Für die Amerikaner beginnt sich ihre jahrzehntelange sorglose Energiepolitik zu rächen - aber auf ihre Großraumlimousinen wollen sie nicht verzichten.
Bei den Simons hängt der Haussegen schief. Die kleine Jennifer will partout nicht verstehen, warum sie statt zweimal nur noch einmal pro Woche zum Reitunterricht darf. Doch ihre 39-jährige Mutter Rebecca Simons bleibt unnachgiebig. "Wir müssen Geld sparen. Das Benzin ist zu teuer", sagt sie.
Ein Tankstellen-Angestellter in Michigan korrigiert den Preis für Benzin nach einer einmaligen Rabatt-Aktion wieder nach oben. Einen Morgen lang kostete an seiner Tankstelle Benzin 2,35 Dollar statt 2,85 Dollar. Autofahrer standen über drei Meilen im Stau um an den günstigeren Sprit zu kommen. (© Foto: Reuters)
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Die alleinerziehende Mutter wohnt mit ihrer achtjährigen Tochter in White Plains, einer Stadt nördlich von New York. Bisher war es für die Sekretärin mit dem Halbtagsjob bei einer Bank in Manhattan eine Selbstverständlichkeit, ihr Kind zweimal pro Woche 80 Kilometer in das Hudson Tal zu einer Farm zu fahren, die Ponyreiten anbietet.
"Der macht mich arm"
Doch seit die Benzinpreise in den USA innerhalb eines Jahres um 70 Prozent auf mehr als drei Dollar pro Gallone (3,8 Liter) nach oben geschnellt sind, muss Rebecca Simons schärfer kalkulieren. Auch bei den für viele Amerikaner zur Gewohnheit gewordenen Autofahrten zu diversen Shopping-Centern auf der Grünen Wiese hält sich Simons neuerdings zurück.
Sie fährt einen 15 Jahre alten Jeep Cherokee, der auf 100 Kilometer 20 Liter Benzin verbraucht. "Der macht mich arm. Die Tankstellenrechnungen haben meine Kreditkarte in die Miesen gebracht", klagt Simons. Sie würde sich gerne ein neues, sparsameres Auto kaufen. Doch dafür reicht das Geld nicht.
In einem Land, wo öffentlicher Nahverkehr ein Fremdwort ist und wo die eigenen vier Räder als Quasi-Geburtsrecht gelten, sind die hohen Benzinpreise eine nationale Katastrophe. Weltweit rollt jedes vierte Auto über US-Straßen - insgesamt sind es 128 Millionen Wagen. Sie fahren nicht gerade sparsam.
Öffentlicher Aufreger
Ein Mittelklassewagen in den USA verbraucht im Schnitt 11,7 Liter pro 100 Kilometer. In Deutschland sind es bei Neuwagen weniger als sieben Liter. Zudem pflegen Amerikaner ihre Liebe zu vierradgetriebenen Großraumlimousinen, den Sport Utility Vehicles (SUV), die im Stadtverkehr locker 20 Liter schlucken.
Statistisch gesehen fahren Amerikaner mehr als 9000 Kilometer pro Jahr zwischen Arbeitsstelle und Wohnort. Pendler sitzen im Schnitt hundert Stunden pro Jahr im Auto - das ist länger als jene zwei Wochen Urlaub, die ihnen jährlich zustehen. 500 Gallonen Benzin braucht jeder US-Bürger im Jahr für sein Auto.
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