Der legendäre Unternehmer und Aldi-Mitbegründer Theo Albrecht ist tot. Der 88-Jährige gehörte zu den reichsten Menschen der Welt - und zu den verschwiegensten.

In den Listen der reichsten Deutschen war er stets prominent vertreten. Nur mit dem Abbilden des Händlertycoons aus Essen gab es Probleme: Meist musste ein Foto aus dem Jahr 1971 herhalten. Theodor Paul Albrecht, genannt Theo, ließ sich ebenso wenig wie sein Bruder Karl ablichten. 

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Theo Albrecht im Jahr 1971. Im Alter von 88 Jahren ist er jetzt gestorben. (© dpa)

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Dabei bot ihr Handelsreich viel Gelegenheit zur journalistischen Würdigung. Aldi, das wurde zum Synonym für Billig-Shopping in Deutschland und zunehmend auch für smart shopping, für den Grundkonsum auch wohlhabender Leute, die hier im Übrigen günstig an Champagner kamen. Die Brüder hatten sich ihr Laden-Imperium geographisch aufgeteilt: Theo dirigierte den Norden im üblichen spartanischen Stil der sechziger Jahre, sein Bruder dagegen lässt es im Süden schon etwas komfortabler angehen.

Nun teilt Aldi Nord mit, das Unternehmen trauere um einen Menschen, der "gegenüber seinen Geschäftspartnern und Mitarbeitern bescheiden auftrat und sie immer mit großem Respekt behandelte". Aldi verliere mit ihm "einen hochgeschätzten Unternehmensgründer und aufrichtigen Menschen". Man dankt ihm für sein "stets vorbildliches, engagiertes und mutiges Handeln". Die Firma wolle "sein Vermächtnis in seinem Sinne respektvoll fortsetzen".

Am vorigen Samstag ist Theo Albrecht im Alter von 88 Jahren in Essen gestorben. Er wurde schon am heutigen Mittwoch im engsten Familienkreis im noblen Bredeney im Süden der Stadt beigesetzt. Noch nach dem Tod dominierte das Prinzip Geheimniskrämerei.

Der Handelsunternehmer soll bereits seit längerer Zeit schwer krank gewesen sein. Im Sommer 2009 habe er nach einem Sturz mehrere Wochen in einem Krankenhaus in seiner Heimatstadt Essen zugebracht, berichtet Spiegel Online.

Bis zum Schluss habe er sich nicht von den Folgen des Sturzes erholt und sei zuletzt ein Pflegefall gewesen.

Rewe-Vorstandschef Alain Caparros würdigte den Aldi- Mitbegründer Theo Albrecht als einen großen Handelsmanager. "Er hat mir persönlich sehr imponiert und ich habe sehr viel von ihm gelernt", erklärte Caparros zum Tod des Unternehmers. Der Rewe-Chef hatte in den neunziger Jahren für Aldi Nord gearbeitet und als Generaldirektor die Aktivitäten des Unternehmens in Frankreich aufgebaut.

"Meine Zeit bei Aldi war für mich eine großartige Schule." Caparros erklärte, Albrechts Genialität habe in der Einfachheit der Lösungen gelegen, die er für sein Unternehmen und alle Prozesse entwickelte.

Auch der Chef der Schwarz-Unternehmensgruppe (Kaufland/Lidl), Klaus Gehrig, zollte Albrecht "tiefen Respekt": Mit ihm verliere der deutsche Lebensmitteleinzelhandel "die erfolgreiche Unternehmerpersönlichkeit". Als Pionier der Branche habe er gemeinsam mit seinem Bruder eine Discount-Vertriebsform entwickelt, die erfolgreicher nicht sein könne.

An der Spitze der Reichen

Wer sich in Essen auf eine Spurensuche nach Theo Albrecht machte, der konnte eigentlich gleich aufgeben. Denn es schien, als hinterlasse dieser Mann keine Spuren. Zumindest war er sehr geschickt darin, sie zu verwischen oder verwischen zu lassen. Wahrscheinlich hätte man größere Chancen gehabt, den Yeti in den zerklüfteten Landschaften des Himalaya aufzutreiben als Theo Albrecht in dem Villenviertel am Stadtrand von Essen.

Die Albrecht-Brüder müssen ihren Essener Nachbarn tatsächlich gehörig Druck gemacht haben, dass sie dicht halten: Eine Villenbewohnerin machte mit ausnehmend freundlichem Lächeln die Tür auf. Sobald aber der Name "Albrecht" fiel, sagte sie mit monotoner Stimme den wunderbaren Satz: "Sie werden verstehen, dass ich aus juristischen Gründen dazu keine Stellung beziehen kann."

