Diskriminierung im Internet Warum es auf Ebay ein Nachteil ist, eine Frau zu sein

Männer können auf Ebay für gleich Produkte deutlich mehr verlangen als Frauen, hat eine Studie herausgefunden.

(Foto: Maurizio Gambarini/dpa)
  • Zwei Forscherinnen zeigen mittels einer Studie, dass Männer auf Ebay für identische, neue Produkte im Schnitt 20 Prozent mehr verlangen können als Frauen.
  • Gleichzeitig bekommen Frauen weniger Gebote - trotz besserer Verkäufer-Ratings.
Von Aloysius Widmann

Eigentlich ist das Geschlecht der Bieter und Anbieter auf der Auktionsplattform Ebay ja egal. Zwar muss es bei der Registrierung angegeben werden, andere Nutzer können es aber nicht sehen. Das soll die Anonymität des Gegenüber gerwährleisten und Diskriminierung verhindern.

Eine Studie zeigt jetzt: Schön gedacht, bringt aber nichts. Käufer erkennen nicht nur verlässlich das Geschlecht ihres virtuellen Gegenübers - wer Lippenstift und Handtasche im Angebot hat, ist meistens weiblich, wer eine Playstation samt Sportgames versteigert eher ein Mann - sondern sie machen auch ihre Gebote vom Geschlecht abhängig. Deshalb können Männer können für identische, neue Produkte im Schnitt 20 Prozent mehr verlangen als Frauen.

Weniger Gebote und erzielen geringere Preise

Zwei Forscherinnen der Universität Tel Aviv haben über mehrere Jahre die Verkäufe der 420 beliebtesten Produkte auf Ebay in den Vereinigten Staaten beobachtet. Dabei haben sie umfangreiches Datenmaterial zu Verkäufern und Käufern gesammelt. Das zeigt: Frauen machen etwa ein Viertel der Verkäufer aus, haben zwar etwas weniger Ebay-Erfahrung aber dafür bessere Verkäufer-Ratings als Männer - und sie setzen den Mindestpreis ein bisschen höher an. Gleichzeitig bekommen Frauen jedoch weniger Gebote und erzielen geringere Preise als Männer.

Bei gebrauchten Produkten waren die Preisunterschiede klein: "Gebrauchte Produkte sind nie identisch. Möglicherweise vertrauen potenzielle Käufer Frauen mehr, wenn es um Angaben zum Zustand des Produkts geht", schreiben die Autorinnen. Die eigentliche Ungleichheit kann nur gemessen werden, wenn es um identische, also neue, Produkte geht. Und dort erzielten Frauen durchschnittlich um 20 Prozent geringere Preise als Männer.

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Bedeutet diese Zahl wirklich, was sie suggeriert? Lassen sich weibliche Verkäuferinnen in Auktionen leichter übers Ohr hauen und geben sich mit weniger Geld zufrieden? Eher nicht: Der durchschnittliche Preisunterschied alleine sagt noch nicht viel über das Vorhandensein von Diskriminierung aus. Denn in manchen Produktkategorien, zum Beispiel bei Tierfutter, Musikinstrumenten oder Puppen, erzielten Frauen deutlich höhere Preise als Männer. Bei anderen Produkten hingegen lohnt es sich als Frau schon fast nicht, sie zu verkaufen: Männer, die eine Nintendo Wii verkauften, bekamen dafür rund 270 Prozent mehr als Frauen.

Zwar finden die Studienautorinnen außer dem Vorliegen von Diskriminierung keine Erklärung für die deutlichen Unterschiede in den verschiedenen Kategorien, doch bemerken sie, dass diese untersucht werden müssten. Wenn es typisch weibliche und typisch männliche Produktkategorien gibt, ist der durchschnittliche Preisunterschied möglicherweise nicht der beste Indikator für Diskriminierung.

Die Autorinnen der Studie haben deshalb noch ein weiteres Experiment durchgeführt. Es zeigt: Potenzielle Käufer bewerten Produkte tatsächlich höher, wenn diese von Männern verkauft werden. Sie wurden gefragt, wie viel sie für eine Gutscheinkarte von Amazon im Wert von 100 Dollar bezahlen würden. Bei der Hälfte der Befragten hieß der Verkäufer Brad, bei der anderen Hälfte Alison. Das Ergebnis: Das identische Produkt war für die Probanden bei Verkäufer Brad durchschnittlich mehr wert als bei Verkäuferin Alison - allerdings nur um fünf Prozent. Wie genau die 20 Prozent Preisunterschied zustande gekommen sind, die bei echten Ebay-Transaktionen gemessen wurden, ist dadurch auch nicht geklärt. Aber klar ist schon jetzt: Eine Rolle spielt Diskriminierung auf Ebay auf jeden Fall.

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