Die SPD hat mit Müntefering und Steinmeier zwei neue Hoffnungsträger. Aber keine neue Wirtschaftspolitik. Hinter allzu großen Erwartungen steckt ein Missverständnis.
Müntefering und Steinmeier heißen die Hoffnungsträger der deutschen Wirtschaft. Kaum haben sie die Spitzenposten der SPD übernommen, frohlocken viele, nun komme bei der zweiten großen Volkspartei wieder der wirtschaftliche Sachverstand zu seinem Recht. Die Aussage ist so richtig, wie ihre wirtschaftliche Konsequenz überschätzt wird.
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Steht zur Agenda 2010: Franz Müntefering (© Foto: dpa)
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Hinter allzu großen Erwartungen steckt ein Missverständnis. Der bisherige SPD-Machthaber Kurt Beck war zuerst und vor allem hinderlich für die eigene Partei, das Land insgesamt hat ganz andere Probleme. Deutschland krankte bisher nicht an einem schwachen SPD-Chef, sondern an weitgehend verlorenen vier Jahren in der Wirtschaftspolitik.
Chancen nicht genutzt
Wertvolle Zeit ist vertan worden, die im internationalen Standortwettbewerb doppelt und dreifach zählt - und daran soll ausgerechnet Kurt Beck schuld gewesen sein? Es ist schon erstaunlich, dass der Pfälzer nicht stark genug war, in der eigenen Partei für Ordnung zu sorgen, er aber die Koalitionsarbeit zu paralysieren vermochte - was am Ende vermutlich mehr über die Koalitionspartner CDU und CSU aussagt als über die SPD.
Dass in Berlin insgesamt zu wenig auf den Weg gebracht worden ist, dass die großen Sozialsysteme nicht krisenfest sind, dass die Steuer- und Abgabenbelastung kaum gesenkt und der Mittelstand weiter drangsaliert wurde, dass Bildung und Forschung immer noch nicht den ausreichenden Stellenwert haben und dass keine Kraftreserven für den abzusehenden Abschwung aufgebaut wurden - all das hat die Koalition unter der Moderation der Kanzlerin Angela Merkel (CDU) gemeinsam zu verantworten.
Woher nun durch den Führungswechsel ausgerechnet bei der SPD neue Impulse fürs Land kommen sollen, weiß der Himmel.
Zwar war Müntefering in der großen Koalition der größte Reformer: Ehre, wem Ehre gebührt. Er hat gegen alle Widerstände die Rente mit 67 durchgesetzt und als Arbeitsminister lange gegen die Verlängerung des Arbeitslosengeldes I gekämpft.
Er steht zur Agenda 2010 und traut sich auch, diese fast schon verfemten Worte auszusprechen - während der designierte Kanzlerkandidat Steinmeier bereits in der Stunde des Triumphes zu lavieren begann ("Lasst uns lieber nach vorne schauen"). Wer aber jetzt von einem Sieg der Wirtschaftsvernunft über soziale Träumerei spricht, verkennt die Spielregeln der Politik.
Ja, die beiden neuen Alten wissen, wie die Wirtschaft funktioniert. Der Arbeitsminister Müntefering hat in seinen Regierungsjahren viel gelernt über die wirtschaftliche Situation in Deutschland.
Glaubwürdigkeit verloren
Er kennt die Realität in den Betrieben und weiß, dass das Geld erst verdient werden muss, das dann umverteilt werden soll. Und Steinmeier kommt als Außenminister in der Welt herum, sieht Aufbruchstimmung und Dynamik allenthalben, und muss erkennen, wie wenig die immer noch ziemlich statische deutsche Gesellschaft dem entgegenzusetzen hat.
Beide Realos aber sind nun angetreten, die SPD zu retten. Deren Wähler haben sich durch den wankelmütigen Kurs der letzten Jahre einreden lassen, dass die SPD zu wirtschaftsfreundlich geworden sei.
Die Glaubwürdigkeit, die der Kanzler Gerhard Schröder vorübergehend gewonnen hatte, ist längst dahin - nicht zuletzt durch Schröder selbst, der in seinem Überlebenswahlkampf 2005 mit Worten eingerissen hat, was er vorher durch Taten, durch neue Gesetze also etwa zum Abbau von Arbeitslosigkeit, aufgebaut hatte.
Müntefering und Steinmeier sind deshalb in großer Versuchung, eine ganz besondere perfide Fortsetzung der Agenda 2010 zu propagieren: Ja, die Agenda aus "fordern und fördern" war notwendig, hieße das dann, aber bisher sei sie einseitig umgesetzt worden. Gefordert worden sei genug, jetzt gelte es zu fördern. Werden sie den Mut haben zu sagen, dass dies längst geschieht?
Dass die Sozialleistungen in Deutschland in der Summe gewaltig sind? Dass aber ausgerechnet die Leistungsträger immer weiter belastet werden, vom Facharbeiter bis zum leitenden Angestellten? Vom beinharten Wahlkämpfer Müntefering ("heißes Herz und klare Kante") wird man Anderes hören.
