Ein Kommentar von Caspar Busse

Fatale Vorfestlegung: Im Rennen um Opel gilt Magna als der bessere Kandidat - zu Unrecht, denn ein Einstieg des Zulieferers bringt erhebliche Risiken mit sich.

Es geht um viel Geld, um sehr viel Geld sogar. Denn die Rettungskonzepte der drei Interessenten für den schwer angeschlagenen Autobauer Opel haben vor allem eines gemeinsam: Der italienische Fiat-Konzern, der österreichisch-kanadische Zulieferer Magna und der Finanzinvestor RHJ International wollen Staatsgarantien in Milliardenhöhe. Das Risiko für den Steuerzahler ist also beträchtlich. Und da ist fast schon egal, ob Bürgschaften von fünf oder sieben Milliarden Euro vergeben werden müssen.

Fiat, Opel, dpa

Fiat buhlt um Opel - doch bekommen die Turiner auch den Zuschlag des Mutterkonzerns General Motors? (© Foto: dpa)

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Umso sorgfältiger muss die Bundesregierung deshalb die vorliegenden Konzepte prüfen, alle Vor- und Nachteile abwägen und dann eine Empfehlung geben. Letztlich entschieden wird ohnehin beim Opel-Mutterkonzern General Motors in den USA. Wer sich in Berlin oder den beteiligten Bundesländern voreilig festlegt, schwächt hierbei die Verhandlungsposition der Politik. Irritierend ist deshalb, dass sich eine Mehrheit offenbar auf die Offerte von Magna festgelegt hat - und das nur Stunden, nachdem die Angebotsfrist der Bundesregierung ausgelaufen war. Vom Gesamtbetriebsrat von Opel über das Management von General Motors bis hin zum hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU): Alle favorisieren Magna.

Schon diese ungewöhnlich breite Allianz für Magna macht misstrauisch. Doch es gibt auch handfeste Gründe dafür, das Angebot von Fiat noch einmal genau zu prüfen. Fiat versteht - anders als der Teile-Produzent Magna - etwas von der Entwicklung und Massenproduktion von Autos, die Manager aus Turin haben in den vergangenen Jahren gezeigt, wie man einen Autokonzern aus einer existenzbedrohenden Krise führen kann. Die Italiener haben Autos mit originellem Design gebaut, etwa den neuen Fiat 500, die den Geschmack der Kunden treffen. Sie haben also das geschafft, was Opel mit seinen einfallslosen Einheitsautos nicht gelungen ist.

Fiat-Chef Sergio Marchionne will einen globalen Autokonzern schaffen, zu Fiat mit seinen weiteren Marken Maserati und Ferrari, zudem der amerikanische Hersteller Chrysler und nach Möglichkeit auch Opel. Natürlich ist dieser Plan äußerst gewagt, denn Marchionne will es mit den großen und erfolgreichen der Branche wie Volkswagen und Toyota aufnehmen.

Natürlich hat Fiat es auf deutsche Steuergelder abgesehen. Und natürlich ist es schöner, wenn - wie es Magna und der Finanzinvestor RHJ versprechen - mehr Arbeitsplätze erhalten werden können. Aber wahrscheinlich ist das Fiat-Konzept das ehrlichere, denn die Überkapazitäten auf dem globalen Automarkt sind derzeit riesig. So bitter das Aus für eine deutsche Opel-Fabrik auch wäre: Es wäre sinnvoll, beispielsweise die Motorenfertigung von Fiat und Opel zu konzentrieren, um im Wettbewerb langfristig bestehen und die restlichen Jobs erhalten zu können.

Im Poker um Opel darf es deshalb nicht darum gehen, kurzfristige Versprechen abzuverlangen und einfach demjenigen den Zuschlag zu erteilen, der vordergründig mehr Jobs erhält. Ein Einstieg von Magna birgt erhebliche Risiken. Unklar sind beispielsweise die Interessen der russischen Partner Gaz und Sberbank. Gewiss, Russland und Osteuropa bieten große Chancen. Aber genauso klar dürfte auch sein, dass Opel nicht bloß Richtung Osten exportieren wird, sondern irgendwann auch Technologie und Produktion abwandern könnten. Zudem will Magna offenbar General Motors weiterhin als größten Gesellschafter mit im Boot behalten. Doch das Management von GM darf keine weitere Chance bekommen, denn es hat die Krise des amerikanischen Konzerns zu verantworten.

Es steht viel auf dem Spiel. Setzt die Bundesregierung auf den falschen Bieter und geht Opel später womöglich doch noch pleite, sind die Bürgschaften in Milliardenhöhe unter Umständen dahin - es wäre eine Fehlentscheidung mit schlimmen Folgen, nicht nur für Opel.

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(SZ vom 23./24.05.2009/mel)