Dieter Schwarz Der neue reichste Deutsche

Wachablösung an der Spitze der reichsten Deutschen. Nach dem Tod von Aldi-Gründer Karl Albrecht ist nun Lidl-Gründer Dieter Schwarz der wohlhabendste Mann im Land.

Lidl-Gründer Dieter Schwarz besitzt mehr als 15 Milliarden Euro. Nach dem Tod des Aldi-Gründers Karl Albrecht hat er jetzt das meiste Geld im Land. Mit seinem Vorgänger eint ihn nicht nur das große Vermögen.

Von Charlotte Theile

Zwei Fotos gibt es von Dieter Schwarz, dem Mann, der seit einigen Tagen der reichste Mensch Deutschlands ist. Das, was man ausgehend von diesen Bildern über ihn sagen kann, ist so gut wie nichts: Dieter Schwarz trägt Seitenscheitel, seit Jahrzehnten schon, eine Locke fällt ihm über die Stirn. Früher war sie dunkel, heute ist sie grau. Schwarz trägt Hemd und Krawatte, Streifen, Punkte, je nach Mode.

Er kann S-Bahn fahren, Toilettenpapier kaufen, eine öffentliche Sauna besuchen, niemand würde ihn erkennen, kaum einer könnte sagen, wie er aussah, der ältere Herr, der da gerade noch war. Beziehungsweise: da war doch gerade ein älterer Herr. Oder?

Dieter Schwarz ist ein Phantom, ähnlich wie seine Konkurrenten, Karl und Theo Albrecht. 1939 als Sohn des Kaufmanns Josef Schwarz in Heilbronn geboren, stieg er 1960 in dessen Lebensmittelhandel ein. Mit einem Großlager für Südfrüchte wurde Lidl & Schwarz bekannt. Der Verkauf von No-Name-Produkten an Verbraucher, denen es nichts ausmachte, Ware aus Kartons zu zerren, boomte - Schwarz stieg entschlossen in das Geschäft ein. Das Recht, den neuen Supermarkt "Lidl" zu nennen, erwarb er angeblich für 1000 Mark vom Berufsschullehrer Ludwig Lidl. Seinen eigenen Namen wollte er wegen naheliegender Assoziationen ("Schwarzmarkt") nicht verwenden.

1973 eröffnete der erste Lidl. Schon 1980 soll das Unternehmen mit Sitz in Neckarsulm, das Schwarz nach dem Tod seiner Vaters 1977 alleine führte, mehr als eine Milliarde Mark umgesetzt haben. 1984 folgte das erste Kaufland-Warenhaus. Dieter Schwarz, so heißt es, ist besessen von dem Gedanken, Aldi zu überholen.

Schmucklose Lidl-Büros und C&A-Hemden

Lidl expandierte. In der Bundesrepublik Deutschland, später in den neuen Bundesländern. Heute gibt es den Markt überall in Europa: Großbritannien, Litauen, Rumänien, Schweden, Italien und so weiter. Die Wachstumsraten waren enorm, die Skandale auch: Um die Gründung von Betriebsräten zu verhindern, gliederte er den Konzern in viele kleine Einheiten, Mitarbeiter sollen ausgespäht und massiv unter Druck gesetzt worden sein. Bei Zulieferern ist Lidl als Preis-Dumper gefürchtet.

Seitenscheitel, Hemd, Krawatte - so unauffällig kann Dieter Schwarz selbst als Ehrenbürger von Heilbronn unerkannt über den Marktplatz laufen.

(Foto: privat)

Schwarz, der sich vor Jahren aus dem operativen Geschäft zurückgezogen hat und Geschäftsführer Klaus Gehrig (der 1976 von Aldi Süd zu Lidl wechselte) nur noch berät, ist derweil zum Ehrenbürger von Heilbronn gekürt worden. Er fördert diverse Projekte in der Stadt.

Was weiß man noch? Schwarz ist seit 50 Jahren verheiratet, hat zwei Töchter, eine Schwäche für Frankreich. Er besucht eine evangelisch-freikirchliche Gemeinde, in der er sogar predigen darf. Heißt es zumindest. Genaues weiß natürlich keiner. In einem aber stimmen alle Berichte überein: Der Mann hinter dem größten deutschen Handelskonzern (Jahresumsatz 74 Milliarden Euro), dessen Privatvermögen Forbes auf mehr als 16 Milliarden Euro schätzt, ist unglaublich sparsam. Die Büros in Neckarsulm etwa werden als "ärmlich" beschrieben. Hemd und Krawatte, die Schwarz auf den Fotos trägt, sehen vermutlich nicht nur aus, als seien sie von C&A. Sie sind es.

Beobachter rechnen damit, dass Lidl Aldi im Jahr 2016 als größten Discounter der Welt ablöst