Ein Kommentar von Andreas Hoffmann

Bei EADS haben Merkel und Sarkozy den ersten Familienkrach beigelegt, weitere werden folgen. Die Charaktere der beiden Regierungschefs sind zu verschieden.

Wenn Politiker über das deutsch-französische Verhältnis reden, klappen sie meist das Poesiealbum auf. Vom Motor Europas ist dann die Rede, von den Erzfeinden, die zu Freunden wurden. Solche Floskeln helfen aber nicht.

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Die Regierungschefs Merkel und Sarkozy balancierten die EADS-Führung neu aus. (© Foto: AP)

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Wie zwei Staaten miteinander umgehen, bestimmen nicht die Sonntagsreden - sondern der Alltag. Es ist wie in einer Ehe, wenn es darum geht, die Lasten zu verteilen: Wer putzt das Bad, wer betreut die Kinder, reden die Partner miteinander oder schweigen sie sich nur noch an?

In der deutsch-französischen Ehe herrschte zuletzt Krach. Der neue Präsident Nicolas Sarkozy will vieles ändern, am liebsten allein. Vorschnell rief er den früheren französischen Finanzminister Dominique Strauss-Kahn zum Chef-Kandidaten für den Internationalen Währungsfonds aus und ließ einen Schwenk in der EU-Nahostpolitik vorbereiten.

Nebenbei stellte er die Unabhängigkeit der Europäischen Notenbank und die Regeln des Stabilitätspakts in Frage, beim Luftfahrtkonzern EADS wollte er mehr Einfluss. Der politische Tornado "Sarko" fegt durch Europa.

Zumindest beim Flugzeughersteller hat Angela Merkel Sarkozy gestoppt. Die neue Führungsstruktur mit den Deutschen Thomas Enders als Airbus-Chef und Rüdiger Grube als EADS-Verwaltungsratsvorsitzenden beweist eines: Der Franzose an der Spitze des Konzerns wird nicht so einfach durchregieren können.

Louis Gallois muss sich als neuer EADS-Vorstandschef mit den Deutschen bei der Airbus-Sanierung eng abstimmen. Dieses Ergebnis ist bemerkenswert, weil es die Dinge auf den Kopf stellt.

Ursprünglich wollten die Franzosen den Deutschen Enders entmachten, auch weil er unbequem ist. Nun wächst vermutlich sein direkter Einfluss, da Enders als Airbus-Chef den Großteil des EADS-Umsatzes verantwortet.

Merkel hält wenig vom Segen des Staates

Gewiss, auch nach der Postenverschiebung redet der Staat viel mit und hemmt Airbus im Konkurrenzkampf mit Boeing. Nun bietet sich aber wenigstens die Chance, dass die Europäer im Wettbewerb Boden gutmachen.

Angela Merkel hat erneut all jene überrascht, die den Ausverkauf deutscher Interessen befürchteten. Der Krach zwischen Deutschen und Franzosen ist damit freilich nicht beendet.

Dazu sind die Charaktere zu verschieden. Nicolas Sarkozy gibt den Mittelstürmer, der den direkten Weg zum Tor sucht. Angela Merkel spielt Libero, um irgendwann das Publikum mit einem raumgreifenden Pass zu begeistern.

Dieser unterschiedliche Umgang mit der Macht wird Streit säen, zumal beide die Rolle des Staates verschieden beurteilen. Sarkozy traut dem Markt nicht und sieht die Regierung als Helfer, wenn die Wirtschaft lahmt. Merkel hält nach mehr als 35 Jahren erlebtem Sozialismus wenig vom Segen des Staates.

Der Boden für neue Konflikte ist bereitet. Immerhin haben beide jetzt bewiesen, dass sie einen Streit lösen können. Mal sehen, ob Nicolas Sarkozy in Zukunft ebenfalls so leicht nachgibt.

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(SZ vom 17.07.2007)