Dubiose Aktiendeals Carsten Maschmeyer verschenkt 525 600 Minuten Glück

Beteuern, nichts von dubiosen Deals geahnt zu haben: Carsten Maschmeyer und seine Ehefrau, die Schauspielerin Veronica Ferres.

(Foto: dpa)
  • Carsten Maschmeyer vertraute einer Bank in Basel viel Geld an und schickte rührende Briefe.
  • Als dann 14 Millionen Euro fehlten, brachte der Investor Ermittlungen in Gang.
  • Jetzt musste der damalige Vizechef der Bank, Eric Sarasin, 200 000 Euro an die deutsche Justiz zahlen.
Von Klaus Ott

Carsten Maschmeyer kann der liebenswürdigste Mensch der Welt sein. Jener Maschmeyer, Unternehmer aus Hannover, der im Ruf steht, mit seinem früheren Finanzvertrieb AWD als eine Art "Drückerkönig" Tausende Kapitalanleger abgezockt zu haben (was er bestreitet). Im Dezember 2006 schickte der Investor Neujahrspost an den Schweizer Bankier und Geschäftspartner Eric Sarasin. Er wünsche Sarasin, schrieb Maschmeyer, für das nächste Jahr zwölf Monate Liebe, 52 Wochen Zufriedenheit, 365 Tage Gesundheit, 8760 Stunden Erfolg und 525 600 Minuten Glück. Alles Gute und herzliche Grüße. Liebenswürdiger geht es wirklich nicht.

Damals waren Maschmeyer und Sarasin, bei dessen gleichnamiger Bank in Basel der AWD-Mann Millionenbeträge anlegte, ziemlich beste (Geschäfts)Freunde. Sie vergnügten sich bei großen Fußballereignissen und Festen. Inzwischen sind sie wohl ziemlich beste Feinde. Maschmeyer hat im Juni 2014 damalige Verantwortliche der Basler Bank bei der Staatsanwaltschaft Köln wegen Betrugs in einem besonders schweren Fall angezeigt. Im Oktober 2014 folgte eine Razzia bei der Schweizer Bank. Anlass der Razzia: Ermittlungen der Kölner Staatsanwaltschaft wegen Betrugs und mutmaßlicher Steuerdelikte gegen eine mutmaßliche Bande von rund 30 Beschuldigten, der auch Eric Sarasin angehört haben soll. Der Privatbankier trat als Vizechef des Geldinstituts zurück und kaufte sich jetzt mit 200 000 Euro aus dem Verfahren frei.

Dubiose Deals, dubiose Fonds

Eric Sarasin kommt glimpflich weg angesichts der dubiosen Aktiendeals, um die es geht. Die Bank Sarasin, die nach einem Eigentümerwechsel J. Safra Sarasin heißt, hatte Anlegern wie Maschmeyer spezielle Kapitalfonds aus Luxemburg und anderen Staaten vermittelt. Die Fonds hatten nach Erkenntnissen der Strafverfolger den einzigen Sinn und Zweck, sich beim Handel von Aktien mit (Cum) und ohne (Ex) Dividende eine ein Mal an den deutschen Fiskus gezahlte Kapitalertragsteuer mehrmals erstatten zu lassen. Allein dem Kölner Verfahren liegen mutmaßlich unberechtigte Steuererstattungsanträge in Höhe von 462 Millionen Euro zugrunde. Mehr als 100 Banken und Fonds sollen den deutschen Staat um mehr als zehn Milliarden Euro geschädigt haben.

Interne Papiere der Bank aus Basel dokumentieren, dass es dort Hinweise auf solch zweifelhafte Geschäfte bei den vermittelten Fonds gab. Die Bank betrieb diese Fonds nicht selbst. Und die neuen Eigentümer, die brasilianische Milliardärsfamilie und Unternehmensgruppe Safra, haben mit diesen Aktiendeals nichts zu tun. Auch Maschmeyer und seine Familie einschließlich der Ehefrau, Schauspielerin Veronica Ferres, wollen bei ihren Investments in solche Fonds nichts von dubiosen Deals geahnt haben. Das sei verschwiegen worden, so der frühere AWD-Mann in seiner Strafanzeige. Maschmeyer & Co. hatten 55 Millionen Euro in die Fonds gesteckt. Als die nicht mehr funktionierten, weil die Regierung in Berlin diesen Aktiendeals einen Riegel verschob, verloren der frühere AWD-Mann und seine Familie 14 Millionen Euro.

"Glaubwürdigster Schweizer Banker"

Im Frühling vergangenen Jahres, nach langem und heftigem Streit, ersetzte die Bank den Maschmeyers einen großen Teil des Schadens. Anschließend, am 4. Mai 2015, zog der Hannoveraner Investor seine Anzeige zurück. Maschmeyers Anwalt teilte der Kölner Staatsanwaltschaft in einem fünfzeiligen Schreiben mit, sein Mandant habe "kein Interesse mehr" an einer Strafverfolgung. Knapp ein Jahr vorher, in der 22-seitigen Anzeige, hatte das noch ganz anders geklungen. Da war außer von Betrug auch noch von "erschlichener Erstattung" gar nicht gezahlter Steuern durch die betreffenden Fonds die Rede. Vom Griff in die Staatskasse also. Warum Maschmeyer die Ermittlungen dann plötzlich egal waren, dürfte leicht zu erklären sein. Vergleiche wie der zwischen dem Unternehmer aus Hannover und der Basler Bank beinhalten üblicherweise einen Passus, dass beide Parteien alle gegenseitigen Vorwürfe, Klagen und Anzeigen zurückziehen.

Eric Sarasin, der nach wie vor seine Unschuld beteuert, ist heilfroh über das für ihn "glückliche Ende" des Kölner Verfahrens. Die Zeiten, in denen er es sich mit Maschmeyer gutgehen ließ und in denen sie sich gegenseitig die schönsten Briefe schickten, sind längst vorbei. Im Juni 2008 hatte sich der AWD-Mann beim "lieben Eric" überschwänglich bedankt für einen wunderschönen Empfang in dessen Traumvilla. "Ich habe jeden Moment genossen", schrieb Maschmeyer. Schöner könne ein Tag nicht sein. Anschließend lud der Unternehmer den Schweizer Bankier zur 20-Jahr-Feier des AWD mit Thomas Gottschalk und Pink, Seal, Nelly Furtado und Ex-Spitzenpolitikern wie Kofi Annan und Gerhard Schröder ein. Ganz besonders herzlich gratulierte Maschmeyer Ende 2009 seinem Freund in Basel zur Auszeichnung "Glaubwürdigster Schweizer Banker" und wünschte Gesundheit, Lebensfreude, Erfolg und Glück für das neue Jahr.

Maschmeyer habe "was richtig Geiles" gewollt

Der Multimillionär Carsten Maschmeyer versenkte gemeinsam mit seiner Clique viel Geld in Fonds. Die Schuld daran gibt er einem ehemaligen Freund. Der stellt das anders dar. Analyse von Klaus Ott mehr ... Analyse