Drogeriekette wird abgewickelt Schleckers tränenreiches Ende
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Der Insolvenzverwalter schleicht sich ins Gebäude, dann verkündet er das Aus für Schlecker. Die Mitarbeiter nehmen es hin. Von mehr als 13.000 wird nur ein kleines Team übrig bleiben - um Schlecker abzuwickeln.
Die schlechte Nachricht kommt durch die Seitentür. Um 13.23 Uhr schlüpft Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz am Freitag in den Humboldt-Saal der Berliner Urania, er geht zum Rednerpult und sagt dann den versammelten Betriebsrätinnen von Schlecker, dass es vorbei ist. Die Gläubiger sind sich mit keinem Investor einig geworden, Schlecker wird zerschlagen. "Stehend und aufrecht", so erzählen sie es später, haben sie Geiwitz zugehört, mit jedem seiner Sätze, sagen sie, haben sie einsehen müssen, dass sie vergeblich gehofft, vergeblich gekämpft haben.
Während Geiwitz vor die Journalisten tritt, ihnen erklärt, dass es für die Anton Schlecker e.K. "keine Gesamtlösung" geben wird, schleichen die Gewerkschafterinnen an ihm vorbei. "Wir sind Schlecker" war ihr Motto, jetzt sagt eine Frau mit roter Dauerwelle nur noch: "Wir sind Schlecker gewesen." Es ist ein Trauermarsch, der an Geiwitz vorbeizieht. Die Frauen, die ihre Kunden früher mit klecken Witzchen verabschiedet haben, sind sprachlos. Sie wollen nicht reden, sie wollen nicht weinen, am Ende tun sie es trotzdem. Mit Tränen in den Augen liegen sie sich in den Armen, ziehen nervös an ihren Zigaretten, schreiben SMS. Vom Ende eines Unternehmens, ihres Unternehmens, der Anton Schlecker e.K.
Zuletzt waren noch der amerikanische Finanzinvestor Cerberus und Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen im Rennen. Besonders auf Berggruen ruhten die Hoffnungen vieler Mitarbeiter. Am vergangenen Freitag tauchte sein Name zum ersten Mal in der Presse auf. Der deutsch-amerikanische Investor habe dem Insolvenzverwalter ein Kaufangebot unterbreitet, hieß es. Berggruen hatte tatsächlich Mitte Mai wie viele andere Investoren Interesse angemeldet. Am Donnerstagabend sagte er Arndt Geiwitz jedoch ab. Offenbar wollte er nur einen Blick in Schleckers Bücher werfen, um bei einer Abwicklung besser um Unternehmensteile wie das Zentrallager in Ehingen oder den Einkauf mitzubieten.
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Abgezeichnet hat sich der Zerfall der Kette schon seit Monaten. Wer im vergangenen Jahr bei Schlecker einkaufte, wunderte sich über viele leere Regale. Was mit technischen Problemen erklärt wurde, war die Reaktion der Lieferanten wegen der unpünktlichen Zahlungen.
Seit Jahrzehnten hat Schlecker von den Zuschüssen der Industrie gelebt. Die freuten sich stets über zunehmende Absatzmöglichkeiten und finanzierten jede neue Filialeröffnung mit ihren Rabatten.