Gewinner der Krise: Nicht nur Aldi, Lidl und Penny legen in wirtschaftlich schwachen Zeiten kräftig zu - auch die Lebensmittelindustrie profitiert.
Billiganbieter wie Aldi und Lidl gehören zu den großen Profiteuren in Krisenzeiten. Das zeigt einmal mehr die derzeitige Rezession. Als sicher gilt schon heute, dass die Billigketten zu den großen und wenigen Gewinnern dieser Krise gehören werden. Im Sog dieses Erfolgs könnte jedoch auch eine andere Branche einen ungeahnten Aufschwung erleben: die deutsche Lebensmittelindustrie - ausgerechnet jene Branche, die in den vergangenen Jahren so heftig über den wachsenden Druck der Billiganbieter klagte.
In Krisenzeiten sind die Discounter noch mehr gefragt als üblich. (© Foto: ddp)
Anzeige
Die Hälfte aller Lebensmittel wird in Deutschland inzwischen bei Aldi, Lidl und Co. verkauft. Das ist im internationalen Vergleich absolute Spitze. Doch damit wächst die Verhandlungsmacht der Discounter gegenüber ihren Lieferanten. Sie wollen zu immer günstigeren Konditionen beliefert werden und das vor allem auf Kosten der Lieferanten, die sich mit niedrigeren Abnahmepreisen und Gewinnen zufrieden geben müssen. Dem Preisdiktat der Discounter können sich immer weniger Lebensmittelhersteller entziehen. Denn wer nicht in den Regalen der Billiganbieter steht, riskiert empfindliche Umsatzeinbußen.
Unter dem starken Kostendruck haben viele Nahrungsmittelhersteller in den vergangenen Jahren ihre Produktionsprozesse optimiert und sind damit konkurrenzfähiger geworden, auch international. Dies zahlt sich nun aus. Das zeigt auch der wachsende Auslandsumsatz der deutschen Lebensmittelindustrie. Er stieg 2008 um 15 Prozent. Viele deutsche Hersteller profitieren nun dank Aldi und Lidl davon, dass es Konkurrenten im Ausland in den vergangenen Jahren versäumt haben, ihre Kosten zu senken.
- Thema
- Unternehmen RSS
- Aldi und Penny Ein Monat - drei Preissenkungen 02.02.2009
- Handel reagiert auf Krise Preise für Lebensmittel sinken deutlich 15.01.2009
- Auswirkungen der Krise Sparen beim Essen 11.01.2009
- Interview: Beiersdorf-Chef Quaas "Die Haut ist doch überall gleich" 17.05.2010
- Luxuskonzerne Italienischer Chic für China 15.05.2010
- Wirtschaft kompakt Verseuchter Käse: Ermittlungen gegen Lidl 15.05.2010
- Wirtschaft kompakt Megaflieger verhagelt Airbus die Bilanz 14.05.2010
(SZ vom 03.02.2009/mel)
Mubarak-Prozess in Ägypten
die Frage ist nur für wen! Der SZ Redakteur Kotteder hat dazu ein aufschlussreiches Buch geschrieben, die Billiglüge. Es gibt keine wirklichen Billigprodukte, es gibt immer jemanden, der den Preis dafür bezahlt. Meistens sind es die Niedriglöhner, die Aldi reich machen. Wenn Herr Esslinger meint, es sei positiv, daß die Aldizulieferer rationalisiert hätten, weil sie dadurch ´wettbewerbsfähiger seien, dann stellt sich die Frage, nach den Maßnahmen. Fast immer waren es Lohnkürzungen. Diese rein betriebswirtschaftliche Sicht ist typisch für die SZ Wirtschaftsredaktion. Die dramatische Ausweitung des Niedriglohnsektors, hat zu einem Zusammenbruch der Kaufkraft geführt, die jetzt auch mit Krediten nicht mehr stabil gehalten werden kann. Die Betriebswirtschaftler vergessen, daß die Wirtschaft nur im Kreislauf funktioniert. Die jetzige globale Krise hat ihre Hauptursache in den internationalen Dumpinglöhnen. Aldi und Co zerstören Arbeitsplätze und mittelständige Betriebe und zwingen dadurch immer mehr Leute auf die Billigschiene. Der Staat hätte hier regulierend einschreiten müssen, aber nicht wie geschehen mit Steuersenkungen für Großkonzerne.
Essen wir etwa mehr in der Krise? Soso die Lebensmittelindustrie und was ist mit den Bauern?
Das freut auch die Hartz4 Empfänger
preiswert. Ich zahl freiwillig keinen Preisaufschlag für eine Marke, wenn ich fürs gleiche Geld auch mehr Qualität bekommen könnte.
"Gewinner der Krise: Nicht nur Aldi, Lidl und Penny legen in wirtschaftlich schwachen Zeiten kräftig zu - auch die Lebensmittelindustrie profitiert."
Kommt daher, weil die Menschen in Krisenzeiten mehr in sich hinein stopfen. Das nennt man dann Frustabbau :-)