Nach den jüngsten Störfällen hofft die SPD auf eine Trophäe - auf einen Reaktor, der früher abgeschaltet wird als geplant.
Für Ende August müssen sich die vier großen Stromkonzerne einen Termin notieren, der ihnen so gar nicht in den Kram passen dürfte. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel will mit ihnen über längere Reaktor-Laufzeiten sprechen - allerdings nur für jüngere Kernkraftwerke.
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Das ist genau das Gegenteil dessen, was die Unternehmen wollen. Die treten zwar auch für längere Laufzeiten ein. Sie wollen aber die älteren Kraftwerke nicht kürzer, sondern länger laufen lassen. Sicherheit sei keine Frage des Alters, heißt es bei den Betreibern, sondern der Sorgfalt. Und vor allem könnten die längeren Laufzeiten den AKWs helfen, die große Koalition zu überleben.
Zauberwort Reststrommenge
Beide Seiten berufen sich auf die Regeln für den Atomausstieg. Als die rot-grüne Vorgängerregierung die Kernkraft im Jahr 2000 zum Auslaufmodell machte, erlaubte sie auch die Übertragung von Reststrommengen. Diese Restmengen regelten, wie lange ein Reaktor noch Strom erzeugen darf.
Vor allem ältere AKWs sollten so rascher vom Netz gehen. Wer ein altes Kraftwerk kürzer laufen lassen wollte, ein neueres im Gegenzug länger, brauchte nicht einmal eine Genehmigung. Für den umgekehrten Fall dagegen verlangte der Gesetzgeber die Zustimmung des Umweltministers.
Genau die haben inzwischen drei von vier deutschen Reaktorbetreibern beantragt. In Hessen will RWE seinen Reaktor Biblis A (in Betrieb seit 1975) länger laufen lassen, mithilfe von Strommengen aus dem bereits stillgelegten Kernkraftwerk Mülheim-Kärlich.
Der Konzern erhielt eine Absage. In Baden-Württemberg will EnBW den Meiler Neckarwestheim 1 (1976) verlängern, dafür das neuere Nachbarkraftwerk Neckarwestheim (seit 1983 am Netz) verkürzen. Und in Schleswig-Holstein wollte Vattenfall sich ebenfalls Mülheim-Kärlicher Reststrommengen bedienen - für seinen Pannenreaktor Brunsbüttel (1977).
Anti-Atom-Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) signalisierte schon ein Nein. Die Unternehmen wollen sich damit nicht abfinden - und drohen mit Klagen. Schließlich sei in die Anlagen reichlich investiert worden. "Man kann die Sicherheit nicht am Baujahr festmachen", heißt es bei RWE. "Wenn ein Kernkraftwerk nicht sicher ist, wird es abgeschaltet."
Für die Unternehmen wird es langsam eng. Vier der 17 deutschen Kernkraftwerke müssen in den nächsten drei Jahren vom Netz, so will es der Atomkonsens - es sei denn, der Konsens wird ausgehebelt.
Das aber wird in dieser Koalition wohl nicht mehr geschehen - die SPD sieht sich durch die jüngsten Vorfälle eher noch bestätigt im Anti-Atom-Kurs. Bleibt nur die Verlängerung über das Ende der Legislaturperiode hinaus - in der Hoffnung auf atomfreundlichere Nachfolger. Wohl nicht ganz zufällig stehen seit neun Monaten schon die beiden Biblis-Meiler still, offiziell zum Austausch schadhafter Dübel. Beide wären andernfalls 2009 an der Reihe gewesen.
Experten drängeln. "Wer den Grundsatz ,Sicherheit vor Wirtschaftlichkeit' ernst meint, sollte alte Anlagen vom Netz nehmen", fordert etwa Wolfram König, Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz. Tatsächlich sind nicht alle deutschen Reaktoren gleich gut. Während neuere Kraftwerke meist sogenannte Druckwasserreaktoren sind, arbeiten die älteren mit Siedewasser.
Der Unterschied: Bei letzteren gibt es nur einen Dampfkreislauf. Das Wasser wird von Brennstäben erhitzt und ist damit kontaminiert. Viel leichter kann hier Radioaktivität an die Außenwelt gelangen. Auch ist in Deutschland der Siedewasserreaktor der Baureihe 69 stark vertreten. Sie galt als besonders kompakt - inzwischen gilt sie als besonders störanfällig.
Brunsbüttel zählt dazu, aber auch der bayrische Reaktor Ohu 1 sowie in Baden-Württemberg Philippsburg 1. Alle drei gehören auch, zusammen mit Biblis, zur Gruppe jener Reaktoren, die nicht besonders gut gegen Terror geschützt sind, zum Beispiel gegen gezielte Flugzeugabstürze. Wie auch: Ende der sechziger Jahre war das einfach noch kein Thema.
(SZ vom 18.07.2007)
Gysi und Lafontaine beim Linke-Parteitag
Ich habe ein Problem mit der ganzen Atomstromdiskussion in Deutschland: der Großteil der Bevölkerung ist gegen Atomstrom, aber nur ein verschwindet kleiner Teil bezieht öko-Strom.
Hört also unsere Begeisteung für "guten" Strom da auf, wo es teuer wird - das hieße ja, daß wir ein Volk von Heuchlern wären ?
Ich jedenfalls habe jahrelang den schönen Blick auf Biblis I und II von Groß Gerau aus genossen - als absoluter Kernkraftbefürworter.
... hocheffektive Maschinen die das viel besser können als der Mensch mit 5 verschiedenen Mülltonnen. Man müsste die Technik nur nützen. Aber man investiert ja lieber in ALG4 anstatt so etwas zu bauen.
Im Übrigen braucht man mir nicht vormachen dass man Atomenergie benötigt solange nachts in leeren Industriegebieten alle Schaufenster und Straßenlampen leuchten.
http://www.atomausstieg-selber-machen.de
http://www.energy-switch.de
es geht um gewinne.
und um ne zerstörung, die sich keiner von uns vorstellen kann.
trennen wir müll.
aber bitte vorherige stilllegung der akws.
danke frau merkl merkel.
Vattenfall.de:
Positives Jahresergebnis 2006 Betriebsergebnis deutlich gesteigert
* Die Nettoumsatzerlöse stiegen um 12,9 % auf 16,1 Mrd. Euro.
* Das Betriebsergebnis, bereinigt um Sondereinflüsse, stieg um 8,5 % auf 2,9 Mrd. Euro.
comdirect.de
Im ersten Quartal 2007 konnte das Versorgungsunternehmen RWE AG dank lukrativer Stromsparte die Erwartungen der Analysten übertreffen. Der Betriebsgewinn kletterte im Vorjahresvergleich um 35 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro.
Eon.de:
Der Umsatz des E.ON-Konzerns stieg im ersten Quartal 2007 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um sechs Prozent auf 21,1 Mrd EUR. Das Adjusted EBIT verbesserte sich um 21 Prozent auf 3.315 Mio EUR.