Diskussion um Biokraftstoff E10 "Wir können Tank und Teller"

Die deutschen Bauern sprechen sich gegen ein Verbot des Biokraftstoffs E10 aus. Zugleich versuchen sie, Sorgen vor Nahrungsmittelknappheit zu zerstreuen - die Ernte in Deutschland sei gut ausgefallen.

Gehören Feldfrüchte in den Tank oder auf den Teller? Darüber streiten Politik, Umweltverbände, und Mineralölkonzerne. Diejenigen, die die Feldfrüchte ernten, wollen, das alles bleibt, wie es ist: "Wir können beides, Teller und Tank", sagte Joachim Rukwied, Chef des Deutschen Bauernverbandes. Er wies das Argument zurück, die Produktion von Pflanzen für Bioenergie führe zu steigenden Nahrungsmittelpreisen.

Die Preise für den Biokraftstoff E10 hatten am Wochenende ein neuen Rekord erreicht: Der Liter Super E10 kostete im Schnitt 1,692 Euro - so viel wie noch nie. Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) hatte daraufhin ein Verbot von E10 gefordert. Grüne, Linke und Umweltschützer befürworten einen Verkaufsstopp, weil wegen des Biosprits mehr Menschen hungern müssten und mehr Regenwald abgeholzt werde. Die Anbaufläche, die für Ethanol genutzt werde, werde für den Anbau Nahrungsmitteln gebraucht, so das Argument. Auch die Mineralölwirtschaft hängt nicht an E10, da sie normale Kraftstoffe teurer verkaufen kann.

Das deutsche Quotengesetz schreibt vor, das 6,25 Prozent des Gesamttreibstoffs Biosprit sein muss. Nach Meinung des Deutschen Bauernverbandes soll das so bleiben. "Wir sind für die Beibehaltung des Beimischungszwangs", sagte Rukwied.

Niebel hatte neben einem Verbot auch neue Beimischquoten für E10 ins Gespräch gebracht. "Sie würden erlauben, bei Nahrungsmittelknappheit auf Beimischung zu verzichten, um die Preisentwicklung zu entlasten und zugleich aber Anreize zur Weiterentwicklung von Biokraftstoffen zu setzen", sagte der FDP-Politiker.

In der Unionsfraktion regte sich Unmut über Niebels Vorschlag. "Ich glaube nicht, dass man sich einen Gefallen tut, wenn man in Fragen des weltweiten Hungers zu so schnellen Antworten kommt", sagte Fraktionsvize Christian Ruck. "Wir haben derzeit von der weltweiten Ackerfläche zwei bis drei Prozent für Energiepflanzen. Das ist nicht der entscheidende Preistreiber." Das sehen die Bauern ähnlich: Man nutze ein "gesundes Maß" der Fläche für die Produktion von Bioenergie, sagte Rudwick.

Im Gegensatz zu den USA und Indien leiden die deutschen Bauern nicht unter dramatischen Ernteausfällen - im Gegenteil. In diesem Jahr fuhren sie fast 44 MIllionen Tonnen Getreide ein. Dies seien 1,9 Millionen Tonnen oder 4,5 Prozent mehr als im Vorjahr, sagte Rukwied: "Deutschland trägt damit dazu bei, dass sich die Getreidemärkte entspannen können." Mit Blick auf die Debatte um eine mögliche Zurückdrängung von Pflanzen für die Lebensmittelproduktion zugunsten von Biokraftstoff, sagte er: "Die Versorgung der Bevölkerung ist sichergestellt."

Die Bauern rechnen auch mit steigenden Preisen für Fleisch- und Milchprodukte, weil sich die Kosten für Futtermittel erhöht haben. Diese würden nun an die Verbraucher weitergegeben. Vor allem mit Blick auf die Dürre in den USA forderte Rukwied, die Spekulation mit Nahrungsmitteln zu regulieren: "Wir Bauern lehnen Wetten auf Börsenkurse und Leerverkäufe strikt ab."