Erst während der Sitzung des Präsidiums des Aufsichtsrates realisierte Bernd Pischetsrieder, dass seine Zeit als VW-Chef vorbei ist.
Am Montagmittag weiß Bernd Pischetsrieder noch nicht, dass er am Abend des folgenden Tages als Vorstandsvorsitzender von Volkswagen abtreten wird.
Bernd Pischetsrieder:Zuletzt lief nichts mehr nach seinem Plan. (© Foto: AP)
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Der Termin für das Interview mit der Süddeutschen Zeitung ist seit vielen Wochen vereinbart. Durch das Fenster des Chefbüros im 13.Stockwerk sieht es an diesem trüben Novembertag so aus, als stehen die berühmten vier Schornsteine des Kraftwerkes am Horizont. In Wahrheit geht hinter ihnen das VW-Stammwerk noch viel weiter. Wolfsburg ist eben die größte Automobilfabrik der Welt.
Das Gespräch dreht sich um Nachhaltigkeit, die Abkehr von fossilen Treibstoffen. Es geht aber auch um nachhaltiges Managen in einer Industrie, deren Produkte drei, vier Jahre entwickelt und dann - gelegentlich aufgefrischt - etwa sieben Jahre lang verkauft werden.
Liebenswürdig unverbindlich
Vorstandsvorsitzende börsennotierter Konzerne bleiben gern liebenswürdig unverbindlich, der Aktienkurs könnte ja abrutschen. Erst als das Tonband abgeschaltet ist, äußert Pischetsrieder sich auch zu aktuellen Fragen wie den Übernahmekampf von MAN und Scania.
VW steht als Großaktionär beider Lkw-Hersteller mitten im Getümmel. Das werde noch eine Weile so weitergehen, doch letztlich laufe alles nach seinem Plan. In Wahrheit läuft zu diesem Zeitpunkt nichts mehr nach dem Plan von Pischetsrieder. Stattdessen führt sein Vorgänger Ferdinand Piëch Regie.
Glanz in Halle 68
Der Vorsitzende des Aufsichtsrates Piëch, der seit dem Einstieg seines Familienunternehmens Porsche auch größte Aktionär bei Volkswagen ist, verleiht einer Veranstaltung durch seine Anwesenheit Glanz, die sonst unbemerkt über die Bühne der Halle 68 gegangen wäre.
Ein Kälte- und Klimazentrum wird eingeweiht. Es hat 60 Millionen Euro gekostet - eine durchaus größere Investition im Werk Wolfsburg in Zeiten der Sparsamkeit.
Gut gelaunt tourt Piëch eine Stunde lang durch Klimakammern, an seiner Seite Bernd Pischetsrieder, der Mann, der am nächsten Tag durch Audi-Chef Martin Winterkorn abgelöst werden wird.
Längst hat Piëch Einladungen verschicken lassen an die anderen fünf Mitglieder des Aufsichtsrats-Präsidiums: an seinen Porsche-Statthalter Wendelin Wiedeking, Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) als Vertreter des Großaktionärs Nummer zwei Niedersachsen, IG-Metall-Chef Jürgen Peters und an die beiden Betriebsräte Bernd Osterloh und Bernd Wehlauer.
Faktische Machtübernahme durch Piëch
Auf der Tagesordnung dieser außerordentlichen Sitzung am Dienstag stehen ,,Vorstandsangelegenheiten''. Dahinter verbirgt sich die faktische Machtübernahme durch Piëch und damit Porsche.
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Gysi gegen Lafontaine