Die Krux mit dem schlechten Image: Gebäudereiniger Eberhard Sasse über die Kultur des Saubermachens - und warum das Putzen Spaß macht.
Das Gespräch hat kaum begonnen, da meldet sich schon das Handy von Eberhard Sasse. Ein Horn bläst: "Auf zur Jagd", sein Klingelton. Sasse ist passionierter Jäger und Familienunternehmer. Ein echter, seine Frau, eine Medizinerin, ist in der Firma für die Personalentwicklung zuständig. Sein Geld verdient Sasse mit Putzen und Schrauben. Aber das hört er nicht so gerne. Lieber redet er vom Facility Management, denn Putzen hat in Deutschland ein schlechtes Image. Seine Töchter hält das nicht davon ab, seine Nachfolge antreten zu wollen. Mit dem Vater teilen Laura und Clara auch die Liebe zur Jagd.
Eberhard Sasse: "Irgendjemand muss doch dafür sorgen, dass die Toiletten nicht verwahrlosen, die Fensterscheiben nicht verdrecken und die Türen nicht klemmen." (© Foto: Schellnegger)
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SZ: Herr Sasse, willkommen in der Redaktion. Ist hier ordentlich geputzt?
Eberhard Sasse: Schon. Mein erster Eindruck: Der Raum ist reinlich. An der Bauausführung wurde ein wenig gespart. Der Teppicheinsatz, zum Beispiel, der ist schnell ausgeschnitten und eingelegt, aber es wurde keine ordentliche Einfasskante gemacht. Die würde ja Geld kosten.
SZ: Wir merken, Sie gucken in die Ecken. Macht Putzen Spaß?
Sasse: Ja, es kann Spaß machen. Und Putzen ist ein Kulturgut.
SZ: Wir dachten, eine Dienstleistung.
Sasse: . . . aber eine auf hohem Niveau. Das Reinigen der Behausung ist eine menschheitsalte Kulturtechnik. Puto dum vivo, sagte man im alten Rom: Ich putze, solange ich lebe.
SZ: Wer putzt bei Ihnen zu Hause?
Sasse: Ich lasse putzen, aber nicht von der Firma Sasse, sondern von einem örtlichen Betrieb. Der kümmert sich auch um den Garten und repariert, was so anfällt.
SZ: Müssen Ihre Töchter auch ran?
Sasse: Laura, meine Älteste, und Clara haben schon als Kinder gelernt, ihre Sachen in Ordnung zu halten. Da gibt es eine nette Geschichte.
SZ: Erzählen Sie.
Sasse: Um eine Organisation zu leiten, muss man wissen, wie man mit Menschen umgeht und was die Menschen machen. Das erfährt man am besten vor Ort.
SZ: Ist das die Geschichte?
Sasse: Nein, die kommt jetzt. Laura macht regelmäßig parallel zum Studium Praktika. Zuletzt am Münchner Flughafen. Da reinigte sie die Toiletten. Das war eine gigantische Erfahrung.
SZ: Was ist so gigantisch daran, fremde Toiletten zu schrubben?
Sasse: Das Haupterlebnis für Laura war der Kontakt zu ihren Kolleginnen und Kollegen. Aber es war nicht ganz einfach, da hinzukommen.
SZ: Wieso, Sie sind doch der Chef?
Sasse: Unser Leiter am Flughafen dachte erst, meine Tochter wolle im Büro arbeiten. Dann sollte sie in der Eingangshalle die Papierkörbe leeren. Aber Laura wollte dorthin, wo es richtig hart zugeht. Es hat eine Weile gedauert, bis sie den Job bekommen hat, weil meine Leute dachten, sie könnten das meiner Tochter nicht zumuten.
SZ: Wussten die Kollegen in der Putzkolonne, dass die Neue Ihre Tochter ist?
Sasse: Das ließ sich nicht lange verheimlichen. Aber es war toll. Meine Tochter war beeindruckt von der Gemeinschaft, in die sie aufgenommen wurde. Die haben zusammen Brotzeit gemacht und sich über die Familie unterhalten. Was ich sagen will: Wenn man Dienstleistung bietet und mit vielen Menschen zu tun hat, ist das etwas anderes, als wenn man in einer Fabrik am Fließband steht.
SZ: Was ist denn so anders?
Sasse: Menschen sind für mich kein Produktionsfaktor. Ich muss aus ihnen ein Team formen, das trotz der schwierigen Bedingungen sagt: Hier arbeiten wir gerne. Das klingt nach Zuckerguss. Aber wenn die Atmosphäre nicht stimmt, stimmt auch die Leistung nicht. Wer Menschen nur als Arbeitsmasse betrachtet, ist bei uns fehl am Platz. Jeder meiner Mitarbeiter arbeitet unter schwierigen Bedingungen - sowohl vom Umfeld, von der sozialen Akzeptanz her als auch von der Bezahlung.
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Streit um Parteispitze bei der Linken
ein weisses schaf?
welcher firmeninhaber würde seine eigene firma nicht als sozial oder fair hinstellen?
kenne so eine alte redensweisheit, welche besagt, dass eigenlob stinken soll...ob dies hier zutrifft oder auch net, das wissen wir alle net, nur der herr sasse.
in wirklichkeit zählt bei jeder firma vordergründig der profit...
fällt es mir schwer in dieser Herzschmerzpfütze einen angemessenen Kommentar zu schreiben. Ja - Schnief - unsere Elite hat Ihren Namen verdient und dies mit dreckigem Wasser und Wischmob.
Dass er sogar den Kontakt seiner Tochter zum arbeitenden Pöbel zulässt, na, immerhin kann sie ein lebenlang behaupten, den Job von der Pieke auf gelernt zu haben, auch wenn es nur 2 Wochen Praktikum waren. Später gibts dann von Papi zum Examen `ne Raumpflegerin und für Papi den Grand Prix de Travaille!!
Und ich frage mich gerade wie die Kinder von Harz-IV-Empfängern reagieren würden wenn man sie auf ein spartanisches Eliteinternat schicken würde.
Wäre das dann eine soziale Grausamkeit?
Ich finde es tut ganz gut, mal zu sehen, dass sich in dieser Branche unter den vielen schwarzen Schafen auch mal ein weißes (oder zumindest graues) befindet. Es müsste mehr Unternehmer (gerade auch in den Niedriglohnsektoren) geben, die Menschen als Menschen sehen und nicht als Produktionsfaktoren, oder Arbeitsvieh...
dient dieser artikel dazu, einen dienstleistungsbetrieb ins rampenlicht zu stellen?
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