Deutscher Biermarkt in der Krise Na dann Prost

Die Deutschen waren mal Weltmeister im Biertrinken. Das ist lange her. Der Konsum sinkt immer stärker - und damit die Umsätze der Brauereien. Wie Großkonzerne und kleine Nischenanbieter um jedes Glas kämpfen.

Von Caspar Busse

Natürlich gibt es hier Bier zum Mittagessen, am liebsten direkt aus der Flasche. Es ist zwar alkoholfrei, aber die Mitarbeiter in der Kantine der Beck's-Brauerei in Bremen haben immerhin die Wahl zwischen Beck's Blue, Beck's Green Lemon und Franziskaner Weißbier. Auf dem Dach des seltsam eckigen Bürogebäudes aus den 70er-Jahren an der Weser leuchtet im Nieselregen in weiß-orange stolz der Schriftzug: "AB Inbev". Vor genau zehn Jahren hat der weltgrößte Bierkonzern Beck's übernommen, der Absatz der Traditionsmarke hat sich zwischenzeitlich mehr als verdoppelt, auch dank neuer Produkte wie Beck's Gold.

Dabei ist der deutsche Biermarkt in der Krise, viele der immer noch mehr als 1300 Braustätten in Deutschland haben zu kämpfen. Der Konsum geht kontinuierlich zurück. Anfang der Neunzigerjahre trank jeder Deutsche im Durchschnitt noch mehr als 140 Liter Bier, das ist vorbei. "Auch in diesem Jahr wird der Bier-Konsum in Deutschland weiter in Richtung hundert Liter pro Kopf sinken, und das bei einer rückläufigen Bevölkerungsentwicklung", klagt Steve McAllister, von Januar 2014 an neuer Deutschland-Chef bei Anheuser-Busch Inbev. Der Wettbewerb auf dem schrumpfenden Markt ist hart. Die Folge: Ein enormer Preiskampf, die großen Handelsketten bieten einen Kasten Bier oft für zehn Euro an, der Preis ist seit 15 Jahren unverändert. Gleichzeitig steigen die Kosten für Rohstoffe, Transport, Energie und die Löhne der Mitarbeiter.

In der Nation der Biertrinker kommt Alkohol aus der Mode

Dabei gilt Deutschland als Nation der Biertrinker. Hier wird so viel Bier getrunken wie in kaum einem anderen Land, hier gilt das Reinheitsgebot. 2012 setzten die Brauereien immer noch rund 96 Millionen Hektoliter Bier ab. Bier ist Kulturgut. Doch Alkohol kommt auch aus der Mode, Gesundheit steht hoch im Kurs, immer mehr Gasthäuser schließen. Manche Suchtexperten plädieren gar für eine Einschränkung des Alkoholverkaufs. Das spüren viele Brauer schmerzlich, vor allem die, die auf Masse und niedrige Preise setzen. Gerade musste die Privatbrauerei Iserlohn wegen drohender Zahlungsunfähigkeit Insolvenz anmelden. Viele kämpfen um die Existenz - aber nicht alle. Die Großen wie AB Inbev sind international im Geschäft. Zum Beispiel Beck's: Jede Minute werden weltweit knapp 3000 Flaschen Beck's getrunken, rechnet die Firma vor.

Und dann gibt es da die kleinen Anbieter, die in einer Nische Erfolg haben.

Mehr als 800 Kilometer von Bremen entfernt findet sich in Tuntenhausen bei Rosenheim die Schlossbrauerei Maxlrain. Seit 1636 wird hier Bier gebraut. Das malerische Schloss hat Zwiebeltürme, es gibt eine Schlosswirtschaft und ein Bräustüberl mit Aussicht auf die oberbayerischen Berge. "Wir wachsen jedes Jahr zwischen vier und zehn Prozent", sagt Erich Prinz von Lobkowicz, dem zusammen mit seiner Familie die Brauerei gehört. "Unserainer trinkt Maxlrainer" ist das Motto.

Produziert werden weniger als 100.000 Hektoliter im Jahr. "Wir machen einen angenehmen Gewinn", sagt Lobkowicz. Das eigentliche Problem seien eher Produktionsengpässe. Er liefert sein Bier vor allem nach Oberbayern, an Gaststätten und Getränkehändler im Umkreis von 30 Kilometer, und in den Großraum München. Aber ein steigender Anteil - inzwischen fast 20 Prozent - geht in den Export, nach Südtirol, Mailand, Triest, auch nach Moskau und China.