Von Moritz Koch

Fast wie im Wunschkonzert: Nach den Autokonzernen pochen nun auch Versicherer auf staatliche Hilfen. Einige von ihnen mussten massive Verluste hinnehmen.

Damit wächst die Sorge, dass die vorgesehenen 700 Milliarden Dollar nicht ausreichen könnten, um einen Ausweg aus der Krise zu bieten. Ursprünglich sollte die Hilfe auf Banken beschränkt sein.

Nur mit staatlicher Hilfe kann der US-Versicherer AIG überleben, nun wollen weitere Versicherungskonzerne diesen Schutz. (© Foto: dpa)

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Das Rettungspaket der Regierung umfasst insgesamt 700 Milliarden Dollar. 250 Milliarden davon sind für eine Teilverstaatlichung von Banken vorgesehen, um sie von der Panik auf den Aktienmärkten zu schützen und ihre Kapitalausstattung zu verbessern. Die neun größten Kreditinstitute des Landes haben bereits 125 Milliarden Dollar erhalten und im Gegenzug Vorzugsaktien an den Staat abgegeben. Mehr als 20 kleinere Banken sollen die Kapitalinfusion in den kommenden Tagen erhalten.

Für das restliche Geld wollte die Regierung Finanzinstituten eigentlich hypothekengedeckte Wertpapiere abkaufen, für die es sonst keine Interessenten mehr gibt, seit in den USA die Immobilienpreise fallen und immer mehr Amerikaner ihre Hypotheken nicht mehr zurückzahlen können. Weil aber gesetzlich nicht festgelegt ist, in welche Branchen die Regierung das Geld investieren darf und sich die Finanzkrise auf das gesamte Land auswirkt, stoßen die Staatshilfen in allen Bereichen der Wirtschaft auf Interesse.

Schwierige Finanzierung

Das Wall Street Journal meldet, dass die Versicherungskonzerne Metlife, Prudential Financial und New York Life Insurance prüfen, ob sie nach dem Vorbild der Banken ebenfalls versuchen sollten, Vorzugsaktien an den Staat zu verkaufen. Die Versicherer haben eigentlich ein konservatives Geschäftsmodell und wurden von der Finanzkrise zunächst nicht so hart getroffen wie Banken. Ausnahme ist der weltgrößte Versicherungskonzern AIG, der sich mit obskuren Wertpapiergeschäften verspekuliert hatte und Mitte September nur durch einen Rettungskredit der Regierung vor dem Kollaps bewahrt werden konnte.

Doch in den vergangenen Wochen sind auch die Aktien von solventen Versicherern abgestürzt. Das macht es für die Unternehmen schwer, neues Kapital am Markt aufzunehmen. Einige Versicherer haben bereits schwere Verluste hinnehmen müssen. Teils haben sie in marode hypothekengedeckte Wertpapiere investiert, teils in Schuldverschreibungen und Aktien von kollabierten Banken wie Lehman Brothers. Darüber hinaus bewerten Ratingagenturen den Ausblick der Branche negativ. Sollten sie die Kreditwürdigkeit der Anbieter herunterstufen, würden diese Schwierigkeiten beim Verkauf ihrer Produkte bekommen.

Versicherungskonzerne sind ein Stützpfeiler des Finanzsystems. In den USA zählen sie zu den wichtigsten Käufern von Rentenpapieren, mit denen Unternehmen ihre Geschäfte finanzieren. Versicherer haben einen langen Anlagehorizont und halten die Papiere in der Regel mehrere Jahre. Sollte die Branche in Schieflage geraten, könnte der Kapitalmarkt, der nach Interventionen von Regierungen in Amerika und Europa gerade erst auf dem Weg der Besserung zu sein schien, erneut austrocknen. Zudem droht Unruhe unter Bürgern, die Lebensversicherungen gekauft haben. Das Vertrauen in den USA könnte noch weiter abstürzen. Das Finanzministerium hat daher durchblicken lassen, dass es den Versicherern toxische Wertpapiere abkaufen wolle. Von Kapitalinfusionen und einer Teilverstaatlichung war bisher nicht die Rede. Führende Beamte prüfen aber offenbar, ob die Versicherer auch diese Form der Hilfe bekommen sollen.

Autohersteller in Not

Auch die drei großen US-Autohersteller, General Motors, Ford und Chrysler, sehnen sich nach staatlicher Rettung. Ihre Finanztöchter, die Konsumenten Geld leihen, um den Autoverkauf anzukurbeln, müssen befürchten, auf einem Haufen fauler Darlehen zu sitzen. Kreditausfälle würden die schwer angeschlagenen Autohersteller wahrscheinlich nicht verkraften. Einflussreiche Kongressabgeordnete drängen die Regierung daher bereits, den Autokonzernen zu helfen.

Die "Big Three" haben in Washington eine starke Lobby. Sie gehören zum industriellen Kern des Landes und beschäftigen hunderttausende Arbeitnehmer. Viele Zulieferer und fast die gesamte Wirtschaft des US-Bundesstaats Michigan sind von ihnen abhängig. Wegen einer verfehlten Modellpolitik und des Einbruchs auf dem amerikanischen Automarkt stehen die "Big Three" jedoch am Rande des Ruins.

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(SZ vom 27.10.2008/mel)