Ein Interview von Caspar Busse

Dieter Rampl über seine neue Rolle als Verwaltungsratschef von Unicredit, die Zukunft der HVB und weitere Zukäufe.

Vor zwei Jahren kaufte der Unicredit-Konzern die HypoVereinsbank (HVB), damals die zweitgrößte Bank in Deutschland. Jetzt wird der italienische Konkurrent Capitalia für 22 Milliarden Euro übernommen. Und es soll weitergehen: Unicredit-Verwaltungsratschef Dieter Rampl kündigt bereits weitere Akquisitionen an.

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SZ: Herr Rampl, Sie sind Chairman, also Chef des Verwaltungsrats der demnächst zweitgrößten Bank in Europa. Haben Sie überhaupt noch Zeit, in Deutschland zu sein?

Rampl: Selbstverständlich. Ich versuche nach wie vor, einen Tag in der Woche in München zu sein. Aber in den letzten Wochen war ich natürlich sehr stark in Italien eingebunden.

SZ: Wie groß war eigentlich Ihr Anteil an der Milliarden-Übernahme des italienischen Konkurrenten Capitalia?

Rampl: Ich war unmittelbar eingebunden, alles war mit mir abgesprochen.

SZ: Der Aktienkurs von Unicredit reagierte sehr negativ auf die Übernahme. Sind die Befürchtungen, die Ertragskraft von Unicredit könnte nun verwässern, berechtigt?

Rampl: Im Vorfeld der Bekanntgabe des Zusammenschlusses waren viele Spekulationen im Markt. Danach ist der Kurs ex Dividende (unter Berücksichtigung der Ausschüttung) um drei Prozent zurückgegangen. Die Einschätzungen der Analysten nach der Bekanntgabe der Übernahme waren positiv. Deshalb bin ich zuversichtlich für die Aktie. Bis zum Jahr 2010 haben wir uns vorgenommen, im Konzern unter dem Strich einen Gewinn von zehn Milliarden Euro zu erwirtschaften. Bisher hat Unicredit seine Prognosen immer erfüllt.

SZ: Es gibt Ängste, Unicredit könnte nun stärker unter den Einfluss der italienischen Politik geraten.

Rampl: Unicredit ist ein Konzern, der sich immer mehr dem Kapitalmarkt verpflichtet fühlte als dem politischen Establishment. Dabei wollen wir es auch in Zukunft belassen. Der juristische Sitz des Konzerns wird von Genua nach Rom verlegt, die Zentrale bleibt in Mailand.

SZ: Durch die Übernahme erhöht sich das Gewicht von Italien in der Gruppe, die Bedeutung von Deutschland nimmt relativ ab. Was heißt das für die HypoVereinsbank?

Rampl: Zunächst: An der Strategie von Unicredit, eine europäische Bank zu werden, hat sich nichts geändert. Unsere Kernmärkte sind Italien, Deutschland, Österreich sowie Mittel- und Osteuropa. Auch in Zukunft kommen noch immer mehr als die Hälfte der Erträge von außerhalb Italiens. Die Übernahme von Capitalia gibt uns die Möglichkeit, in einem unserer Heimatmärkte zu wachsen. Unicredit wird jetzt in Italien auf einen Marktanteil von 17 Prozent kommen und kann die Präsenz besonders in Mittel- und Süditalien erhöhen. Davon wird auch die HVB profitieren.

SZ: Wie denn?

Rampl: Capitalia ist zwar stark im Privatkundengeschäft, hat aber auch viele mittlere und größere Firmenkunden. Dieses Geschäft wird in der Gruppe von München aus betrieben. Durch die Übernahme in Italien wird mehr Geschäft zur HVB und nach München kommen.

SZ: Trotzdem muss sich die HVB mit Blick auf das Privatkundengeschäft im Konzern vorkommen wie ein hässliches Entlein. Der Marktanteil in Italien, Österreich und einigen Märkten in Osteuropa ist jetzt zweistellig. Davon können Sie in Deutschland nur träumen.

