Drastische Abwertung durch Ratingagentur Argentinien büßt für Kampf gegen Spekulanten

Ein gepfändetes Schiff, Kolonialismus-Vorwürfe und eine Abwertung um gleich fünf Stufen durch die Ratingagentur Fitch: Der Streit zwischen Argentinien und Finanzspekulanten eskaliert. Bevor das Land einem Hedgefonds eine Milliarde Dollar zurückzahlt, riskiert es lieber einen Staatsbankrott.

Da war die Freiheit noch frei: Das argentinische Segelschulschiff Libertad (re.) im Jahr 2010 vor Valparaiso, Chile. Im Oktober ließ ein US-Hedgefonds, dem Argentinien mehr als eine Milliarde Dollar schuldet, das Schiff pfänden.

(Foto: AFP)

Argentinien zahlt nicht, und dafür muss es büßen. Erst war es ein argentinisches Schiff, das der US-Hedgefonds NML Capital des Milliardärs, Philanthropen und Mitt-Romney-Kumpels Paul Singer pfändete. Jetzt straft eine amerikanische Ratingagentur das ganze Land ab.

In der Nacht zum Mittwoch stufte die US-Ratingagentur Fitch die Kreditwürdigkeit Argentiniens um fünf Stufen herab - von B auf CC. Damit gelten die Papiere des Landes als hochspekulative Anlage, das Rating liegt nur noch zwei Stufen über dem Status "zahlungsunfähig". Die schlechtere Note bedeutet, dass das von einer Rezession geplagte Land Schuldnern noch höhere Zinsen zahlen muss als bisher schon. Die deutlich schlechtere Note begründete die Ratingagentur in New York mit dem drohenden Zahlungsausfall des Landes.

Hintergrund ist ein seit Jahren schwelender Streit zwischen Argentinien und einer von dem Fonds NML Capital - Teil von Singers Gruppe Elliott Associates - angeführten Gruppe von Spekulanten. Sie pochen darauf, dass das Land Altschulden tilgt. Argentinien weigert sich.

Der New Yorker Richter Thomas Griesa gab den Spekulanten vergangene Woche recht und verpflichte Argentinien, bis zum 15. Dezember Altschulden von 1,3 Milliarden Dollar auf ein Treuhandkonto zu zahlen. Die argentinische Regierung legte am Dienstag Berufung gegen das Urteil ein.

"Juristischer Kolonialismus"

Keinen Cent sollen die "Aasgeier" bekommen, tobt die Regierung. Schon in der vergangenen Woche hatte Argentiniens Wirtschaftsminister Hernán Lorenzino das Urteil als "juristischen Kolonialismus". "Das Einzige, was noch fehlt, ist, dass Griesa die fünfte US-Flotte in Marsch setzt", sagte Lorenzino. Der Streit hat Signalwirkung bis nach Europa. Sollten am Ende die Gläubiger siegen, würden auch Schuldenschnitte mit aktuellen Krisenländern wie Griechenland erschwert.

Die Spekulanten hatten sich vor knapp elf Jahren mit argentinischen Staatspapieren eingedeckt. Damals stand das Land vor der Pleite. Die Kurse der Anleihen waren im Keller, die Papiere billig zu haben. Argentinien stellte den Schuldendienst Anfang 2002 ein und erklärte sich für zahlungsunfähig. Mehr als 90 Prozent der Gläubiger nahmen bei dem Schuldenschnitt enorme Verluste auf ihre ursprünglichen Forderungen in Kauf, um nicht komplett leer auszugehen. Singer und andere Investoren beteiligten sich an den beiden Umschuldungsrunden in den Jahren 2005 und 2010 allerdings nicht. Obwohl sie erst eingestiegen waren, als viele Experten den Zahlungsausfall bereits für absehbar hielten, klagten sie auf Rückzahlung der Anleiheschulden zum vollen Nominalwert. Auch das überschuldete Griechenland ist momentan mit Hedgefonds konfrontiert, die nach einem Schuldenschnitt - erfolgreich - auf steigende Kurse spekuliert haben.