Deutschlands Auslandsvermögen in New York und Paris Bundesbank holt 670 Tonnen Gold nach Frankfurt

Umstrittenes Edelmetall: Goldbarren im Tresor einer Bank

(Foto: Imago)

Deutschland hat sehr viel Gold, doch das meiste liegt im Ausland. Das ändert sich jetzt: Die Bundesbank lässt fast 700 Tonnen Gold künftig nicht mehr in Paris und New York lagern, sondern in Frankfurt - deutlich mehr als bisher bekannt. Damit kommt sie ihren Kritikern entgegen. Andere fragen, wozu Staaten überhaupt noch Goldreserven brauchen.

Von Bastian Brinkmann und Jannis Brühl

Mit 27 Milliarden Euro kann man eine Menge machen. Zyperns Banken vor dem Kollaps retten, oder mehrere Berliner Flughäfen bauen. Oder man legt sie in den Keller. Genau das hat die Bundesbank vor. Sie holt 674 Tonnen Gold aus den USA und Frankreich nach Deutschland. Damit lagert in Zukunft die Hälfte des Goldes der Bundesrepublik in Frankfurt.

Das Gold der Bundesbank löste große Diskussionen aus, denn sie lagert bislang den größten Teil im Ausland, in New York, Paris und London. Bundestagsabgeordnete wie Peter Gauweiler (CSU) fordern zunehmend, das Gold heimzuholen. Der Bundesrechnungshof mahnte zuletzt die Zentralbank, dass sie ihre Bestände besser kontrollieren müsse. Jetzt ändert die Bundesbank tatsächlich ihr Lagerkonzept.

Bis 2020 sollen schrittweise 300 Tonnen Gold aus der US-Zentralbank Federal Reserve und 374 Tonnen Gold aus Paris geholt werden. Das Gold hat insgesamt einen Marktwert von aktuell 27 Milliarden Euro.

Künftig wird Frankfurt am Main zum wichtigsten Aufbewahrungsort. Die Hälfte der Reserven wird dann in der Stadt lagern, in der die Bundesbank ihren Sitz hat. Bisher sind es 31 Prozent. In New York liegen noch 45 Prozent, dieser Anteil wird auf 37 Prozent sinken. Die Goldreserven in London umfassen 13 Prozent des Bestands und bleiben, wo sie sind. In Frankreich wird kein Gold mehr gelassen. Die dortigen Bestände könnten die Zentralbanker nicht mehr nutzen, um eine fremde Währung zu kaufen, begründete die Bundesbank die Entscheidung - in Paris gilt wie in Frankfurt der Euro.

Deutschland besitzt enorme Goldreserven, die zweitgrößten weltweit nach den USA. 3396 Tonnen zählte die Bundesbank zuletzt. Pro Kopf umgerechnet besitzt jeder Bundesbürger demnach etwas mehr als 40 Gramm Gold, was im Moment fast 1700 Euro wert ist.

Dass das deutsche Gold - wie das anderer Länder - auch im Ausland liegt, hat zwei Gründe: In der Nachkriegszeit nahm das Wirtschaftswunderland Deutschland durch den Export viele Dollar ein. Die konnte es bei der US-Zentralbank Fed eintauschen, gegen Forderungen nach Gold. Zudem herrschte während des Kalten Krieges Furcht, die Auseinandersetzung zwischen Ost und West könnte eskalieren. Frankfurt lag nur knapp 130 Kilometer von der innerdeutschen Grenze entfernt - in den Augen mancher zu greifbar für Soldaten des Ostblocks. Deshalb liegt bis heute so viel Gold der Bundesrepublik tief unter Manhattan, hinter meterdicken Wänden in den Katakomben der Fed. (Mehr zum New Yorker Tresorraum lesen Sie hier.)