Titel verteidigt: Trotz massiver Einbrüche haben die deutschen Exporteure mit einem Rekordumsatz ihre Spitzenposition verteidigt - doch die Aussichten sind düster.
"Die Finanzmarktkrise ist endgültig im deutschen Außenhandel angelangt", sagte der Präsident des Exportverbandes BGA, Anton Börner, am Montag. Die Unternehmen verkauften im abgelaufenen Jahr Waren im Wert von 992,7 Milliarden Euro ins Ausland und verfehlten knapp die angepeilte Billionengrenze, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Das bisherige Rekordniveau von 2007 wurde damit um 2,8 Prozent übertroffen. Das war aber der geringste Zuwachs seit 2003.
Warenumschlag am Hamburger Hafen: Noch ist Deutschland Exportweltmeister, doch 2009 wird wohl China das Rennen machen. (© Foto: dpa)
Anzeige
"Nach einem großartigen Start mit Wachstumsraten im zweistelligen Bereich brach der Außenhandel zum Jahresende ein", betonte BGA-Chef Börner. So schrumpften die Ausfuhren in die Europäische Union - wohin fast zwei Drittel der Exporte gehen - im Dezember um fast 13 Prozent.
Trotzdem wurde Deutschland nach Berechnungen der Welthandelsorganisation WTO zum sechsten Mal in Folge Exportweltmeister. Der Vorsprung auf China sei aber auf 35 Milliarden Dollar geschmolzen, sagte WTO-Chefvolkswirt Patrick Low. 2007 waren es noch 105 Milliarden Dollar.
Fahrzeuge und Maschinen deutlich weniger gefragt
Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) sieht in diesem Jahr erstmals China vorn. "Der Wachwechsel kommt", sagte DIHK-Außenhandelschef Axel Nitschke. Im Dezember schrumpften die Exporte noch einmal um 3,7 Prozent zum Vormonat, nachdem es erst im November mit 10,8 Prozent das größte Minus seit der Wiedervereinigung gegeben hatte. "Der Tiefpunkt ist damit noch nicht erreicht", sagte DIHK-Experte Nitschke. "Anfang des Jahres geht es noch weiter nach unten."
Vor allem die sinkende Nachfrage nach den Exportschlagern Fahrzeuge und Maschinen dürften die Ausfuhren zum ersten Mal seit 1993 schrumpfen lassen. Bislang ging der DIHK von einem Minus von einem Prozent für 2009 aus. "Es gibt Hinweise darauf, dass sich diese Prognose nicht halten lässt", sagte Nitschke.
Allein die Ausfuhren nach Russland - dem bislang am schnellsten wachsenden Auslandsmarkt - dürften um ein Fünftel einbrechen. Grund seien sinkende Rohstoffeinnahmen Russlands.
Stärkster Rückgang seit 1991
Der Exportverband BGA befürchtet für 2009 ein Umsatzminus von bis zu sechs Prozent. Auf ein schwieriges Jahr deutet vor allem die Auftragsentwicklung in der exportabhängigen Industrie hin. Sie musste im Dezember den stärksten Auftragsrückgang seit 1991 hinnehmen. Das Verarbeitende Gewerbe erlitt im Dezember zugleich den größten Umsatzeinbruch seit der Wiedervereinigung. Die Einnahmen schrumpften zum Vorjahresmonat real um 12,6 Prozent, im Gesamtjahr 2008 lag das Minus bei 0,2 Prozent.
Die Industrie blickt äußerst pessimistisch in die Zukunft und erwartet 2009 deutliche Produktionskürzungen und sinkende Gewinne. Wie aus einer Umfrage der KPMG-Wirtschaftsprüfer unter rund 500 Firmen hervorgeht, wollen diese massiv Arbeitsplätze streichen und ihre Investition kürzen.
Rund 41 Prozent der Befragten rechnen binnen Jahresfrist mit einer schrumpfenden Produktion, nur jeder Vierte erwartet eine Ausweitung. 43 Prozent der Befragten erwarten aufgrund des Auftragsrückgangs und der sinkenden Kapazitätsauslastung einen Abbau von Arbeitsplätzen, nur neun Prozent rechnen auf Jahressicht mit Neueinstellungen.
Wegen des schwachen Exportgeschäfts sagen Fachleute für das vierte Quartal 2008 den stärksten Konjunktureinbruch seit der Wiedervereinigung voraus. Erwartet werde ein Rückgang des Bruttoinlandsproduktes von zwei Prozent zum Vorquartal, sagte Unicredit-Experte Alexander Koch. Das bislang stärkste Minus gab es zu Jahresbeginn 1993 mit 1,2 Prozent. Das Statistische Bundesamt veröffentlicht am Freitag seine Schätzung.
(sueddeutsche.de/Reuters/mel)
Single Awareness Day
Deine VWL Buecher. Sorry, aber es macht keinen Sinn was Du schreibst. Wenn in D produziert wird und das Gut exportiert wird, fliesst Geld nach D, davon werden Steuern bezahlt, Loehne, neue Produktionsgueter, Innovationen usw. Die Exporte werden doch nicht in die Welt verschenkt. Bitte, mal Dir das nochmal auf mit dem Gueter- und dem Geldfluss, manchmal mal ich mir auch die T-Konten auf wenn ich was nicht gleich blicke, aber denk dran, die Bilanz geht immer auf am Ende wenn Du es richtig gemacht hast.
Es ist das Ungleichgewicht die Exporte sind viel mehr als die Importe und jedes JAhr wird es mehr.
Da ist ja klar, dass immer weniger im Land bleibt, denn die Devisen werden im Ausland investiert.
Import, das lässt unsere Volkswirtschaft ausbluten.
@Expat
Sie sagten damals Sie hätten es verstanden, aber wahrscheinlich wollten sie bloß ihre Ruhe lol.
Ne, ich denke Coffeeshop meinte den Beitrag des Chefsvolkswirts des sued-cafes, rudi321. Der gute Rudi panikiert noch immer dass Erfolg auf dem Weltmarkt Deutschland ausbluten laesst, warum und wieso auch immer er darauf kommt, das hat sich mir selbst nach laengerem hin und her vor einiger Zeit per PNs nicht erschlossen und wird wohl rudi's Geheimnis bleiben.
Da war ich wohl zu schnell. So wie es da steht ist es in der Tat falsch...
Paging