Der Billiganbieter Penny will an die Marktführer aufschließen, doch bei der Zusammenstellung seines Sortiments hat der Discounter derzeit keine glückliche Hand.
Für Funkschalter, die das Unternehmen im Frühjahr in seinen etwa 2000 Filialen angeboten hatte, gibt es in diesen Tagen einen Rückruf - wegen "möglicher Brandgefahr", wie Penny mitteilt.
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Aldi und Lidl führen führen die Liste der erfolgreichsten Discounter an, der Mitbewerber Penny möchte Plus kaufen, um aufzuholen. (© Foto: dpa)
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Und gegen den Verkauf der Kinder-Unfallversicherungen, die die Rewe-Tochter in der nächsten Woche starten will, läuft der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) Sturm. Die Offerte verstoße gegen das Versicherungsvermittlerrecht, wettert der BVK.
Solchen Ärger im Tagesgeschäft kann das Management von Penny verschmerzen. Denn das Thema, das derzeit obenan auf der Tagesordnung steht, ist von einem ganz anderen Kaliber.
Es geht um den Erwerb des Konkurrenten Plus, mit dem sich die Rewe-Tochter seit langem darüber streitet, wer von beiden die wahre Nummer drei unter den Billiganbietern hinter Aldi und Lidl ist. Die Discount-Tochter der Tengelmann-Gruppe steht seit einigen Wochen zum Verkauf und das Interesse ist groß.
Nach Informationen der Lebensmittel-Zeitung liefern sich vor allem Rewe (Penny) und Edeka (Netto) einen Bieterwettstreit um das Deutschland-Geschäft von Plus.
Kartellamt prüft
Es geht um viel. Plus erwirtschaftete zuletzt einen Umsatz von 9,3 Milliarden Euro. Allein in den 2800 deutschen Filialen summierten sich die Erlöse auf 6,7 Milliarden Euro. Ein solches Volumen stand im Lebensmittelhandel lange nicht zum Verkauf. Dass sich Rewe und Edeka brennend dafür interessieren, ist verständlich, denn mit einem Kauf böte sich beiden die Chance, dem Branchenzweiten Lidl näher zu rücken.
Sollte einer von beiden den Zuschlag erhalten, so rechnen Marktbeobachter allerdings mit erheblichen kartellrechtlichen Problemen. "Gut möglich, dass die Kaufverträge schon im Oktober unterschrieben sind.
Aber die Wettbewerbsbehörde wird den Vorgang sicherlich mehrere Monate prüfen und Auflagen formulieren", heißt es in der Branche. Es sei nicht auszuschließen, dass sich der Erwerber dann von einem Großteil der Standorte trennen müsse, weil in einzelnen Regionen eine marktbeherrschende Position erreicht werde.
Wettbewerbsrechtliche Überlegungen sind offensichtlich auch der Grund dafür, dass Tengelmann zunächst mit einer qualifizierten Minderheit an der Discountkette beteiligt bleiben will. Beobachter sind jedoch überzeugt, dass sich das Mülheimer Familienunternehmen auf Sicht komplett bei Plus zurückzieht. Dieser Schritt kommt überraschend.
Denn es ist gerade elf Monate her, dass Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub von einem "Superjahr" für Plus sprach und ehrgeizige Expansionspläne formulierte. Doch schon bald darauf verkaufte der Discounter sein Spanien-Geschäft. Und Ende Mai verließ der langjährige Chef Michael Hürter das Unternehmen.
Er wollte die in vielen Fällen umsatz- und margenschwachen Filialen im großen Stil umbauen lassen und auch im Sortiment neue Schwerpunkte setzen. Die Märkte sollten nicht mehr vornehmlich als Billig-Anbieter wahrgenommen werden, sondern in einer Liga mit Supermärkten spielen.
Discounter mit Wachstumschancen
Ein solches Wagnis wollten die Tengelmann-Eigentümer jedoch nicht eingehen. Seit kurzem wirbt Plus wieder vornehmlich mit "Wahnsinnspreisen".
Dennoch zeichnet sich ab, dass Plus, Penny und andere Billiganbieter mit dem Wachstum der Branchenführer Aldi und Lidl in diesem Jahr erneut nicht Schritt halten können. Nach Angaben von Marktforschern haben zuletzt vor allem die Discount-Töchter von Tengelmann und Rewe weiter an Boden verloren.
Der Discountbereich insgesamt bietet nach Einschätzung des Marktforschungsunternehmens GfK weitere Wachstumschancen. Allerdings wird die Luft für Aldi, Lidl &Co angesichts eines schon erreichten Marktanteils von 42 Prozent dünner. Deshalb versuchen sie mit einer immer größeren Auswahl von Frischeprodukten und wechselnden Nonfood-Angeboten Kunden in die Läden zu locken.
Aber vor allem das Geschäft mit nicht Essbarem birgt hohe Risiken. Die Produkte müssen sich rasch verkaufen, weil im Wochentakt neue Ware in die Regale drängt. Nicht jeder Aktionsartikel findet jedoch reißenden Absatz. Und es wird immer schwieriger, Neuheiten zu präsentieren.
So flüchten sich die Anbieter in immer schmalere Nischen - etwa, in dem sie Angler- und Reiterbedarf anbieten. Oder wie Plus in dieser Woche einen Rollator sowie klappbare Gehstöcke im Sortiment führen. Weil auch diese Waren nicht immer stark begehrt sind, füllen sich die Läger der Billiganbieter mit unverkaufter Ware.
Das geringere Lagerrisiko ist auch einer der Gründe, weshalb die Discounter verstärkt Dienstleistungen favorisieren - etwa indem sie Mobilfunk-Tarife verkaufen und Reisen anbieten. Oder - wie Penny auch Versicherungen.