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(SZ vom 10.9.2008/hgn)
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Da war der alte Herr Lambsdorf doch noch ein offener Politiker der die Rentenversicherung in die Allianz überführen wollte. Aber ohne Garantie.
Heute geht das richtigerweise viel subtiler.
das paßt ganz gut zu den Dogmen, die Marc Beise in der sz verbreitet. Es gilt immer noch, was schon Deleuze schrieb: In den Medien darf man nicht nach Wahrheiten suchen, sondern nach den Interessen, die hinter einer Aussage stehen
"Etikettenschwindel ist hier noch eine sehr vornehme Bezeichnung. Auf jeden Fall ist es Lobbyarbeit und die machen das sehr geschickt. Deshalb brauchen wir Aufklärung. Der Sumpf muss trockengelegt werden. Die Leute müssen wissen, wer dahinter steht, so Norbert Blüm wörtlich. Der Lobbyismus sei auch in Deutschland immer raffinierter geworden und arbeite mit angeblich unabhängigen Journalisten zusammen, so Blüm weiter. Es gebe genügend Beispiele, bei denen viel Macht und Geld im Spiel sei: Wenn der Herr Meinhard Miegel immer rumtönt gegen die Rentenversicherung. Da muss man wissen, der ist verbandelt mit dem Deutschen Institut für Altersvorsorge, das im Kreis der Deutschen Bank zuhause ist. Das muss man alles wissen, damit man nicht unschuldig daran geht und weiß: Es geht um handfeste Interessen. Und die kann jeder vertreten, aber mit offenem Visier."
Alte Versager gegen das derzeitige Dilemma der SPD. Kein besonders guter Einfall.
.Schauen wir mal wie der Wähler das honoriert-
Das Rentenproblem zu lösen ist leichter gesagt.
Voraussetzung ist eine Bestandsgarantie.
Jahrzehntelang wurden Arbeitnehmer, darunter ich, für dumm verkauft und mussten einbezahlen. Um dann festzustellen, dass, wenn es soweit war, keine mehr vorhanden war...
Außerdem musste ich im vorígen Beitrag zahlreiche Finanzquellen zwangsweise auslassen, wie auch hier wieder. Es ist schlicht unmöglich, alles Naheliegende aufzuzählen.
Zum Beispiel müssen wir unsere Landesverteidigung wieder verfassungsgerecht zur Landesverteidungung einsetzen, so es nötig wäre.
Schluss mit Beteiligung an Kriegen, die uns nichts angehen und an deren Entstehung wir keine Schuld haben.
Einsparung? Unermesslich.
Schluss mit Vorteilsgewährung an Unternehmen, mit der Vergabe von "Rechten" die Umwelt zu verschmutzen. Niemand hat das Recht die Umwelt zu verschmutzen, und niemand hat das Recht, mit diesen Rechten zu handeln oder sie gar zu verschenken, wie derzeit und noch bis 2013 geplant .
OK, ich setze hier mal einen Schlusspunkt für heute.
Ich möchte eine Regierung, die einfach mal nachdenkt, für wen sie zu arbeiten vorgibt. Und danach handelt, dann ist mir egal wie die sich nennt.
In den letzten Monaten war doch die heilige Presse damit beschäftigt ihre SPD/Beck Kampagne durchzuziehen, jetzt wird das Radar neu justiert.
Dem Artikel entnehme ich, nur die SPD kann die wirtschaftliche Vorwärtsbewegung vollbringen. Toll! Es gibt als keine CDU/CSU und keine Frau Merkel und keinen Herrn Glos oder auch eine Frau Schavan?
Mal nur den Bereich Bildung beleuchten. Da stellt die OECD gerade ihren Bericht vor und bescheinigt der Bundesrepublik, zwar sehr höflich und etwas beschönigend, sie befinde sich im Verein mit Ländern wie Rumänien, Tschechien und Polen.
Wenn man sich den Bericht nur oberflächlich ansieht, kommt man zu dem Schluss Deutschland ist ein Schwellenland. Und jetzt provozierend: Das alles hat Beck mit seiner SPD angestellt?
Da diskutieren wir seit Jahren über das dreigliedrige Schulsystem, in der Zwischenzeit gibt es bei den führenden Bildungsnationen sowas überhaupt nicht mehr.
Die Hauptschule, die klar ein Auslaufmodell ist, nein, hier muss sie noch erhalten bleiben!
Neue Bildungskonzepte, wie sie die Skandinavier seit Jahren praktizieren, bleiben in Beschwörungsrituale stecken.
Was soll es? Wir können uns leisten den anderen Ländern die Akademiker abzukaufen.
Nur, die Akademiker oder Neusprech, Hochqualifizieren, wollen gar nicht mehr nach Deutschland, wie Studien inzwischen belegen.
Woran liegt es? Wir beschäftigen uns nur noch um Personen, nicht mehr mit den Problemen und deren Lösungen.
Wobei mich immer wieder wundert, nur die SPD hat Verantwortung, die CDU ist immer außen vor.
Wofür ist die CDU eigentlich gut? Unsere Bundeskanzlerin, ist die nur zur Dekoration ins Kanzleramt gewählt worden?
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