist das Rohstoff-Unternehmen Rio Tinto, auf das ein Zehntel des Marktes entfällt.

Bis zur Jahrtausendwende hatte De Beers beinahe allein den Diamanten-Markt dominiert. Der 1888 gegründete Konzern kaufte die Steine anderer Förderer auf oder überzeugte sie, ihre Schätze exklusiv über De Beers zu vertreiben: ein Kartell, das 90 Prozent des Marktes kontrollierte, bis die US-Wettbewerbsbehörde es zerschlug. Im Jahr 2012 wurde der stolze Diamanten-Schürfer Teil des Konzerns Anglo American. Der langjährige Großaktionär übernahm die Anteile der Familie Oppenheimer und hält seitdem 85 Prozent an dem Unternehmen. Ein Vorfahre der Familie, der in Deutschland geborene Ernest Oppenheimer, wurde 1929 Chef von De Beers; unter ihm expandierte die Firma weltweit. Eine faszinierende Historie - doch die Gegenwart ist eher nüchtern.