Ein Testkäufer entdeckt in einem Secondhandladen des DRK eine gefälschte Handtasche, die Hilfsorganisation soll zahlen. Doch nun knickt Louis Vuitton ein.
Hosen, Shirts, Strümpfe: Im Secondhandladen des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) Marburg finden all jene Menschen günstig gebrauchte Kleidung, die sich Neuware nicht leisten können. Einem Testverkäufer des französischen Luxusherstellers Louis Vuitton fiel auf der Suche nach Plagiaten just dort eine nachgemachte Handtasche in die Hände - für drei Euro. Die Forderung des Konzerns: 2000 Euro für Anwaltskosten sowie 600 Euro für den Testkauf. Nun rudern die Franzosen zurück - und verzichten auf das Geld, wie der Konzern am Dienstagmorgen mitteilte. Im Interview erklärt Rudolf Kittel, DRK-Geschäftsführer beim Kreisverband Marburg, wie es zum Plagiat-Alarm im Secondhandshop kam - und wie es nun weiter geht.
Ein Schnäppchen für drei Euro: Ein Testkäufer des französischen Luxushersteller Louis Vuitton fand in einem DRK-Secondhandshop eine nachgemachte Handtasche, die Organisation sollte zahlen. (© Montage: sueddeutsche.de; Fotos: ddp, Getty)
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sueddeutsche.de: Herr Kittel, bei Ihnen im Rot-Kreuz-Laden gibt es eine nachgemachte Louis-Vuitton-Tasche für drei Euro. Ist das Deutsche Rote Kreuz eine Fälscherbande?
Kittel: Nein, mit Sicherheit nicht. Ich wusste gar nicht, welche Probleme man bekommen kann, wenn man einen DRK-Secondhandshop führt. Als der Brief vom Rechtsanwalt kam, habe ich mich ziemlich hilflos gefühlt. Noch hilfloser bin ich geworden, als ich von meinem Justitiar hörte, dass ich keine Anzeige erstatten sollte. Ich sollte die Unterlassungserklärung unterschreiben.
sueddeutsche.de: Und Sie wollten nicht unterzeichnen?
Kittel: Mir hat es nicht gepasst. Ich möchte auch andere auf das Problem mit den Plagiaten hinweisen und darauf, was passieren kann. Wir sind ja nicht der einzige DRK-Kleiderladen, allein in Hessen haben wir zehn oder 15 weitere, bundesweit gibt es Hunderte, die das möglicherweise auch betreffen könnte.
sueddeutsche.de: Was für Plagiate haben Sie denn sonst noch im Angebot?
Kittel: Das kann ich doch gar nicht wissen. Das ist ja mein Problem. Wir haben zirka zwölf bis 15 ehrenamtliche Damen, und auch die können Plagiate nicht erkennen - obwohl es Frauen sind, die ja von Textilien bestimmt mehr verstehen als ich. Ich habe den Namen Vuitton oder wie er heißt vorher noch nie gehört.
sueddeutsche.de: Gefälschte Adidas-Shirts und Puma-Trainingsjacken lassen sich aber doch bestimmt auch in anderen Secondhandläden finden.
Kittel: Adidas, Lacoste und Boss - das ist ja nur die Spitze des Eisberges. Es gibt vielleicht Hunderte oder Tausende Marken, die auch noch geschützt sind. Ich weiß nicht, wer das alles erkennen soll.
sueddeutsche.de: Sind Wohlfahrtsorganisationen für gefälschte Produkte besonders anfällig, weil es viel zu wenig freiwillige Helfer gibt, die Original und Fälschung auseinanderhalten können?
Kittel: Man kann das Problem nicht am DRK festmachen. Auch andere Wohlfahrtsverbände haben die Aufgabe, sich um arme Menschen zu kümmern und diese Not ein bisschen zu lindern. Und auch kirchliche Einrichtungen wie die Diakonie und Caritas unterhalten ja Secondhandläden. Die Frage ist doch: Wo soll das mit den Markenrechten noch enden? Das möchte ich geklärt wissen.
sueddeutsche.de: Der französische Luxushersteller Louis Vuitton hat einen Rückzieher gemacht und verzichtet auf die zunächst geforderten 2600 Euro für Anwaltskosten und den Testkauf, es bleibt bei einem "Beschwerdebrief". Wie groß ist Ihre Erleichterung?
Kittel: Ich bin dankbar, dass uns die 2600 Euro nicht berechnet werden. Das ist ja jetzt amtlich.
sueddeutsche.de: Und wie geht es bei Ihnen weiter? Schon einmal darüber nachgedacht, den Laden ganz dichtzumachen, weil das Problem mit den Plagiaten nicht in den Griff zu bekommen ist?
