Dieselgipfel Lang lebe die Autoindustrie

Experten raten, nach dreimonatigen Besprechungen, sich nicht zu früh auf neue Antriebe festzulegen.

Von Michael Bauchmüller, Berlin

Die "kreative Zerstörung" kannten Manager deutscher Autokonzerne lange nur aus dem Ökonomie-Lehrbuch. Dass sie auch irgendwann einmal die Theorie des Österreichers Joseph Schumpeter erfassen könnte, nach der neue Technologien die alten irgendwann vertreiben, galt als unwahrscheinlich.

Eine der vier Expertengruppen des Diesel-Gipfels hat sich nun mit den Alternativen befasst, sowohl bei Antrieben als auch bei Kraftstoffen. Drei Monate lang arbeitete das Gremium, sein Ergebnisbericht liegt der Süddeutschen Zeitung vor. Die Experten empfehlen darin einen sachten Wandel weg vom Verbrennungsmotor. Vor allem aber warnen sie davor, sich allein auf eine Technologie zu konzentrieren. Ziel müsse sein, "einen erfolgreichen Strukturwandel herbeizuführen und sicherzustellen, dass Deutschland auch künftig Automobilland Nummer 1 bleibt", heißt es in dem fünfseitigen Papier. Die deutschen Hersteller sollen nicht Opfer kreativer Zerstörung werden, sondern sich peu á peu wandeln können.

Ihre Beschäftigten bräuchten auch künftig eine Perspektive. "Ansonsten ist die legitimatorische Basis der Transformation gefährdet." Auf Deutsch: Dann gehen frustrierte Arbeiter auf die Straße.

Der Expertenzirkel, der beim Bundeswirtschaftsministerium angesiedelt ist, spricht sich deshalb "für eine möglichst technologieoffene Industriepolitik" aus. So könne der Staat zwar weiterhin auf den Aufbau der nötigen Infrastruktur hinwirken, etwa für Elektroautos oder gasbetriebene Fahrzeuge. Viel weiter soll er aber nicht gehen. Allenfalls noch in der Frage, fossile Kraftstoffe im Verhältnis zu Strom stärker zu belasten - schon wegen ihres größeren Kohlendioxid-Rucksacks. "Hierbei gilt es jedoch zu berücksichtigen, dass die zusätzlichen CO₂-Emissionen der Batterieherstellung ebenfalls einer entsprechenden CO₂-Bepreisung unterliegen", heißt es.

So zieht sich ein beherztes Sowohl-als-auch durch das ganze Papier: Einerseits sollen Fahrzeuge, die viel in Innenstädten verkehren, vermehrt mit alternativen Antrieben fahren. Busse sollen aber zunehmend mit neuester Diesel- oder Erdgas-Technologie unterwegs sein. Auch sollten zunächst Autos gefördert werden, die nicht von einer neuen Lade-Infrastruktur abhängig sind. Konkret sind das die sogenannten Plug-in-Hybride, deren Batterie sich an der Steckdose aufladen lässt. Zugleich aber haben sie einen Verbrennungsmotor.

Auf die rein elektrische Mobilität soll sich das Land dennoch einstellen - durch mehr Ökostrom. So müsse der zusätzliche Strombedarf beim Ausbau erneuerbarer Energien eingeplant werden. Nur dann sei die Elektromobilität für den Klimaschutz "zielführend".