Die Commerzbank nach der Finanzkrise Mehr Sorgen statt Euphorie

Baustelle Commerzbank: Trotz erfolgreichen Sparprogramms ist bei Deutschlands zweitgrößtem Geldinstitut wenig Euphorie zu spüren.

Jahrelang balancierte die Commerzbank am Abgrund. Jetzt erwarten Beobachter wieder schwarze Zahlen. Aber der Personalabbau hat Spuren hinterlassen. Auch die Übernahme einer "Bad Bank" macht dem Geldinstitut noch zu schaffen.

Von Andrea Rexer

Er sagt wieder "dadada", wenn die Sätze so schnell aus ihm heraussprudeln, dass er keine Zeit hat, sie bis zum Ende auszusprechen. Eine lockere Geste mit der Hand, die jene drei Silben unterstreicht, muss reichen, damit der Gegenüber versteht, was gemeint ist.

Monatelang hatte man die für Martin Blessing so typischen Silben nicht mehr gehört. Monatelang gab es auch keine Themen, über die der Vorstandschef der Commerzbank gern ausführlich gesprochen hätte. Denn die Themen über die er sprechen musste, waren alles andere als angenehm: der Aktienkurs befand sich im Sinkflug, die Bank vermeldete Verluste und kündigte einen umfangreichen Personalabbau an. Öffentlich wurde darüber spekuliert, wie lange sich Blessing noch im Amt halten kann.

Blessing war die Anspannung förmlich im Gesicht abzulesen. Doch nun hat er seine alte Lockerheit wieder. "Ich weiß, ich habe Sie alle enttäuscht - ich bin immer noch im Amt", frotzelte Blessing jüngst vor einer Runde von Journalisten und grinste breit. Seine Selbstsicherheit nährt sich aus Zahlen: Analysten erwarten, dass sie an diesem Donnerstag einen Gewinn von rund 30 Millionen Euro ausweisen wird. Das ist zwar für eine Bank mit einer Bilanzsumme von 600 Milliarden Euro alles andere als üppig, aber es sind immerhin schwarze Zahlen. 2012 hatte die Commerzbank noch 34 Millionen Euro Miese gemacht.

Und für das laufende Jahr sieht es noch ein bisschen rosiger aus: Dann nämlich laufen die hohen Kosten für das Restrukturierungsprogramm weitgehend aus, das Privatkundengeschäft gewinnt wieder an Fahrt, die Verluste der internen Abwicklungseinheit dürften sinken. Ein hoher dreistelliger Millionen-Gewinn könnte dann drin sein, hoffen Analysten.

Während vor einigen Monaten die Finanzbranche beim Namen Blessing noch die Stirn gerunzelt hat, sagt eine Wall-Street-Größe jetzt: "Martin did a pretty good job." So sieht man es in den USA.

Dass er gute Arbeit macht, glaubt man auch in Frankfurter Finanzkreisen, auch wenn so mancher Konkurrent darauf hinweist, dass die guten Zahlen nicht ausschließlich mit einer guten Geschäftsstrategie zu tun haben, sondern mit guter Taktik: "Blessing hat es geschickt verstanden, die Belastungen ins vergangene Jahr zu buchen, damit er in diesem Jahr eine klare Wende zum Positiven zeigen kann."

Der Personalabbau hat tiefe Spuren hinterlassen

Beim Mitarbeiter-Abbau kommt die Commerzbank sogar deutlich schneller voran als geplant, erfuhr die Süddeutsche Zeitung aus dem Umfeld des Instituts. Das freut die Investoren. Doch nicht die Mitarbeiter. Auf den Fluren der Bank und in den Filialen ist von Euphorie wenig zu spüren.

"Der größte Frust ist vorbei, aber vor allem der Personalabbau hat tiefe Spuren hinterlassen", sagt ein Mitarbeitervertreter. Auch wenn die Umsetzung fair verlaufe, hätten viele Angst, ob sie unter denen sind, die gehen müssen. Hinzu komme, dass in manchen Filialen die Personaldecke bedenklich dünn geworden sei.

Doch Mitarbeitervertreter zweifeln noch immer daran, ob es klug war, so viele Jobs zu streichen: "Viele davon sind im Vertrieb - wer soll denn künftig Umsatz generieren, wenn man so viele Leute rausschmeißt?" Diese Bedenken teilt auch Dirk Becker, der als Analyst die Bank seit Jahren beobachtet.

"Einen Wendepunkt kann ich nicht erkennen. Die Bank verdient noch immer kein Geld", so Becker. Selbst wenn die Bank die Kosten besser im Griff hat, als früher, ist es ihm ein Rätsel woher die Erträge in der Zukunft kommen sollen.

Die Mittelstandsbank dümpelt vor sich hin, seit der lukrative Großkredit an den Automobilzulieferer Schaeffler ausgelaufen ist, das Privatkundengeschäft hat zwar Kunden gewonnen, aber weist noch längst keine Traumgewinne ab, das Investmentbanking schwankt naturgemäß von Quartal zu Quartal. Alternativen zum eingeschlagenen Kurs gibt es jedoch wenige.