Erste Frau an der Spitze der US-Notenbank Janet Yellen wird Fed-Chefin

Janet Yellen spricht am 4. März 2013 bei einer Konferenz der National Association for Business Economics.

Sie war die Wirtschaftsberaterin von Clinton und steht für eine Politik des billigen Geldes: Janet Yellen wird als erste Frau die US-Notenbank Fed führen. Kritiker befürchten, dass die Geldflut eine neue Finanzkrise heraufbeschwört.

Erstmals rückt eine Frau an die Spitze der mächtigen US-Notenbank. Der Senat in Washington stimmte am frühen Montagabend (Ortszeit) für die Berufung der 67-jährigen Janet Yellen als neue Vorsitzende der Federal Reserve (Fed). Die Entscheidung fiel mit 56 zu 26 Stimmen zu ihren Gunsten aus.

Sie wird damit Nachfolgerin von Ben Bernanke, der Ende Januar ausscheidet. Yellen war von US-Präsident Barack Obama für das Amt vorgeschlagen worden. Dieser würdigte sie nach der Bestätigung durch den Senat als eine der angesehensten Wirtschaftswissenschaftlerinnen des Landes.

Die promovierte Ökonomin steht für den Kurs der lockeren Geldpolitik, mit der die Fed seit Ende 2008 gegen die Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise ankämpft. Dies hatte ihr insbesondere die Kritik der Republikaner eingebracht, die im Senat zum Großteil gegen sie stimmten. Auch wenn es an ihrer Ernennung wegen der demokratischen Mehrheit im Senat keinen Zweifel gab, wurde diese doch eine der knappsten in der Geschichte der Fed.

Die USA bekommen mit Yellen eine Fed-Chefin, die verstehe, wozu Wirtschafts- und Finanzpolitik tatsächlich da sei, erklärte Obama. Es gehe darum, "die Leben, die Jobs und den Lebensstandard amerikanischer Arbeiter und ihrer Familien zu verbessern". Yellen habe schon auf ihren vorherigen Posten bei der Fed dazu beigetragen, die US-Wirtschaft "aus der Rezession zu ziehen und uns auf einen Pfad stetigen Wachstums zu bringen".

Ihre erste Hauptaufgabe wird es sein, die bereits eingeleitete Abkehr von der Politik des billigen Geldes behutsam fortzusetzen - ohne dabei den gegenwärtigen Aufwärtstrend der US-Konjunktur zu gefährden. Die Fed hatte im Dezember beschlossen, ihre milliardenschweren Anleihenkäufe, die langfristige Zinsen drücken und Investitionen befeuern sollen, langsam zurückzufahren. Bernanke hat mit seiner Krisenpolitik des ultrabilligen Geldes seiner Nachfolgerin ein schwieriges Erbe hinterlassen: Sie muss den Kurs für den Ausstieg aus der Ära des billigen Geldes abstecken - und dies den Märkten glaubhaft vermitteln.

Yellen gilt selber als ausgesprochene Verfechterin der Stützungsmaßnahmen und einer vorsichtigen Drosselung. Sie ist bereits seit vier Jahren Stellvertreterin von Bernanke und im Hintergrund daher bereits eine Mitarchitektin dieses geldpolitischen Kurses.

Kritiker nennen Yellens geldpolitische Position zu weich: Sie fürchten, dass die neue Steuerfrau der Fed mit der Geldflut neue Blasen an den Märkten heraufbeschwören und die Zinsen zu spät anheben wird. Sollte es so kommen, drohen eine neue Finanzkrise und womöglich noch gravierendere Erschütterungen als das Beben der jüngsten Jahre.

Yellen blickt auf eine Spitzenkarriere zurück. Sie war in den neunziger Jahren Wirtschaftsberaterin von US-Präsident Bill Clinton, bevor sie zur Fed zurückkehrte. 2004 wurde Yellen Präsidentin der Zentralbank in San Francisco. 2010 nominierte sie Obama als Fed-Vizechefin. Dabei sorgte sie geräuschlos dafür, dass sich die 100 Jahre alte Institution wandelte - etwa mit einer neuen Kommunikationsstrategie. Der Fed-Chef erläutert inzwischen mehrmals jährlich die Beschlüsse vor der Presse, die sich zuvor mit einem dürren Begleittext zufriedengeben musste.