"Earning to give"-Bewegung Welt verbessern? Werde Banker!

Früher einmal plante Alex Foster, als Ingenieur nach Afrika zu gehen und dort Brücken zu bauen, doch er entschied sich anders: für die Wirtschaft.

(Foto: Julian Simmonds)
  • Sie wollen die Welt gerechter machen, aber anders als die meisten: Anhänger der "Earning to give"-Bewegung.
  • Sie verdienen etwa als Trader oder Banker möglichst viel, um dann einen Teil zu spenden.
Von Pia Ratzesberger

Alex Foster sieht nicht gerade aus wie ein Weltverbesserer, aber vielleicht ist das auch zu schnell geurteilt. Anzug, Hemd, Seitenscheitel, große Uhr am Handgelenk, so präsentiert sich der junge Firmenchef gern im Netz. Ein Blick, der sagt: Ich will nach oben. Dazu passt, dass Foster vor der Gründung seines eigenen Unternehmens im Londoner Bankensektor gearbeitet hat. Dazu passt erst einmal weniger, dass er das nur getan hat, um die globale Armut zu bekämpfen.

Foster ist Teil der " Earning to give"-Bewegung: Verdiene, um zu geben. Deren Anhänger wollen so viel Geld wie möglich verdienen, um so viel wie möglich davon zu spenden - und das auch noch möglichst effektiv. Sie wollen die Welt gerechter machen, aber ganz anders als die meisten. Nicht durch Engagement in der Obdachlosenhilfe, nicht durch laute Protestumzüge auf den Straßen oder durch die Anklage der Eliten. Nein, sie werden selbst zur Elite.

"Work hard, do well"

Während Fosters Bankkollegen nach Konsum und Status hechelten, ihr Geld für große Häuser und schnelle Autos ausgaben, lebte Foster weiterhin in einem gemieteten Zimmer und gab mehr als die Hälfte seines Einkommens an gemeinnützige Organisationen ab. Das Motto der Kollegen war: "work hard, play hard". Fosters Motto war: "work hard, do well". "Allein als Praktikant habe ich in der Londoner Bankenbranche 45 000 Pfund im Jahr verdient - ohne Boni", erzählt der 26-Jährige heute.

Eine Zeit, in der auf seinem Computerbildschirm Milliardensummen flimmerten, in der er Firmenübernahmen managte und lange Abende im Büro verbrachte. Auch heute noch arbeitet er viel, mittlerweile hat er sein eigenes Start-up gegründet, Zuhause ist er nach wie vor selten. Sein gemietetes Zimmer in einem Wohnhaus in London, das der studierte Ingenieur sich mit anderen teilt, misst nur wenige Quadratmeter. Von 15 000 Pfund im Jahr lebt er. 15 000 weitere Pfund spendet er.

Die "Earning to give" Bewegung basiert auf der Idee des effektiven Altruismus, der zum Ziel hat trotz begrenzter Zeit und begrenzter Mittel die größtmögliche Verbesserung für die Welt zu erreichen, durch den effektivsten Einsatz eben dieser Zeit und dieser Mittel. Als einer der wichtigsten Vertreter gilt der Philosoph Peter Singer, der etwa in seinem Buch "The Life You Can Save" schreibt, dass jeder für gemeinnützige Organisationen spenden sollte, solange er damit Leid und Tod verhindern kann und im Gegenzug "nichts vergleichbar Wichtiges" aufgeben muss - mindestens fünf Prozent des Einkommens und mehr seien ein gutes Maß.