E-Mobilität Siemens will bei Batteriezellen für E-Autos mitmischen

Elektroautos der Marke Smart an einer Aufladestation am Potsdamer Platz: Der Absatz in Deutschland ist bislang enttäuschend.

(Foto: imago/Andreas Prost)

Bislang wird der Zukunftsmarkt von asiatischen Firmen dominiert. Siemens will das gemeinsam mit einem schwedischen Unternehmen ändern.

Von Thomas Fromm

Es sind nicht zufällig die Betriebsräte der großen deutschen Autohersteller, die schon seit Längerem für eine eigene Produktion von Batteriezellen trommeln. Denn wenn Volkswagen, Daimler und BMW eines Tages groß in die Produktion von Elektroautos einsteigen, dann dürften Tausende von Jobs in den Fabriken wegfallen, die bisher für die Herstellung von herkömmlichen Autos mit Verbrennungsmotoren nötig waren. "Ab einer gewissen Größenordnung lohnt sich die Eigenfertigung", sagt etwa BMW-Betriebsratschef Manfred Schoch. "Ich glaube nicht, dass wir täglich zweieinhalb Tausend Tonnen Batteriezellen per Container und just-in-time aus Korea kommen lassen können." Hintergrund: Die Lieferanten dieser Zellen, die dann oft in Europa zu Batterien zusammengebaut werden, sitzen in Südkorea oder in Japan.

Die Manager in den Vorstandsetagen dagegen gehen auf Abstand: Zu teuer, zu unsicher, da seien die asiatischen Lieferanten längst im Vorteil. Die heutigen Batterienbauer heißen Panasonic, LG Chem oder CATL. Zuletzt war es der Autozulieferer Bosch, der klar machte: Eine Batteriezellenproduktion mit Investitionen von bis zu 20 Milliarden Euro werde es mit ihm nicht geben.

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Jetzt ist es ausgerechnet ein Branchenfremder, der die Sache mit in die Hand nehmen will: Siemens kündigte am Freitag überraschend an, beim Aufbau der ersten großen Batteriezellen-Fabrik in Europa mitzumachen. Der Münchner Elektrokonzern will mit dem schwedischen Batteriebauer Northvolt kooperieren und ihm die für den Bau erforderliche Automatisierungs- und Digitalisierungstechnik liefern - investieren will Siemens zunächst zehn Millionen Euro in die Fabrik, die in zwei Jahren mit 2500 Mitarbeitern in Schweden an den Start gehen soll. Ziel soll sein, vom Jahr 2023 an Batterien für an die 400 000 Elektroautos im Jahr zu liefern. Auch Siemens selbst will seine Elektrobatterien für Züge oder Industriemaschinen dann von Northvolt beziehen.

Die Partner planen groß: Die neue Fabrik soll eine Kapazität von 32 Gigawattstunden liefern, was fast so viel wäre wie die vom kalifornischen Elektroautobauer Tesla geplante "Gigafactory" in der Wüste von Nevada.

Siemens-Vorstand Jan Mrosik spricht daher von einem "Leuchtturm-Projekt für Europa", das man angesichts der asiatischen Vormachtstellung im Markt jetzt brauche. Northvolt-Chef Peter Carlsson, der früher für Tesla gearbeitet hat, will daher ein "Wettbewerber für die asiatischen Hersteller" werden. Seinen Berechnungen zufolge brauche Europa 15 solcher Fabriken, um die mittelfristige Nachfrage der hiesigen Hersteller nach Elektroautobatterien zu befriedigen. Es sei "ineffizient" und gefährlich, ständig Tausende bis zu 600 Kilogramm schwere Batterien nach Europa zu bringen; außerdem müsse Europa unabhängiger von den Lieferungen aus Asien werden. Gerade die Abhängigkeit gilt als großes Problem.

Das Kalkül von Siemens hierbei ist klar: Der Konzern will sich mit seiner Automatisierungs- und Digitalisierungstechnik für weitere Fabriken dieser Art in Stellung bringen. Man wolle zeigen, heißt es in München, dass es durchaus wirtschaftlich sein könne, eine solche Batteriezellenfabrik in Europa zu betreiben - wenn man ein solches Projekt mit der richtigen Technologie angeht. Mit anderen Worten: Wenn man den Münchner Konzern mit ins Boot holt.

Was für Siemens ein indirektes Bewerbungsschreiben für neue Auftraggeber ist, ist für Northvolt ein wichtiger Test - es geht um die Frage, ob man es als erster schaffen wird, so etwas in Europa hochzuziehen. Einen ersten Kunden gibt es wohl bereits: Es ist der schwedische Lkw-Bauer Scania, eine Tochter des Volkswagen-Konzerns. Es wäre ein Start mit Perspektiven.

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