Die Firma US-Landbanking wirbt bei Galopprennen oder dem UEFA-Cup um Anleger, verspricht eine Verdopplung des Kapitals und kassiert Millionen. Das Problem dabei: Der Firmenchef Ulrich Engler wird per Haftbefehl gesucht.
Wer beim Internationalen Galopprennen Baden-Baden das Frühjahrsmeeting besuchte, erlebte vergangenen Donnerstag in Iffezheim eine ungewöhnliche Premiere: Erstmals fand der "US-Landbanking-Cup" statt. Die Firma US-Land Banking, die Anlagegeschäfte mit Bauerwartungsland in den Vereinigten Staaten anbietet, ist derzeit auf vielen Plätzen und Sälen in Deutschland als Sponsor präsent. Bei der Handball-Champions-League, in der Deutschen Eishockey-Nachwuchsliga und auch beim Neckar-Musikfestival 2007.
Bild vergrößern
Allein beim Internationalen Rennen in Galopprennen in Baden-Baden letzte Woche soll Ulrich Engler einen zweistelligen Millionenbetrag eingenommen haben. (© Foto: AP)
Anzeige
Das Problem dabei: Hinter US-Land Banking steht der deutsche Geschäftsmann Ulrich Engler, und der wird nach Angaben des Deutschen Instituts für Anlegerschutz (Dias) per Haftbefehl in Deutschland gesucht. Es soll dabei um Betrug gehen.
Der 45-Jährige, der sich womöglich in den USA aufhält, ist hierzulande zuletzt nicht persönlich aufgetreten - er wird wissen, warum. Die Werbeslogans seiner Firma sind dagegen häufig zu sehen. Im Februar war bei einem Uefa-Pokalspiel von Bayer Leverkusen auf der Bande des Fußballfeldes zu lesen: "US-Land-Banking. Verdoppeln Sie Ihr Kapital in 4 Jahren. Grundbuchabgesichert!!!"
Auch beim Day-Trading, beim Handel mit Aktien innerhalb eines Tages, verspricht Engler Traumgewinne: Bis zu vier Prozent sollen für Anleger drin sein - pro Monat und garantiert. Auf seiner Homepage weist er für 2007 sogar Monatsrenditen von mehr als zehn Prozent aus. Selbst im Februar 2007, als der amerikanische Leitindex Dow Jones mehr als drei Prozent verlor, will er mit seinen Spekulationen am amerikanischen Aktienmarkt ein Plus von 13,32 Prozent erwirtschaftet haben.
Davon lassen sich offenbar derzeit viele Anleger in Deutschland beeindrucken. Allein während der Rennwoche in Iffezheim soll es Englers Vertriebstruppe gelungen sein, einen zweistelligen Millionenbetrag einzusammeln. Er selbst sprach Anfang des Jahres von bereits 4000 Kunden, die ihm umgerechnet mehr als 150 Millionen Dollar für seine Day-Trading-Geschäfte zur Verfügung gestellt hätten.
Das klingt gut
Englers bisheriger beruflicher Werdegang weckt allerdings nicht gerade Vertrauen. Der Geschäftsmann nennt sich "Investment-Banker des Jahres 2006" und sagt, er habe seine Karriere bei der Schweizer Bank UBS begonnen und danach 21 Jahre lang, zum Teil als Chefhändler für Derivate, bei der früheren Chase Manhattan Bank (jetzt JP Morgan Chase) gearbeitet. Das klingt gut, nur weiß die amerikanische Bank davon nichts: Bei dem Geldhaus heißt es, Engler habe nie für Chase Manhattan gearbeitet. Die Bank hat wegen der Behauptungen gegen ihn eine Klage eingereicht.
Andere Ungereimtheiten kommen hinzu: Engler erklärt, seine Firma Private Commercial Office (PCO) habe mit Day-Trading-Geschäften 2003 eine Rendite von 76 Prozent erwirtschaftet. 2004 und 2005 seien es sogar 125 Prozent beziehungsweise 107 Prozent gewesen. Das passt aber nicht zusammen mit den offiziellen Meldeunterlagen der zuständigen Behörden in Florida, wo PCO eine Briefkastenanschrift angemietet hat.