(SZ vom 15.9.2007)
Nix gegen das schöne Bayern, ich bin gerne hier - wenn auch noch nicht lange. Aber eines habe ich schnell gemerkt: Die Supermärkte hier und auch manche Fachgeschäfte sind gelinde gesagt ein Witz im Vergleich zu denen, die ich aus NRW kenne. Der Versuch, Rouladen zu kaufen war zum Scheitern verurteilt, weil an drei (!) Einkaufsstellen samstags um 12.00 Uhr keine mehr waren. Im vierten Laden endlich welche gefunden - Fachgeschäft - sehr teuer, dafür recht klein. Das Sortiment in den Supermärkten ist erheblich kleiner als in NRW, dafür aber teurer. Lidl und Aldi genau wie überall immer auf einem Haufen, fast ein gemeinsamer Parkplatz. Dafür aber spätestens um 20.00 Uhr geschlossen und ab 18.00 Uhr so gut wie leergefegt, was Frischware angeht. Also lieber bayerbuar - Bayern hat jede Menge Vorteile und schöne Seiten, aber ein Einkaufsparadies ist es nun wirklich nicht - speziell bei Lebensmitteln. Und da kann ich mir glaube ich ein Urteil erlauben, nachdem ich fast zwanzig Jahre in der Branche tätig war.
bayerbuar,
Sie glauben also immer noch, wenn man das Essen teuer macht, wird es auch besser ;-)
Wenn ich zwischen drei Bauernhöfen lebe, kaufe ich natürlich nicht beim Discounter, aber in Ballungszentren sind Bauern eher selten.
Dass in D die niedrigsten Lebensmittelpreise sind, ist ein bayrisches Märchen. Aber egal, wer viel Geld für Lebensmittel ausgeben will, darf es gerne machen und auch noch davon träumen, dass er gesunder lebt. Ich kaufe lieber beim Discounter, jeder nach seinem Geschmack. Und die armen Bauern unterstütze ich eh schon reichlich mit meinen Steuern. Angesichts der weltweit steigenden Nachfrage nach Lebensmitteln sollte man die streichen.
Nichts gegen ein wenig Lokalpatriotismus - aber waren Sie z.B. schon mal in Pullach? Geld gehortet wie sonst was, aber bis zum letzten Jahr gab es dort nur einen Penny-Markt für den Standardeinkauf.
Oder Obergiesing - da sind's gleich zwei - in Rufweite.
Oder Neuaubing, da teilen sich ein Riesen-Lidl und ein furchtbar teurer Edeka das Viertel.
Weihenstephan an Gen-Müller-Milch verramscht...
Hier bei mir, im bescheidenen Ruhrgebiet, sieht es desbezüglich eher etwas besser aus.
Ich merk immer wieder das Bayern und das deutsche Ausland auch in der Wirtschaft zwei Länder sind. Bin immer wieder erstaunt wie weit verbreitet Discounter bei den Preißn sind, auch in allen Wohngegenden und Gesellschaftsschichten. Hier ists ja so das Discounter eher die Ausnahme bzw. Ergänzung sind, wo man halt das Klopapier kauft weils billig ist und Klopapier ist halt Klopapier. Aber für das alltägliche ist der Discounter eigentlich sehr unüblich. Die Entwicklung geht sogar ins genaue Gegenteil, Hofläden, Direktvermarktung vom Bauer und sogar die Stadtmärkte wachsen wieder nachdem die jahrelang zugunsten der großen Supermärkte geschrumpft sind.
Hier bin ich einmal mehr froh in Bayern zu wohnen. Ich finds nämlich schlimm wenn viele Leute unser Essen nur noch als einen Kostenfaktor wie die Stromrechnung ansehen, den es zu Minimieren gilt. Wir haben die billigsten Lebensmittel in ganz Europa, sogar billiger als in Tschechien, aber nicht die niedrigsten Einkommen. Ich würde auch gerne 2 Euro pro Liter Milch bezahlen, wenn ich wüsste der Bauer bekommt davon z.B. 1 ganzen Euro um seine Kühe richtig gescheit zu behandeln, gut zu füttern, einen größeren Stall zu geben, nicht soviel Milch aus denen rauspressen zu müssen. Vor der Moral kommt das Fressen hat ein großer Augsburger gesagt ;-)
Ich stimme Ihnen zu. Die Penny-Läden sind in meinen Augen reine "Resterampen", in denen teilweise Ware, die qualitativ keinen Vergleich zu den Eigenmarken von Aldi oder dem Sortiment von Lidl aushält, lieblos präsentiert und von unfreundlichem Personal verkauft wird. Allerdings muss ich mal eine Lanze für das Personal brechen. Wer so unter Kostendruck steht, mit zwei Leuten eine Filiale "am Laufen" halten muss und lediglich an Zahlen gemessen wird, kann beim besten Willen nicht eine zweite Kasse aufmachen, wenn da zuviele Kunden stehen. Der Revisor, der die Filiale betritt, fragt nämlich nicht danach, ob die Schlange an den Kassen zu lang war. Er hakt seine Liste ab, ob die Ware im vorgeschriebenen Zeitraum nach den Vorgaben der Schreibtischtäter eingeräumt wurde. Der Kunde ist in diesen Läden ein "Störfaktor", der den ordentlichen Betriebsablauf behindert. Die Schuld daran liegt aber wieder einmal nicht bei den Leuten, die das ausbügeln und aushalten müssen, sondern beim Management, das glaubt, es ginge nur darum, Ware hinzustellen und der "König Kunde" wird dann vor Begeisterung über die billigen Preise alle Nachteile in Kauf nehmen.
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