Deutscher Mittelstand: Was macht eigentlich ... Annika Busse? "Wer eine etablierte Marke will, braucht uns nicht. Noch nicht"

Die Firma Beliya verkauft Taschen, die Gutes tun. Ein Gespräch mit der Mitgründerin Annika Busse darüber, wie man mit Produkten Kindern in Afrika den Schulbesuch, Bücher oder das Mittagessen finanzieren kann.

Von Elisabeth Dostert

Beliya

(Foto: )

Was machen Sie eigentlich?

Schöne Taschen und Accessoires, die Gutes tun.

Was "tun" denn Ihre Taschen Gutes?

Sie ermöglichen Kindern in Afrika ein Jahr den Schulbesuch. Oder aus den Erlösen werden Schulbücher gekauft oder das Mittagessen bezahlt.

Wer wählt denn die Kinder aus?

Wir arbeiten mit zwei gemeinnützigen Vereinen, Burundikids und Nehemia, und der Stiftung Steps for Children zusammen, die fünf Schulen in Namibia unterstützt.

Wie viele Kinder unterstützen Sie?

Bereits mehr als 500 in Tansania, Burundi und Namibia.

Die Firma

Beliya GmbH

  • Sitz: Hamburg
  • Gegründet: September 2012
  • Gründer und Geschäftsführerinnen: Andrea Noelle, 36, und Annika Busse, 35

Eine Ihrer teuersten Tasche, das Modell Believe kostet 299 Euro. Wie viel landet davon beim Kind?

Im Schnitt etwa die Hälfte der Erlöse, auf die Produktion, den Vertrieb und ein kleines Gehalt für unser Team entfällt der Rest. Das Leder bekommen wir von Polstermöbelherstellern oder namhaften italienischen Designerfirmen günstig.

Von wem genau?

Das darf ich nicht verraten.

Wie viele Taschen haben Sie seit der Gründung im Jahr 2012 verkauft?

Mehr als 3000. Das ist nicht schlecht, wir verkaufen die Taschen ja hauptsächlich über unseren Online-Shop. Aber es müssen noch mehr werden.

Beliya macht noch keinen Gewinn?

Nein. Aber wir haben gerade unsere erste Mitarbeiterin eingestellt und eigene Büros bezogen.

Wann wollen Sie Gewinn machen?

In vier, fünf Jahren. In der Mode muss man einen langen Atem haben. Es gab auch schon einen größeren Fonds, der bei uns einsteigen wollte. Aber wir wollen es alleine schaffen. Dann dauert es eben länger.

Wie viel von Ihren Ersparnissen steckt hier drin?

Etwa 10 000 Euro.

Wovon leben Sie, wenn für Sie sich selbst nur ein kleines Gehalt zahlen?

Wir haben noch andere Jobs.

Welche?

Wir beraten andere Unternehmen.

Hatten Sie früher einen gut dotierten Job?

Ja, ich habe unter anderem für Beiersdorf gearbeitet.

Warum haben Sie den Job aufgegeben?

Andrea und ich wollten immer gründen, schon während des BWL-Studiums in Lüneburg. Ich habe meine Doktorarbeit über Mikrokredite geschrieben. Wir haben in den Projekten, die wir untersucht haben, gesehen, wie wichtig Bildung ist. Bildung ist der Schlüssel zu allem. Das hat uns über die Jahre nicht losgelassen. Dann haben wir nebenberuflich die Taschen produziert, aber irgendwann mussten wir uns entscheiden - entweder wir machen es jetzt richtig oder wir lassen es.

Hatten Sie ein schlechtes Gewissen als "tüchtiges Mitglied" der Konsumgesellschaft?

Nein. Ich hatte auch mit Unternehmertum bis dahin nichts zu tun. Es ist doch das Beste was man machen kann, die eigenen Ideen umzusetzen und das eigene Unternehmen voranzutreiben. Die Höhen und Tiefen sind eine Bereicherung. Ich bin mein eigener Herr. Wenn man dann noch etwas Nachhaltiges tut, ist das umso befriedigender.

Was haben Ihre ehemaligen Kollegen gesagt als Sie ankündigten, dass Sie jetzt ein "guter Mensch" sein und Taschen verkaufen wollen, über die Schulbesuche finanziert werden?

Die fanden das ganz phantastisch und mutig. Man muss an das glauben, was man tut. Als Unternehmer ist man doch ständig im Einsatz, das kann man nur mit allergrößtem Herzblut tun und nur so kann man es auch etwas Nachhaltiges schaffen. Für uns sind Firmen wie Toms Shoes von Blake Mycoskie Vorbilder, für jedes verkaufte Paar Schuhe bekommt ein armes Kind eines geschenkt. Toms Shoes ist mittlerweile eine international bekannte Marke.

Haben Sie ihre Entscheidung bereut?

Nie, es geht gut voran. Letztes Jahr haben wir den Marketing-Preis der Stadt Hamburg gewonnen. Daraufhin hingen riesige Plakate in der ganzen Stadt mit unseren Taschen, das war der unglaublichste Moment meines Lebens.

Waren Sie schon mal in Namibia?

Noch nicht in unserem Projekt, darum fliegen wir jetzt im März und besuchen die Schulprojekte in Okakarara, Otavi und Rehoboth.

Ein Jahr Schule ist schön für die Kinder, noch schöner ein Schulabschluss. Was, wenn Ihre Taschen sich nicht mehr verkaufen; müssen die Kinder dann die Schule verlassen?

Die Erlöse sind ja nur ein Teil der Finanzierung. Wir sind nicht die einzigen Förderer, unsere Partner bekommen auch von anderen Unterstützern Geld.

Wer sind Ihre Kunden?

Frauen mit einem höheren Bildungsabschluss, die unabhängig sind, mit einem gewissen modischen Gespür, die sich ein, zwei Taschen im Jahr gönnen. Frauen, die einen Sinn für Nachhaltigkeit und Soziales haben. Luxus-Markenkäuferin finden sich weniger darunter. Wenn ich nur Louis Vuitton kaufe, werde ich mir höchstwahrscheinlich keine Beliya-Tasche zulegen. Wer eine etablierte Marke will, braucht uns nicht. Noch nicht.

Was machen Sie, wenn es schief geht?

Etwas anderes, ich bin ja qualifiziert. Das glaube ich aber nicht. Wir hatten neulich schon das Angebot, ein weiteres Startup aufzubauen.

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