Fast wie im Wunschkonzert: Nach den Autokonzernen pochen nun auch Versicherer auf staatliche Hilfen. Einige von ihnen mussten massive Verluste hinnehmen.
Damit wächst die Sorge, dass die vorgesehenen 700 Milliarden Dollar nicht ausreichen könnten, um einen Ausweg aus der Krise zu bieten. Ursprünglich sollte die Hilfe auf Banken beschränkt sein.
Nur mit staatlicher Hilfe kann der US-Versicherer AIG überleben, nun wollen weitere Versicherungskonzerne diesen Schutz. (© Foto: dpa)
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Das Rettungspaket der Regierung umfasst insgesamt 700 Milliarden Dollar. 250 Milliarden davon sind für eine Teilverstaatlichung von Banken vorgesehen, um sie von der Panik auf den Aktienmärkten zu schützen und ihre Kapitalausstattung zu verbessern. Die neun größten Kreditinstitute des Landes haben bereits 125 Milliarden Dollar erhalten und im Gegenzug Vorzugsaktien an den Staat abgegeben. Mehr als 20 kleinere Banken sollen die Kapitalinfusion in den kommenden Tagen erhalten.
Für das restliche Geld wollte die Regierung Finanzinstituten eigentlich hypothekengedeckte Wertpapiere abkaufen, für die es sonst keine Interessenten mehr gibt, seit in den USA die Immobilienpreise fallen und immer mehr Amerikaner ihre Hypotheken nicht mehr zurückzahlen können. Weil aber gesetzlich nicht festgelegt ist, in welche Branchen die Regierung das Geld investieren darf und sich die Finanzkrise auf das gesamte Land auswirkt, stoßen die Staatshilfen in allen Bereichen der Wirtschaft auf Interesse.
Schwierige Finanzierung
Das Wall Street Journal meldet, dass die Versicherungskonzerne Metlife, Prudential Financial und New York Life Insurance prüfen, ob sie nach dem Vorbild der Banken ebenfalls versuchen sollten, Vorzugsaktien an den Staat zu verkaufen. Die Versicherer haben eigentlich ein konservatives Geschäftsmodell und wurden von der Finanzkrise zunächst nicht so hart getroffen wie Banken. Ausnahme ist der weltgrößte Versicherungskonzern AIG, der sich mit obskuren Wertpapiergeschäften verspekuliert hatte und Mitte September nur durch einen Rettungskredit der Regierung vor dem Kollaps bewahrt werden konnte.
Doch in den vergangenen Wochen sind auch die Aktien von solventen Versicherern abgestürzt. Das macht es für die Unternehmen schwer, neues Kapital am Markt aufzunehmen. Einige Versicherer haben bereits schwere Verluste hinnehmen müssen. Teils haben sie in marode hypothekengedeckte Wertpapiere investiert, teils in Schuldverschreibungen und Aktien von kollabierten Banken wie Lehman Brothers. Darüber hinaus bewerten Ratingagenturen den Ausblick der Branche negativ. Sollten sie die Kreditwürdigkeit der Anbieter herunterstufen, würden diese Schwierigkeiten beim Verkauf ihrer Produkte bekommen.
Versicherungskonzerne sind ein Stützpfeiler des Finanzsystems. In den USA zählen sie zu den wichtigsten Käufern von Rentenpapieren, mit denen Unternehmen ihre Geschäfte finanzieren. Versicherer haben einen langen Anlagehorizont und halten die Papiere in der Regel mehrere Jahre. Sollte die Branche in Schieflage geraten, könnte der Kapitalmarkt, der nach Interventionen von Regierungen in Amerika und Europa gerade erst auf dem Weg der Besserung zu sein schien, erneut austrocknen. Zudem droht Unruhe unter Bürgern, die Lebensversicherungen gekauft haben. Das Vertrauen in den USA könnte noch weiter abstürzen. Das Finanzministerium hat daher durchblicken lassen, dass es den Versicherern toxische Wertpapiere abkaufen wolle. Von Kapitalinfusionen und einer Teilverstaatlichung war bisher nicht die Rede. Führende Beamte prüfen aber offenbar, ob die Versicherer auch diese Form der Hilfe bekommen sollen.
Autohersteller in Not
Auch die drei großen US-Autohersteller, General Motors, Ford und Chrysler, sehnen sich nach staatlicher Rettung. Ihre Finanztöchter, die Konsumenten Geld leihen, um den Autoverkauf anzukurbeln, müssen befürchten, auf einem Haufen fauler Darlehen zu sitzen. Kreditausfälle würden die schwer angeschlagenen Autohersteller wahrscheinlich nicht verkraften. Einflussreiche Kongressabgeordnete drängen die Regierung daher bereits, den Autokonzernen zu helfen.
