Deutschland und Frankreich haben ihren Streit um die künftige Führungsstruktur des Luftfahrt- und Rüstungskonzerns EADS beigelegt.

Die Konzerntochter Airbus solle damit im Kampf mit dem US-Erzrivalen Boeing effizienter werden, teilte EADS am Montag mit.

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Ab Ende 2007 wird der Franzose Louis Gallois EADS alleine führen, bislang hat er sich diesen Posten mit Tom Enders geteilt und war gleichzeitig Airbus-Chef. Dem mächtigen Verwaltungsrat wird künftig der Deutsche Rüdiger Grube vorstehen. Enders wird Chef von Airbus, der wichtigsten EADS-Tochter.

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und Bundeskanzlerin Angela Merkel sprachen nach ihrem Treffen im südfranzösischen Toulouse von einem guten Tag für EADS.

Keine Kapitalnot

Merkel sagte, die neue Struktur sei gerecht und ausbalanciert. Das Gleichgewicht der deutschen und französischen Interessen sei gewahrt. Sarzoky betonte, dass es in fünf Jahren zu einer Rotation kommen werde.

So werde Arnaud Lagardere, Chef des gleichnamigen Medienkonzerns, dann den DaimlerChrysler-Vertreter Grube beerben, dem er zunächst den Vortritt ließ. Dementsprechend müsste dann ein Deutscher Gallois' Chefsessel übernehmen.

Uneinigkeiten unter den Anteilseignern hatten immer wieder wichtige Entscheidungen bei EADS verzögert, unter anderem zum Bau des neuen Airbus A350.

An EADS sind die Konzerne Lagardere und DaimlerChrysler maßgeblich beteiligt, zudem Frankreich und über staatliche Banken auch Deutschland. An der Börse kam die Einigung, die eine monatelange Diskussion beendet, gut an: EADS-Aktien verteuerten sich in Paris um knapp ein Prozent und kosteten 24,17 Euro.

Frisches Kapital braucht EADS nach Einschätzung von DaimlerChrysler nicht. Die Finanzsituation sei robust. Merkel und Sarkozy zufolge sei eine Kapitalerhöhung nicht Thema ihrer Unterredung gewesen und habe auch nicht auf der Tagesordnung gestanden.

Sarkozy betonte jedoch, dass die Debatte über mögliches frisches Kapital noch nicht abgeschlossen sei. Der französische Staat hat mehrfach versucht, seinen Einfluss auf den Konzern über eine Kapitalerhöhung im Zuge der Airbus-Krise auszuweiten.

Dazu muss allerdings der Aktionärspakt geöffnet werden, der den Anteil Frankreichs auf seine 15 Prozent beschränkt. Luftfahrtkoordinator Peter Hintze sagte Reuters, die Regierungen in Paris und Berlin würden schon bald auch über eine Anpassung der Aktionärsstruktur sprechen. Bisher haben beide Seiten die gleiche Zahl von Stimmrechten.

Lieferverzögerungen beim Großraumjet A380 sowie hohe Entwicklungskosten für den A350 hatten den Flugzeugbauer gegenüber Boeing zurückfallen lassen und EADS 2006 einen massiven Gewinneinbruch eingebrockt.

Mit einem Spargramm, das den Abbau von 10.000 Stellen sowie den Verkauf von Werken vorsieht, will EADS Airbus aus der Krise führen. Zuletzt trumpfte Airbus auf der Flugschau in Le Bourget bereits mit zahlreichen neuen Aufträgen auf. Die Gewerkschaften forderten das Management daraufhin auf, Abstand von ihren umstrittenen Sparplänen zu nehmen.

In der neuen Struktur wird der 55-jährige Grube künftig federführend die strategische Entwicklung von EADS überwachen und stärkt in dieser Funktion die Macht von DaimlerChrysler bei EADS. Er ist auch für die Beziehung zu den Hauptaktionären zuständig. Der 63-jährige Gallois wird die Strategie umsetzen und Kontakt mit privaten und institutionellen Anlegern halten.

Der 48-jährige Enders, ein ehemalige Fallschirmspringer, wird als Airbus-Chef an Gallois berichten und eng mit dem Franzosen Fabrice Bregier zusammenarbeiten, der für das operative Geschäft von Airbus verantwortlich sein wird.

EADS will ferner die Zahl der unabhängigen Mitglieder im Führungsgremium erhöhen. Im vierten Quartal solle sich eine Hauptversammlung mit dem Thema beschäftigen, hieß es. Es gehe vermutlich um vier Posten, die je zur Hälfte deutsche und französische Vertreter der Hauptaktionäre aufgeben sollten.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte mehrfach betont, EADS müsse nach unternehmerischen und nicht nach politischen Erwägungen geführt werden.

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(sueddeutsche.de/Reuters)