Demnach wird Englers Firma erst seit Oktober 2005 wieder als aktiv geführt. Der Grund: Von 2002 bis September 2005 hatte er weder einen Jahresbericht vorgelegt noch die erforderliche Jahresgebühr bezahlt. Merkwürdig ist auch ein anderes Detail: Im Februar sagte Engler der Süddeutschen Zeitung, seine Aktienhändler seien an der New Yorker Börse aktiv. Eine Adresse, wo sein Personal arbeitet, ist jedoch nicht zu finden. Englers Firma PCO besitzt auch keine Zulassung der Finanzbehörden in Florida, als Day-Trading-Firma zu arbeiten.
Gefälschte Banklizenz
Dafür verrät ein Urteil des Landgerichts Hamburg, in dem Engler als "gesondert verfolgter Mittäter" bezeichnet wird, eine Menge über seine bisherige Geschäftsaktivitäten. Demnach soll er in den Jahren 2003 bis 2005 mehrmals versucht haben, Geld von Anlegern einzuwerben.
Engler und sein zu zwei Jahren Freiheitsstrafe verurteilter Kompagnon zeigten sich dabei sehr flexibel: Zunächst ging es um den angeblich lukrativen Vertrieb von öffentlichen Fernsprechern in den USA. Dann gab das Duo vor, eine "Offshore-Bank" zu gründen - die gefälschte Banklizenz war von dem "Minister of Finance" des Phantasiesstaates "Dominion of Melchizedek" unterzeichnet. Später versprachen die beiden hohe Renditen durch den Verkauf von Erotik-Seiten im Internet. Das Geld der Anleger verwendete das Duo dabei "für eigene Zwecke", wie es in dem Urteil heißt.
Dias-Chef Volker Pietsch warnt deshalb gerade auf Sicherheit bedachte Investoren davor, sich von Engler ködern zu lassen und auf seine Angebote einzugehen. Bislang hätten sich noch keine Geschädigte gemeldet. Dies sage jedoch nichts über die Seriosität der Anlagegeschäfte aus.
Ein gewisser "Richie" und sein System
"Die von Engler angepriesene wundersame Geldvermehrung schließt den dringenden Verdacht eines Schneeballsystems nicht aus", sagt Pietsch. Das heißt: Das an Anleger ausgeschüttete Geld könnte von dem Kapital neu angeworbener Investoren stammen. Engler hat dies stets bestritten. Die Fragen der SZ zu seinem Werdegang ließ er unbeantwortet.
In einem der Internet-Foren, in denen ausgiebig über sein Treiben diskutiert wird, meldete sich Anfang April aber ein gewisser "Richie" zu Wort und gab an, selbst Ulrich Engler zu sein. Dafür spricht, dass Engler sich selbst "Richie" nennt. Jener Richie jedenfalls teilte mit, er fliege über Ostern in den US-Bundesstaat Idaho in den Urlaub. Und weiter ließ er die Anleger wissen: "Während meiner Abwesenheit passt mein Hund auf Euer Geld auf."
(SZ vom 25.05.2007)
Großprojekte in Berlin
Dusty2,
warum geben Sie Kommentare ab, wenn Sie vom "Daytrading-System" Engler keine Ahnung haben?
Engler fährt eine Long-only Strategie! Somit ist Ihr ganzer Kommentar obsolet!
Hoffe konnte weiterhelfen?
Seltsam, da schreibt jemand ein Kommentar in einer Zeitung und wundert sich, dass man Gewinne macht, wenn der Kurs fällt! Hat der keine Ahnung, noch nie etwas von shorten usw. gehört? Wie ernst ist dieser Mann zu nehmen? Ich handle selbst nur Devisen, und mache jedes Monat Gewinn, meist im zweistelligen Bereich. Das ist nicht so ungewöhnlich. Wo ist Herr Öchsner angestellt? Bei einer Bank? Verteidigt er hier, dass man das allgemeine Volk mit 5 % im Jahr verarscht?
