Die Justiz schaltet sich in die Affäre um Bespitzelung von Aufsichtsräten der Deutschen Telekom und Journalisten ein: Die Staatsanwaltschaft hat die Zentrale des Unternehmens in Bonn durchsucht. Bereits Anfang der Woche ist ein Ermittlungsverfahren gegen die Telekom eingeleitet worden.

Die Justiz schaltet sich in den Abhör-Skandal bei der Deutschen Telekom ein: Die Konzernzentrale des Unternehmens ist am Donnerstag von Beamten der Staatsanwaltschaft durchsucht worden.

Bereits im Jahr 2000 soll die Telekom Journalisten und eigene Aufsichtsräte bespitzelt haben. (© Foto: AP)

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Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte, seit dem Morgen gebe es "Ermittlungsmaßnahmen" bei der Telekom. Die Staatsanwaltschaft habe das Ermittlungsverfahren bereits "im Laufe der Woche" eingeleitet.

Die Deutsche Telekom soll nach einem Medienbericht viel früher als bisher bekannt Spitzelaufträge erteilt haben, um Informanten aus dem Konzern auf die Schliche zu kommen. Wie die Financial Times Deutschland (FTD) berichtet, erteilte das Unternehmen dazu bereits im Jahr 2000 Aufträge.

Diesen Spitzelauftrag 2000 habe ein Mitarbeiter vergeben, der später zum Leiter der Telekom-Konzernsicherheit aufgestiegen sei. Unklar ist nach Angaben der Zeitung aber, in wessen Auftrag er gehandelt habe. Vorstandschef war damals Ron Sommer.

Für den Spitzelauftrag 2000 wurde nach Informationen der Zeitung die Berliner Control Risks Group (CRG) als Partner gewählt. "Wir haben dazu nichts in unseren Unterlagen gefunden. Wenn es so gewesen sein sollte, wäre das ein klarer Verstoß gegen sämtliche internen Ethikrichtlinien", sagte Jürgen Stephan, seit 2003 CRG-Geschäftsführer.

Die gesamte Abteilung Corporate Investigations sei Anfang des Jahrzehnts ausgetauscht worden. Control Risks habe interne Untersuchungen eingeleitet und nehme die Vorwürfe sehr ernst, sagte Stephan laut Angaben der FTD.

Private Fahnder mit versteckter Kamera

Nach weiteren Angaben des Blattes suchte das Subunternehmen für den ehemaligen Staatskonzern die von Ex-Geheimdienstlern gegründete Berliner Wirtschaftsdetektei Desa nach einem Leck bei der Telekom. Im Visier habe dabei unter anderem ein Reporter der FTD gestanden. Ein Konzernsprecher sagte, der Fall sei dem Unternehmen nicht bekannt.

Wie das Hamburger Wirtschaftsblatt weiter berichtete, seien die Methoden weit über das für die Jahre 2005 und 2006 bekannte Auswerten von Telefonverbindungen hinausgegangen. Die privaten Fahnder versuchten sogar, mit versteckter Kamera Hinweise auf die Kontaktperson des Reporters zu finden. Dies lege nahe, dass die Telekom jahrelang ein Spitzelsystem gegen Journalisten und ihre Spitzenkräfte unterhalten habe, resümierte das Blatt.

Unterdessen stellte sich der Aufsichtsrat der Telekom in der Spitzelaffäre hinter Konzernchef Rene Obermann. Das Kontrollgremium unterstütze Obermanns Kurs der Aufklärung, sagte ein Sprecher der Telekom nach einer fünfstündigen Sitzung des Aufsichtsrats am Mittwochabend in Bonn. Dies gelte für die Maßnahmen, die der Telekom-Chef in den letzten "Tagen, Wochen und Monaten" eingeleitet habe.

Obermann habe bereits gehandelt, als ihm im Sommer 2007 eine erste Bespitzelung eines Journalisten im Konzern bekannt geworden sei. Der Telekom-Chef habe darauf hin unter anderem den Sicherheitschef des Konzerns entlassen.

Der Telekom-Sprecher verteidigte die Entscheidung, damals nicht die Staatsanwaltschaft oder die Öffentlichkeit zu informieren. Der Konzern habe vor einem Jahr unter anderem wegen eines Streiks vor einer Zerreißprobe" gestanden. Eine "schnelle Aufklärung" wäre damals vor dem Hintergrund einer öffentlichen Debatte nicht möglich gewesen.

In Ruhe prüfen

Der Sprecher verteidigte auch, dass der Konzern jüngst die Öffentlichkeit erst über eine Woche nach dem Erstatten einer Anzeige bei der Staatsanwaltschaft über die Affäre informiert hatte. Die Anklagebehörde hätte die Vorwürfe sonst nicht in Ruhe prüfen können, sagte er.

Der Konzern hatte am Wochenende eingeräumt, dass zwischen 2005 und 2006 mindestens ein Jahr lang Telefondaten ausspioniert worden sind. Im Konzernumfeld hieß es, dass es dabei wohl vor allem um Kontakte von Aufsichtsräten zu Journalisten ging, möglicherweise auch von Managern. Nach Angaben des Wirtschaftsmagazins Capital wurde einer der Redakteure des Blattes ausgespäht. "Der Verlag Gruner + Jahr sowie die Capital-Chefredaktion haben Maßnahmen zur Aufklärung des Sachverhalts ergriffen", teilte die Chefredaktion mit. "Entsprechende straf- und zivilrechtliche Schritte behalten wir uns ausdrücklich vor."

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(sueddeutsche.de/dpa/woja/gal/mel)