Kittel: Sicherlich, weil ich das Risiko gar nicht tragen kann. Deshalb möchte ich es gerne weitergeben. Vielleicht gibt es ja eine Ausnahmeregelung für karitative Einrichtungen. Wir kaufen ja auch keine Ware ein, um sie anschließend zu verschleudern oder um Plagiate weiterzugeben. Wir bekommen gespendete Kleidung von Hausfrauen und Familien, die uns sagen: Die Sachen sind noch gut, gebt sie weiter an bedürftige Menschen.
sueddeutsche.de: Also würden strengere Kontrollen gar nicht ausreichen, um dem Plagiatsproblem Herr zu werden?
Kittel: Nein, ich kann Plagiate nicht ausschließen, wirklich nicht.
(sueddeutsche.de/hgn/cmat)
Großprojekte in Berlin
ja, das ist die Killerphrase, das Totschlagargument, gleich nach den Arbeitsplätzen.
Mit der gleichen perfiden Argumentation versucht ja auch die MI, die Privatkopie zu stigmatisieren.
Alles gelogen.
Oft genug kommen "die Fälschungen" ja vom selben Band.
man schaue sich die "hochwertigen" Designerstücke mal an, die oftmals keinen Duet "besser" sind wie Ramschware aus dem Wühlkorb der Discounter. Kein Wunder, Hersteller sind oft identisch.
Das auch "gefälscht" wird im Wortsinne, ist klar: die horrenden MArgen fordern das geradezu heraus. Aber selbst Fälhscer in Italien jammern: in den Billiglohnlöndern ist halt auch das Fälschen noch billiger.
Wie immer geht die Diskussion *völlig* an den Tatsachen vorbei. Denn das Problem sind weder Designerware noch Fälschung, sondern die perverse Kombination von Fertigen in $Billiglohnland und teuer verkaufen in $erstweltland.
Dass Medikamente gefälscht werden, ist traurigerweise wahr. Liesse sich aber leicht in den Griff bekommen, es müsste lediglich die geamte Kette zertifiziert und nachverfolgbar sein. Möglicherweise will das der eine oder andere Produzent gar nicht, sonst käme eventuell auf, dass die teuren Brausetabletten in der Schwabinger Apotheke hochoffiziellst aus Aisien stammen. Blöd, das.
DW
Was sollte mit dieser Fragestellung herausgefunden werden?
Geht es jetzt gegen die Arme-Leute-Läden, weil die ein paar Cents für jeden Gegenstand haben wollen um z.B. ihre Stromrechnung zu bezahlen?
Vermutlich denke ich nicht juristisch, aber ein Ort wo GESPENDETE Sachen an Arme weitergegeben werden ist KEIN Erwerbslokal und somit kein Platz für solche juristischen Tricks mit denen sich Vollkaufleute heutzutage herumquälen müssen!
Der übereifrige Schnüffler sollte einen Rüffel bekommen, anstatt einer weiteren Bürokratievorschrift - die dann wieder jemand benutzen kann um Armen einen Strick zu drehen!
Was eigentlich an der ganzen Sache am meisten stinkt, das sind die völlig überzogenen Rechtsanwaltskosten. Nach welchen Kriterien wurden die wohl berechnet ?
@SLH. "aber es ist vom Grundsatz her nicht viel anders"
Da Sie die Gefährdung durch gefälschte Lebensmittel, Medikamente und Werkzeuge ja selbst ins Spiel gebracht haben, muß ich Ihnen eine merkwürdige Gewichtung Ihrer Grundsätze bescheinigen, denn fahrlässige Gefährdung anderer ist doch wohl auch ein Grundsatz und bzgl. dieses Grundsatzes unterscheiden sich die Fälle auf's Schärfste, was Sie ja auch wissen, sonst wären Sie mit jenen Fällen ja auch gar nicht gekommen.
Also folgendes Schema: Gegenstand A fällt unter die Begriffe g und h, Begriff g interessiert kein Schwein, Begriff h hingegen schon. Gegenstände B, C und D fallen ebenfalls unter Begriff g, nicht aber unter Begriff h.
Dies benutzen wir nun, um die geistig Schwachen von der Gleichheit der Gegenstände A, B, C und D zu überzeugen und anschließend das nicht Fallen unter Begriff h (wie harmlos) von B, C, D auf A entgegen der anfangs gemachten Voraussetzung zurückzuübertragen.
Es ist schon beleidigend, wenn jemand so argumentiert.
Weil es auch schwer ist etwas gegen die Großhändler in Fernost zu unternehmen.
Ich glaube schon, dass die etwas dagegen zu unternehmen versuchen -wobei das z.Z. effektivste noch die Kontrolle von Importen ist.
So far so sad :
Paging