Nach der französischen Kritik an der angeblichen Vormacht der Deutschen beim Airbus-Konzern EADS hat Konzernchef Louis Gallois vor deutschfeindlichen Muskelspielen gewarnt.

"Einige Leute in Frankreich machen aus der Deutschfeindlichkeit ihr Geschäft", sagte Gallois dem Nachrichtenmagazin Le Point. "Sie glauben sicherlich, dass da eine gewisse Männlichkeit drin steckt. Man kann seine Muskeln zeigen."

Französische Finanzpolizei auf den Spuren von "Major Tom" - auch Airbus-Chef Thomas Enders steht unter dem Verdacht des Insiderhandels. (© Foto: Reuters)

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Angeheizt wurden die deutsch-französischen Spannungen zuletzt durch ein Dokument französischer Airbus-Manager, die sich als Gruppe der 15 bezeichnen. Die so genannte Gruppe der 15 verweist laut einer französischen Nachrichtenwebsite darauf, dass im Zuge des Sanierungsprogramms "Power 8" in Frankreich bereits 2500 Stellen abgebaut worden seien, in Deutschland aber überhaupt keine.

"Risiko von körperlichen Konfrontationen"

Außerdem sei das Klima zwischen Deutschen und Franzosen in Toulouse inzwischen derart aufgeheizt, dass es in der Produktion "das Risiko von körperlichen Konfrontationen" gebe. In Hamburg soll bereits "ein französisches Kontrollteam durch die Beschäftigten und Gewerkschaften regelrecht aus dem Werk geworfen" worden sein, berichtet die Website.

Airbus wies diese Berichte energisch zurück. Den angeblichen Vorfall in Hamburg bezeichnete ein Airbus-Sprecher als "ausgemachten Blödsinn". Bei dem Flugzeughersteller gebe es keine "Kontrollteams" und auch keine nationalen Teams. "Es gibt keine Schlägereien", sagte der Firmensprecher.

EADS-Chef Gallois war am Donnerstag am Airbus-Sitz Toulouse, um mit dem Bürgermeister Pierre Cohen und dem Handelskammerpräsidenten Claude Terrazzoni über deren Kritik am Einfluss der Deutschen bei Airbus zu sprechen.

Dem Point sagte er, EADS habe seit dem Jahr 2000 "erst einen innerfranzösischen und dann einen französisch-deutschen Krieg der Chefs" erlebt. Das sei jedoch Vergangenheit. Zu einem von Airbus-Managern in Toulouse formulierten Kritikpapier sagte er, das Dokument enthalte "gerade so viel Wahres, um das Unwahre glaubhaft zu machen."

Es gebe in der Produktion bei Airbus tatsächlich mehr Deutsche als Franzosen, weil es in Deutschland weniger kompetente Zulieferer gebe, die Arbeit übernehmen könnten, sagte Gallois. Doch "insgesamt hat Airbus 20.400 deutsche und 20.800 französische Mitarbeiter".

Der EADS-Schatzmeister sei Franzose und das Marketing weitgehend französisch. "Ich habe den einen wie den anderen erklärt, dass sie multinationale Teams bilden sollen; das ist eines ihrer Ziele, an die ihr Bonus für 2008 gebunden ist."

Die in Frankreich kritisierte Verzögerung des Stellenabbaus in Deutschland liege an den sozialen Prozeduren. "Diese Verzögerung muss eingeholt werden; das habe ich Airbus gesagt."

Nach der Festnahme des ehemaligen EADS-Chefs Noël Forgeard gerät auch der deutsche Airbus-Chef Thomas Enders ins Visier der französischen Finanzpolizei. Enders leitete EADS zur Zeit der möglichen Insidergeschäfte gemeinsam mit Forgeard und verkaufte Ende 2005 zwei Aktienpakete.

Der Deutsche ist unter den 17 Managern, gegen die die Börsenaufsicht AMF bereits ein Sanktionsverfahren eingeleitet hat. Er soll in Kürze in Paris vernommen werden.

Gefahr vom Ex-Rivalen

Die Finanzpolizei ermittelt seit November 2006. Forgeard ist der erste Beschuldigte, der wegen Verdachts auf Insidergeschäfte beim europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzern am Mittwoch festgenommen worden war. Sollte er auspacken, könnte es für Enders eng werden, schätzen Experten.

Beide lieferten sich an der EADS-Spitze einen erbitterten Machtkampf. Forgeard kann ohne richterlichen Beschluss maximal 48 Stunden in Polizeigewahrsam bleiben. Die Pariser Finanzpolizei verlängerte die Maßnahme am Donnerstag jedoch um 24 Stunden bis zum Freitag, verlautete aus Justizkreisen.

Wie Forgeard stehen die Großaktionäre Lagardère und Daimler sowie die Hälfte der aktuellen Konzernführung unter Insiderverdacht, neben Enders sein Stellvertreter Fabrice Brégier und Finanzchef Hans-Peter Ring.

Enders bleibt der ILA fern

Sie sollen im Wissen um Schwierigkeiten beim Superjumbo A380 Ende 2005 und Anfang 2006 Aktien verkauft oder ihre Anteile reduziert haben. Als die Öffentlichkeit im Juni 2006 über die A380-Pannen informiert wurde, brach der Kurs um mehr als ein Viertel ein. Enders war am Donnerstag nicht auf der Internationalen Luftfahrtausstellung in Berlin, sondern soll sich in Leipzig aufhalten.

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(sueddeutsche.de/dpa/AP/AFP/jkr/mkf)