Von Guido Bohsem

Für angehende Ärzte gibt es durchaus eine Nachfrage, nicht nur deutsche Kliniken suchen. Warum es den Medizinern eigentlich nicht schlechtgeht - und sie dennoch wissen, dass die beste Zeit vorbei ist.

Wer in diesem Sommer der tiefsten Wirtschaftskrise in der Geschichte der Bundesrepublik das Abitur macht, muss mit Sorgen in die Zukunft schauen. Die Arbeitslosigkeit steigt, die Einkommen sinken. Für eine Wahl gilt das nicht, zumindest nicht auf den ersten Blick: für das Medizinstudium. Trotz der angespannten Finanzlage im Gesundheitssystem und trotz der leeren Kassen der Krankenhäuser gibt es für angehende Ärzte durchaus eine Nachfrage. Und nicht nur deutsche Kliniken suchen. Auch das Ausland lockt gut ausgebildete deutsche Mediziner.

Operationssaal, Foto: AP

In Deutschland sind zurzeit fast 315.000 Mediziner tätig. (© Foto: AP)

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Trotz des Sparwillens der Politik wächst die Zahl der Ärzte jedes Jahr; und da gleichzeitig auch immer mehr Geld in das Gesundheitswesen gesteckt wird, wird nicht einmal die Konkurrenz so viel härter, wie man erwarten könnte. War 1975 ein Mediziner für 524 Deutsche zuständig, so musste sich ein Arzt 2007 nur noch um 261 Menschen kümmern. Horst Seehofer sprach Anfang der 90er, als 240.000 Mediziner in Deutschland arbeiteten, schon von einer Ärzteschwemme. Heute gibt es sogar knapp 315.000 Mediziner, also 31 Prozent mehr.

Ein Beruf, etliche Chancen

Auch die Einkommen vieler Ärzte sind immer noch hoch. Im Durchschnitt verdient ein Mediziner nach Abzug aller Kosten und vor Steuern rund 120.000 Euro. In Hintergrundgesprächen schwärmt Andreas Köhler, der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, gerne davon, dass es kaum einen Beruf gibt, der so viele Chance bietet wie der des Mediziners. Vom gesellschaftlichen Ansehen ganz zu schweigen: Noch finden sich die Ärzte auf einem der Spitzenplätze der beliebtesten Berufe. Doktor in Deutschland - ein Traum?

Doktor in Deutschland - ein Albtraum: Aus dem Lager der organisierten Ärzteschaft mehren sich die Klagen. Fragt man etwa eben diesen KBV-Chef Köhler, so muss einem der Ärztemangel in Deutschland große Sorgen bereiten. Im Osten und auch in ländlichen Gebieten des Westens suchen alteingesessene Hausärzte händeringend Nachfolger für ihre Praxen. Kaum jemand ist nach langen Jahren des Studiums und der Ausbildung bereit, sich auf ein Leben auf dem Land einzustellen, abseits der kulturellen Angebote, des gesellschaftlichen Umfelds und der guten Schulen für die Kinder. Zumal auch der Verdienst auf dem Land niedriger ist, weil gerade dort die Zahl der Privatpatienten geringer ist als in den Städten.

Viel Ärger mit dem Reformwerk

Mit der Honorarreform sollte das besser werden. Doch verursachte das Reformwerk unter den Medizinern mehr Ärger als Erleichterung, weil zwar die Ostärzte mehr verdienen, aber viele Fachärzte im Westen mit hohen Umsatzeinbußen rechnen müssen. Der Chef der Bundesärztekammer, Jörg-Dietrich Hoppe, beklagte am Dienstag auf dem Ärztetag in Mainz: Nie zuvor sei die Demotivation unter den Ärzten so groß gewesen wie heute. "Man dreht uns den Hahn zu und macht uns für die Trockenheit verantwortlich. Das geht nicht."

Die Kliniken, so Hoppe, könnten rund 4000 Ärztestellen nicht besetzen, weil sie die Mittel nicht hätten. Weil das Budget so eng geschnitten ist, verrichten die ambulant tätigen Kollegen nach Aussagen der Ärztevertreter rund 30 Prozent ihrer Arbeit umsonst. Auf dem Rücken der Mediziner habe es in den vergangenen Jahren eine beispiellose Sparpolitik gegeben, die den Beruf des Arztes immer unattraktiver mache und die Suche nach Nachwuchs erschwere.

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