Die "Big Three" haben in Washington eine starke Lobby. Sie gehören zum industriellen Kern des Landes und beschäftigen hunderttausende Arbeitnehmer. Viele Zulieferer und fast die gesamte Wirtschaft des US-Bundesstaats Michigan sind von ihnen abhängig. Wegen einer verfehlten Modellpolitik und des Einbruchs auf dem amerikanischen Automarkt stehen die "Big Three" jedoch am Rande des Ruins.
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(SZ vom 27.10.2008/mel)
Linke mit neuer Führung
Wie hilft man der Welt und den USA aus der Patsche? Es gibt nur den einen Weg, das Außenhandelsdefizit der USA abzubauen. Länder, die große Dollareserven haben, müssen diese jetzt in die US-Realwirtschaft stecken und "bestellen". Was immer man Gutes aus den USA importieren kann, wenn es sein muss, gegen Vorkasse.
"Laßt sie arbeiten, die Amerikaner."
Es ist einfach falsch und ein Zeichen von Gier, auf Kosten der Reallöhne "Exportweltmeister" sein zu wollen. Im Gefüge der Nationen muss es im Außenhandel ein gewisses Maß an Ausgewogenheit und Ausgleich geben.
China tut gut dran, keine Paoiere in den USA zu kaufen, sondern Arbeit zu generieren. Bestellt Kühlschränke, Landmaschinen und wer weiß was sonst noch und vetreilt sie unter die Bevölkerung, liebe Chinesen. gebunkerte Dollars bringen keinem was und fallen zum Schluss der Inflation anheim.
Dann hat die Welt eine Chance, aus der Depression herauszukommen. Umgekehrt müssen die Länder, deren Belegschaft zu miesen Löhnen geschuftet hat, den Binnenmarkt beleben. Will sagen: Rauf mit den Löhnen und das Einkommen geteilt, welches einige wenige in den letzten Jahren eingesackt haben! Denn die Schere zwischen Arm und Reich geht auseinander. Also: Löhne um 10 % rauf in Deutschland, zu Lasten der Unternehmergewinne!
"Teilen" heißt die Parole. Dann geht es für alle weiter und erst dann...
.....geht es allen besser.
Und die Finanzindustrie? Geht ohne große Wirkung in den Allerwertesten. Asche zu Asche, Papier zu Papier.
Die Realwirtschaft macht's.
...nicht die handelnden Personen gehören ausgewechselt, sondern das System in dem sie handeln.
Wer die Gier und den Einzelgewinn und die Ausbeutung von Umwelt, Natur und schwächeren Marktteilnehmern und den dazu nötigen pervertierten Eigentumsschutz der Betrüger und ihrer Beute durch "Rettungspakete" für in Ordnung hält, hat wohl den Zusammenhang von Kapitalismus und seiner hausgemachten Krise noch nicht verstanden.
Lassen wir sie doch mit den Selbstheilungskräften ihres gehypten Marktes allein und gehen solang ein Bier trinken.
Das Problem löst sich von selbst, und jeder Rettungsversuch verteuert die Lösung unnötig.
Wenn die Autohersteller (ja nicht nur in USA sonder auch in Deutschland) nach Hilfe in Form verbilligter Darlehen für ihre Käufer rufen, dann wird das bisherige System nur weitergeführt: Heute konsumieren und morgen bezahlen. Das System wird nur gesunden, wenn Ausgaben möglichst zeitnah durch Einnahmen gedeckt werden. Und bis dieser Punkt wieder erreicht ist, braucht es eben die reinigende Kraft einer Krise.
nicht nur versicherungen, auch banken sind auf vereins- oder genossenschaftsbasis möglich. verein (ohne gewinnerzeilungsabsicht): kein gewinn; genossenschaft: vollständige ausschüttung der gewinne an genossenschaftler.
dann wäre auch so ein blödsinn wie der von der allianz nicht möglich: diese hatte sich (vergebens) beworben um die namensrechte für ein new yorker stadion für mehrere hundert millionen dollar per annum. so darf man mit versichertengeldern nicht umgehen.
@enki_muc: Nicht viele, aber es gibt sie noch, die Versicherungsgesellschaften "auf Gegenseitigkeit". DENEN sollte ggf. geholfen werden. Eine Versicherungs AG hat natuerlich seit dem galoppierenden Shareholder-Wahnwitz ganz andere Geschaftsziele als das Wohl ihrer Versicherten.
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