Hier melden sich anscheinend absolute Börsenfachleute und Banker, deren Horizont im Geldgeschäft offensichtlich sehr lückenhaft erscheint. Wenn Sie wüßten, welche Profite die internationalen Banken (auch durch Tradinggeschäfte) einfahren und ihren Kunden Jammerzinsen für deren Anlagen auszahlen - es würde eine Revulotion geben!
Zu allem Trotz fahre ich mit der Anlage des Herrn Engler seit Jahren gut. Beschwerden kenn ich nur von Leuten, die noch nie Geld dort angelegt haben.
Jeder soll für sich entscheiden.
U.E. vertreibt seine Produkte nur im deutschsprachigen Raum, nicht in den USA.
amerikanische Behörden haben deshalb kein Interesse an ihm. Solange er sich nicht in _Deutschland aufhält, kommen deutsche Behörden nicht an ihn heran. Nach meinen Informationen kann er seine "trades" nicht durch Abrechnungen beweisen. Und seine bisherigen Kunden (auch Vermittler) hoffen halt immer noch, dass sie ihr investiertes Kapital zurückbekommen. Woher das kommt, interessiert sie dabei gar nicht.
@tomandcherry
Es ist wirklich recht eigenartig, was im Bereich Finanzen abgeht, keine Frage.
Kurios ist, dass weder die eine noch die andere Seite (sprich Anleger bei U.Engler und DIAS etc.) bis dato keine Belege vorlegen konnte oder wollte? Woran liegt das? Entweder gibt es Belege, die Beweisen, das U.Engler "krumme" Geschäfte macht, dann müßte, so wie Du sagst, längst ein internationaler Haftbefehl ergangen sein oder er macht tatsächlich glänzende Geschäfte (die kannst Du übrigens auf der Internetseite im internen Bereich fast tagtäglich abrufen) und dies ist den Banken etc. ein Dorn im Auge.
Fakt ist, entweder läßt man die Finger davon oder man macht Geschäfte mit U.Engler, bekommt bis zu 5% Zinsen pro Monat und ist sich bewußt, dass es gut gehen kann oder auch nicht?! Jedem das Seine.
"Gier frißt Hirn" ist sehr weit verbreitet, nicht nur bei naiven Anlegern, nein in allen Bereichen, auch bei Managern. Unternehmensgründern etc. die einfach den Hals nicht voll kriegen und sich verleiten lassen.
Auf der anderen Seite "kotzt" mich die Verlogenheit an, die tagtäglich an den Tag gelegt wird, dass der "normale" Bürger es schon hinkriegt genügend im Alter zu haben, wenn er eine Riester und/oder Rüruprente für sich abschließt. Weißt Du was, es ist "Verarsche" hoch zehn und löst in keinster Weise die Probleme, die wir in 20 - 30 Jahren haben werden!
Wer kein Risiko eingeht (es muss nicht U.Engler sein), um mehr Prozente zu bekommen, wird im Alter sehr schlecht da stehen. Unabhängige ("was immer auch das heißen mag) Vereine sagen seit Jahren und weisen deutlich darauf hin, unter einer zweistelligen Verzinsung kannst Du alles, was in den Bereich Vermögensaufbau geht (also längerfristige Anlageformen) schlichtweg vergessen. Es macht keinen Sinn. Zinsen minus Steuern minus Inflation gleich Rendite. So einfach ist das. Was gilt in Deutschland grundsätzlich? Alles, was über 6% geht ist doch bereits unseriös. Dazu zählt dann auch eine deutsche sehr große Bank, die im ersten Quartal eine Eigenkapitalrendite vor Steuern von ca. 40% erwirtschaftet hat, tztztz, das macht man einfach nicht, denn es ist doch unseriös, nicht wahr?
Noch eine kleine Anmerkung: Die Risterrente ist übirgens LEDIGLICH als Ausgleich der Rentenkürzungen gedacht, nicht mehr und nicht weniger.
In diesem Sinne,
Paging