Von Klaus Ott

Der Streit um die TV-Vermarktung der Bundesliga alarmiert auch den Deutschen Fußball-Bund (DFB). Präsident Theo Zwanziger befürchtet die Abwanderung von Top-Stars und Rückschläge für die Nationalmannschaft.

Mit Grausen erinnert sich Zwanziger an die Europameisterschaften 2000 und 2004. Die die deutsche Mannschaft überstand damals nach blamablen Auftritten nicht einmal die Gruppenphase. Das könne sich wiederholen, warnt der DFB-Chef, wenn das Bundeskartellamt jetzt die TV-Vermarktung der Bundesliga einschränke und dem deutschen Fußball dadurch viel Geld entziehe.

Theo Zwanziger, DFB, ddp

DFB-Präsident Theo Zwanziger befürchtet die Abwanderung von Top-Stars aus der Fußball-Bundesliga. (© Foto: ddp)

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"Wenn man auf diese Art und Weise dazu beitragen will, dass wir künftig wieder in den Vorrunden ausscheiden, dann tut man vielen Millionen Fußballfans keinen Gefallen und beschädigt die Integrationskraft des Fußballs", sagte Zwanziger der Süddeutschen Zeitung. "Das Kartellamt gefährdet die internationale Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Fußballs, nicht nur bei den Klubs, sondern auch bei unseren Nationalmannschaften."

Die Bundesliga will von 2009 an ihre Fernseherlöse von derzeit 420 auf dann durchschnittlich 500 Millionen Euro pro Saison steigern. Diese Beträge hat der TV-Partner der Liga, der Münchner Medienunternehmer Leo Kirch, der Liga bis 2015 versprochen. Das Geschäft ist jetzt aber in Gefahr, da das Kartellamt in die Vermarktung der Fernsehrechte eingreifen will. Die Wettbewerbshüter wollen faktisch die Bundesliga-Berichterstattung am Samstag in der ARD-Sportschau festschreiben. Kirch und die Liga könnten keine alternativen TV-Modelle mehr anbieten, ein Preispoker um die Übertragungsrechte wäre nicht mehr möglich.

Kein Toni und kein Ribery mehr

Die kalkulierten Mehrerlöse blieben nach Ansicht von Zwanziger dann aus. "Wenn 80 Millionen Euro pro Saison in der Finanzplanung fehlen, dann muss überall gespart werden", äußerte der DFB-Chef. In der Liga drohe die Abwanderung von Spitzenspielern.

"Selbst der FC Bayern München könnte dann nicht noch einmal Top-Leute wie Franck Ribery und Luca Toni verpflichten." Das hätte Folgen für die ganze Liga. "Das spielerische Niveau wird schlechter, wenn die Stars abwandern." Auch die DFB-Teams würden den Eingriff des Kartellamtes zu spüren bekommen, glaubt Zwanziger. "Die Bundesliga ist eine zentrale Grundlage für die Nachwuchsförderung bei den Nationalmannschaften."

Der DFB-Präsident verweist auf die Nachwuchs- und Leistungszentren der Liga. "Ohne diese Grundlage können wir unsere Erfolge nicht beibehalten", sagt Zwanziger und nennt den dritten Platz der U 17 bei der Weltmeisterschaft 2007 und den Verstoß der U 19 ins Halbfinale der laufenden Europameisterschaft. Bei stagnierenden TV-Erlösen der Liga müsse auch das Vorhaben des DFB aufgegeben werden, die Zahl der eigenen Eliteschulen für den Nachwuchs von 20 auf 60 zu erhöhen. "Das wäre dann nicht mehr machbar."

Der Verband ist an den Einnahmen der Liga beteiligt. Der nunmehr gefährdete Vertrag zwischen Kirch und der Liga würde dem DFB drei Millionen Euro mehr pro Saison bringen. "Dieses Geld fehlt uns dann für gemeinnützige Zwecke wie die Nachwuchsförderung, den Bau von Bolzplätzen und die Förderung des Ehrenamtes", rechnet Zwanziger vor. Das Kartellamt solle die Folgen des geplanten Eingriffs bei der TV-Vermarktung des Liga bedenken. "Wenn an diesen Rädern gedreht wird, dann schlägt das auch auf den DFB durch."

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(sueddeutsche.de/buma)