Rampl: In Bayern oder Hamburg ist der Marktanteil der HVB im Privatkundengeschäft auch zweistellig. Aber bezogen auf ganz Deutschland haben Sie Recht. Da ist unser Marktanteil zu gering. Unseren privaten Konkurrenten von Commerzbank bis Deutsche Bank geht es da übrigens nicht besser. Die Sparkassen und Genossenschaftsbanken dominieren nach wie vor das Retail-Geschäft.

SZ: Es ist also unrealistisch, in Deutschland auf deutlich höhere Marktanteile zu kommen?

Rampl: In Italien ist für uns die Konsolidierung abgeschlossen. In unseren anderen Kernmärkten wollen wir weiter wachsen. Deutschland hat jetzt höchste Priorität für die gesamte Gruppe. Hier wachsen wir momentan in erster Linie aus eigener Kraft. Aber wir werden uns in Deutschland auch weiter nach Zukäufen umschauen.

SZ: Der Markenname HVB soll erhalten bleiben?

Rampl: Ja, da gibt es keine anderen Pläne. Das Privatkundengeschäft ist ein lokales Geschäft.

SZ: Mit der Übernahme von Capitalia kommt die erfolgreiche Direktbank Fineco in den Konzern. Was heißt das für die HVB-Tochter DAB-Bank?

Rampl: Die Bekanntgabe der Capitalia-Übernahme ist gerade mal eine Woche alt, eine außerordentliche Hauptversammlung muss Ende Juli den Zusammenschluss noch absegnen. Aber Fineco und DAB sind beide interessant und erfolgreich und verfügen über ein ähnliches Geschäftsmodell. Fest steht: Wir werden die DAB mit Sicherheit nicht verkaufen. Sie ist und bleibt wesentlicher Bestandteil des Konzerns.

SZ: Dann wäre es doch konsequent, Sie würden alle Anteile der börsennotierten DAB übernehmen, wie spekuliert?

Rampl: Das steht derzeit nicht zur Debatte.

SZ: Zurück zu Europa: Wird die Übernahmewelle bei Banken weitergehen?

Rampl: Der Trend zur Konsolidierung unter Europas Banken wird mit Sicherheit fortgeschrieben. Der europäische Banken- und Finanzdienstleistungsmarkt wächst weiter zusammen. Schon deshalb wird es weitere grenzüberschreitende Deals geben. Unicredit spielt, gemessen an der Marktkapitalisierung und den Erträgen, jetzt in der Champions League ganz vorne mit.

SZ: Unicredit ist jetzt an der Börse deutlich mehr wert als etwa die Deutsche Bank. Sind die deutschen Banken in diesem Prozess nur noch Zuschauer?

Rampl: Jeder muss für sich selbst entscheiden, ob er sich am europäischen Konsolidierungsprozess beteiligen will. Die HVB hatte sich für diesen Weg entschieden und ist ihn vor zwei Jahren gegangen. In Europa kann jede Bank, wenn sie nur will, eine Rolle spielen. Schauen Sie sich die BayernLB an, die jetzt die Mehrheit einer Bank in Österreich gekauft hat.

SZ: Vor zwei Jahren hat Unicredit die HVB übernommen, jetzt Capitalia. Geht es in diesem Tempo weiter?

Rampl: Wir sind mit Sicherheit noch nicht am Ende der Straße. Aber wir müssen uns jetzt erst einmal auf die Übernahme von Capitalia konzentrieren. Wir werden die Fusion bis Oktober vollzogen haben. Der Zusammenschluss mit Capitalia ist eine Inlandsfusion und wird erheblich einfacher umzusetzen sein als das Zusammengehen mit der HVB.

SZ: Sie haben angeblich bereits in Frankreich verhandelt?

Rampl: Unicredit und Société Générale haben ein sehr freundliches Verhältnis zueinander und kennen sich seit Jahren. Es ist kein Geheimnis, dass es Gespräche gegeben hat. Es wäre ja auch falsch, wenn wir uns nicht Gedanken machen würden, wie es für die Gruppe weitergehen kann. Vorstellbar ist vieles, aber jetzt konzentrieren wir uns zunächst darauf, Capitalia erfolgreich zu integrieren.

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(SZ vom 29. Mai 2007)