In der Causa Opel ist die Bundesregierung Partei und Vermittler. Sie kann einen Deal gegen ihre Interessen erschweren, aber schwerlich verhindern. GM sitzt am längeren Hebel.
Thüringens Wirtschaftsminister verdient an dieser Stelle besondere Erwähnung. Der CDU-Mann Jürgen Reinholz hat dem interessierten Publikum erklärt, weshalb General Motors sich noch nicht zu einem Verkauf der Firma Opel an Magna entschließen konnte: GM wolle die Bundestagswahlen abwarten, um mit einer neuen schwarz-gelben Regierung in Berlin den Verkauf an den Finanzinvestor Ripplewood abzuschließen. Es ist nicht bekannt, über welche Insider-Kenntnisse aus Detroit Herr Reinholz aus Erfurt verfügt. Zu befürchten ist allerdings, dass dieses Wissen gering ist, wohingegen seine Einschätzung, welches Interesse Amerikaner für die Feinheiten deutscher Innenpolitik entwickeln, maßlos überzogen sein dürfte.
Kanzlerin Merkel hat sich früh auf Magna als Opel-Käufer festgelegt. (© Foto: ddp)
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Wichtige und weniger wichtige deutsche Politiker haben am Wochenende mit einigem Unmut die Entscheidung von GM kommentiert, besser gesagt: das Ausbleiben der Entscheidung. Beamte und Politiker bis hinauf zum Außenminister haben mit ihren US-Kollegen telefoniert. Der Fall Opel belaste das deutsch-amerikanische Verhältnis, heißt es jetzt. Wenn das so sein sollte, dann darf man - so unangenehm die Hängepartie um Opel für die betroffenen Arbeitnehmer ist - zunächst feststellen, dass es um die Beziehungen schon schlechter stand. So lange liegen die Zeiten nicht zurück, da sich Deutschland und die USA in Fragen von Krieg und Frieden nicht einig waren und ihre Spitzenpolitiker kaum miteinander sprachen. Heute geht es um Kredite, Patente und Gebühren, kurz: um Details, wie sie komplizierten Geschäften zu eigen sind.
Das eigentliche Problem im Fall Opel hat mit dem deutsch-amerikanischen Verhältnis nichts zu tun, sondern bestünde auch, wenn Rüsselsheim in Albanien läge. Denn dieses eigentliche Problem ist die Asymmetrie der Verhandlungen aufgrund der unterschiedlichen Besitzverhältnisse: Die US-Regierung hat sich mit mehr als 50 Milliarden Dollar zum Mehrheitseigner des GM-Konzerns gemacht. Sie hat mit Steuergeldern ein Insolvenzverfahren durchgepeitscht, das bereits Tausende Arbeitsplätze gekostet hat. Die Regierung beherrscht den Verwaltungsrat und hat angekündigt, das Management genauer zu kontrollieren, was nach Jahren des ungebremsten Steuerns in den Ruin auch angebracht erscheint.
General Motors ist heute ein Staatskonzern. Und für Barack Obama steht mit der Sanierung auch die Reputation als Manager der Wirtschaftskrise auf dem Spiel. Er und seine Leute brauchen jedenfalls nicht in erster Linie eine zufriedene Bundesregierung, sondern die besten Perspektiven für General Motors. Der Präsident hat nichts zu verschenken - weder an Merkel, noch an Steinmeier und auch nicht an Westerwelle, wenn er den Namen denn schon mal gehört hat.
Die große Koalition in Berlin dagegen handelt nur treuhänderisch für die Interessen der Opelaner. Ihr gehört nichts bei Opel, abgesehen von den guten Wünschen derer, die um ihre Arbeitsplätze bangen, und einem Kredit in Höhe von 1,5 Milliarden, mit dem der Betrieb am Laufen gehalten wurde. Über eine Insolvenz hat Wirtschaftsminister zu Guttenberg zwar auch philosophiert. Steuergelder aber, womöglich sogar eine Verstaatlichung, hatte die Kanzlerin als Option schon abgeräumt, bevor sie überhaupt auf dem Tisch lag. In Deutschland orientiert man sich streng an ordnungspolitischen Prinzipien, in den USA hingegen handelt man lieber streng pragmatisch.
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Gysi gegen Lafontaine
Natürlich hat Merkel nur eine geringe Entscheidungskompetenz! Sie hat aber einen Staatsauftrag. Und der ist im Grundgesetz festgeschrieben und im Amtseid noch einmal bestätigt worden. Natürlich ist es müssig, über eine Verstaatlichung zu dementieren. Seltsam genug, nachdem der günstigste Zeitpunkt verpasst scheint. aber man kann sich vorstellen, wie eine Horde von Kommentatoren über die BR hergefallen wären, hätte man Opel verstaatlicht. Siehe HRE! Jedenfalls hätte man wieder den Schwachsinn von Planwirtschaft und Sozialismus verbreitet, an Ermangelung besserer Lösungen. Man hätte - und das sollte auch für die Zukunft gelten - wie in den USA, mehr Pragmatismus denn ordnungspolitische Sturheit an den Tag legen müssen. Allerdings muss man auch erkennen, dass man miteinander nicht so umgehen kann. Obama ist mit Sicherheit informiert darüber, wie es bei GM weiter gehen soll und immer patriotische Lösungen präferieren. Damit dürfte auch eine Entscheidung gegen Magna und Sberbank gefallen sein.