Von Klaus Ott

Verkehrsminister Tiefensee in Bedrängnis: Er muss die geplanten Bonuszahlungen an den Bahn-Vorstand beim Börsengang des Staatsbetriebs erklären. Seine Darstellung, er habe davon spät erfahren, stößt auf Zweifel.

Kaum war Werner Müller, Aufsichtsratschef der Deutschen Bahn (DB), aus dem Flugzeug gestiegen, da hatte er einen empörten Wolfgang Tiefensee (SPD) am Telefon. Eine halbe Stunde lang redete der Bundesverkehrsminister auf Müller ein. Die geplanten Sonderhonorare für den Bahnvorstand beim Börsengang des Staatskonzerns sollten gestrichen werden. Der Aufsichtsratschef, gerade von einer Dienstreise nach Berlin zurückgekehrt und in Düsseldorf gelandet, widersprach. Das komme nicht in Frage. Bis in die Tiefgarage des Energieunternehmens Evonik hinein, für das Müller tätig ist, dauerte das Gespräch.

Verkehrsminister Tiefensee: Seinen Staatssekretär hat er Mitte der Woche gefeuert, jetzt gerät er selbst unter Druck. (© Foto: ddp)

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So geschehen am Montag, 20. Oktober. Tiefensee will erst kurz zuvor von den Sonderhonoraren erfahren haben. Inzwischen hat er seinen Staatssekretär Matthias von Randow gefeuert, weil der im Aufsichtsrat der Bahn bereits im Juni den Bonuszahlungen zugestimmt hatte, sie aber intern im Ministerium verschwiegen habe. Doch jetzt gibt es Zweifel an dieser Darstellung. Das Zusatzhonorar war nämlich gar nicht geheim.

"Anreize sind allgemein üblich"

Im Aufsichtsrat der Bahn wird auf zwei Interviews von Bahnchef Hartmut Mehdorn von Ende September verwiesen. Der Stern hatte Mehdorn damals gefragt: "Stimmt es denn, dass Sie eine Prämie für den Börsengang bekommen?" Die Antwort des Bahnchefs: "Es ist allgemein üblich, dass es einen Anreiz fürs Management und Führungskräfte gibt. Der Eigentümer gibt denen, die die Aktien verkaufen, Möhrchen, damit sie sich anstrengen, diese möglichst teuer zu verkaufen." So zu lesen am 25. September.

Einen Tag später war Mehdorn zu Gast beim Nachrichtenkanal N-TV. Dort wurde er auf seine Aussagen im Stern angesprochen und gefragt, "wie dick sind denn die Möhrchen?". Mehdorns Antwort: Das komme darauf an, zu welchem Preis die Aktien weggingen. Es sei üblich, dass in Unternehmen, die an die Börse gingen, solche Anreize für das Management geschaffen würden. So gesagt am 26. September.

Doch erst dreieinhalb Wochen später rief Tiefensee bei Müller an und beschwerte sich.

Lesen Sie weiter, warum der Aufsichtsrat sauer auf Tiefensee ist.

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