Und dann war da noch diese Putzfrau, die ein paar Meter vorbeikam und sagte: "Ist schon richtig hier, aber das ist das Haus vom Karl, der Theo wohnt ein paar Häuser weiter. Außerdem haben die beiden die ganze Straße im Griff, da sagt Ihnen keiner was. Ich hab auch nichts gesagt."

Der Lokalreporter der Essener NRZ, die ein Luftbild der Villa von Theo Albrecht veröffentlichte, hatte dazu nur gesagt: "Wir haben extra einen Piloten gemietet und diese Luftaufnahmen von den Häusern gemacht. Aber ich weiß bis heute nicht, ob das die richtigen Häuser waren. Später hieß es, das von Theo sei das von Karl und umgekehrt und andere sagten, das stimme alles überhaupt nicht."

Sie wollten eben nicht erkennbar sein, diese beiden reichen Brüder, und auch deshalb haben sie es in der Gesellschaft der Ruhr nicht annähernd dorthin geschafft, wohin es ein Jahrhundert zuvor die Thyssens, die Haniels oder die Krupps gebracht hatten. Die Albrecht kamen aus kleinen Verhältnissen in Essen, und sie machten sich ihr Leben lang klein. Sie legten keinen Wert auf Publicity. Sie fühlten sich nur in der Abgeschlossenheit wohl.

Mit schöner Regelmäßigkeit tauchten sie nur in den Listen der Reichen auf. Mit einem geschätzten Vermögen von knapp 17 Milliarden Dollar gehörte Theo Albrecht zu den reichsten Menschen der Welt. Auf der Forbes-Liste rangiert er auf Rang 31. In Deutschland wird er als Zweitreichster geführt - hinter seinem 90-jährigen Bruder.

Theo Albrecht hatte sich von ganz unten hochgearbeitet. Sein Vater war Bergarbeiter gewesen, hatte aber das Backhandwerk gelernt und arbeitete, nachdem er wegen einer Staublunge seinen Job unter Tage aufgeben musste, in einer Brotfabrik. Die Mutter hatte einen kleinen Lebensmittelladen in einem Essener Vorort, den Theo gemeinsam mit seinem Bruder nach dem Krieg übernahm und ausbaute. Schon knapp zehn Jahre später, Mitte der fünfziger Jahre, gab es Filialen im ganzen Ruhrgebiet. Die Idee für eine gewaltige Expansion hatte ihren Anfang genommen.

In den Jahren darauf setzten die Brüder auf die Discounter-Idee: 1962 wurde der erste Aldi-Markt eröffnet - der Name leitete sich aus den jeweils ersten Buchstaben von Albrecht-Discount ab. Schon damals trennten die Brüder ihr Ladennetz. Auch wenn es bald darauf noch nicht einmal Kapitalbindungen gab, arbeiteten die Brüder eng zusammen und nutzten ihre wachsende Marktmacht.

Das Prinzip Aldi hieß: Straff begrenztes Sortiment, weitgehender Verzicht auf Dekoration, Werbung, großzügige Ladeneinrichtungen - und auch auf Markenartikel. "Unsere Werbung liegt im niedrigen Preis", hieß das Motto der beiden Brüder. Dazu gehörte auch, dass die Waren gar nicht mehr aus den Lieferkartons geholt wurden. Das sparte Kosten.

Schon Anfang der siebziger Jahre gab es mehr als 600 Filialen in gut 300 Städten Deutschlands. Der Gesamtumsatz wurde 1975 auf rund vier Milliarden Mark geschätzt.

Rasante Expansion

Schon immer scheuten die Brüder Albrecht den großen Auftritt - doch dann gerieten sie 1971 jäh ins Licht der Öffentlichkeit: Theo Albrecht wurde gekidnappt. Die Täter hatten ihn sich nach Lektüre des Buchs Die Reichen und die Superreichen ausgesucht und ihn nach Dienstschluss auf dem Parkplatz vor seinem Essener Bürohaus abgepasst. Da sie den bescheiden auftretenden Albrecht nicht eindeutig identifizierten, fragten sie nach dem Personalausweis.

Erst nach 17-tägiger Freiheitsberaubung unter Einschaltung von Ruhrbischof Franz Hengsbach wurde er gegen Zahlung eines Lösegeldes von sieben Millionen Mark wieder freigelassen. Bis heute ist ein Teil des Geldes verschwunden. Die Brüder Albrecht sind stets gläubige Mitglieder der katholischen Kirche gewesen. Später hat Theo Albrecht vor Gericht versucht, die Lösegeldsumme als steuerlich relevante Sonderausgabe durchzusetzen.

1974 wurde die Kapitalmehrheit in Familienstiftungen eingebracht, die Theo-Albrecht-Stiftung in Nortorf und die Karl-Albrecht-Stiftung im bayerischen Eichenau. Seither wird das Geschäft über regionale GmbH & Co. KGs betrieben.

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