Von M. Bauchmüller und K. Ott

Egal, ob Bahnchef Mehdorn den Datenskandal überlebt oder nicht - geschwächt ist er durch den Eklat in jedem Fall. Ihm wird nicht zugetraut, notwendige Sparmaßnahmen durchzusetzen.

Ein Wort nur, ein einziges Wort, und Hartmut Mehdorn wäre vorerst gerettet. Der Vorstandschef der Deutschen Bahn (DB) müsste nur "Entschuldigung" sagen.

Bild vergrößern

Datenskandal bei der Bahn: Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG soll den Vorgang nun untersuchen. (© Foto: AP)

Anzeige

Entschuldigung dafür, das die Bahn den Großteil ihrer mehr als 200.000 Beschäftigten wiederholt ausgespäht hat; dass deren Adressen und Bankverbindungen mit denen von 80.000 Lieferanten des Unternehmens abgeglichen wurden. Mögliche kriminelle Geschäfte wie Korruption und Betrug sollten so aufgedeckt werden.

Doch eine Entschuldigung bei der Belegschaft kommt Mehdorn bisher nicht über die Lippen. So gerät er mehr und mehr in Gefahr, seinen Job zu verlieren.

Spätestens nächsten Dienstag soll sich der Aufsichtsrat der DB nach dem Willen der Bahngewerkschaften Transnet und GDBA mit dem Skandal befassen. Hat Mehdorn bis dahin das eine Wort nicht gesagt, dann wollen die Gewerkschafter im Aufsichtsrat seinen Rücktritt fordern.

Eine Erklärung mit dem einen Wort

"Er muss sich bis Dienstag entschuldigen, sonst geht gar nichts mehr", sagt ein Gewerkschaftsvorstand. "Es gibt keinen Grund, länger zu warten." In Aufsichtsratskreisen heißt es, die Lage sei klar. Entzögen die Arbeitnehmer-Vertreter Mehdorn das Vertrauen, müsse er gehen.

Am Mittwochabend soll der Bahnchef schon kurz davor gewesen sein, das eine Wort auszusprechen. Der Konzernvorstand beriet in Frankfurt mit den Gewerkschaftschefs über den Datenskandal. Mehdorn hatte eine Erklärung dabei, in der das Wort mit den vierzehn Buchstaben vorkam, aber nur verklausuliert.

Der Vorstand "entschuldigt sich bei den Mitarbeitern für die in den vergangenen Tagen entstandenen Irritationen". Das reichte nicht. Die Gewerkschaften fordern eine Entschuldigung für die Spähaktionen, nicht für die dadurch entstandenen Irritationen.

Lesen Sie auf der zweiten Seite, welche Probleme der Bahn durch die Finanzkrise erwachsen.

Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite

  1. Sie lesen jetzt Zu schwach
  2. Zu schwach
Leser empfehlen