Die Telekom legt für 2007 passable Zahlen vor, die sie vor allem ihrem rigiden Spardiktat verdankt. Der Konzern muss schneller und fitter werden - die Weichen dafür hat Konzernchef René Obermann gestellt. Mehr nicht.
Die Präsentation der Bilanzzahlen für die Deutsche Telekom enthielt viel Voraussehbares: Der vorgelegte Umsatz (62,5 Milliarden Euro) entsprach exakt den Erwartungen, während der interne Gewinn (19,3 Milliarden Euro) leicht über den Prognosen der Experten lag. Allerdings dürfte die Telekom zuvor auch etwas tief gestapelt haben, indem sie mit 19 Milliarden Euro eine defensive Prognose abgegeben hatte.
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Künftige Aufgaben
Für das Jahr 2007 erfüllte Telekom-Chef René Obermann insofern das Soll. Dass er dieses verfehlen könnte, hatte indes auch niemand erwartet. Wichtiger war, herauszuhören, wie sich die Telekom den künftigen Aufgaben stellen will.
Die Herausforderungen sind dabei gewaltig, denn es gibt wohl kaum einen Konzern, bei dem Chancen und Risiken so nah beieinander liegen wie bei dem Ex-Monopolisten.
In der Konzernsparte T-Home, die im Wesentlichen das Festnetz umfasst, gibt es inzwischen einen hart umkämpften Wettbewerb um die Bereitstellung von Breitbandanschlüssen. Gleichwohl liegen hier Chancen für T-Home, auf die der Konzern auch dringend angewiesen ist. Denn bei den Schmalbandanschlüssen (analoge Telefon- und ISDN-Leitungen) laufen der Telekom weiterhin die Kunden davon - 2,1 Millionen waren es allein 2007.
Geld in die Hand nehmen
Ob Obermann einen ähnlichen Exodus im Breitbandbereich kompensieren kann, bleibt fraglich. Immerhin gewann die Telekom im Jahr 2007 über zwei Millionen Breitbandkunden hinzu. Der Wettbewerb in diesem Markt wird zunehmend härter - die Telekom muss also Geld in die Hand nehmen, um ihre bislang gute Stellung zu behaupten. Entsprechende Ankündigungen Obermanns sind da nur folgerichtig.
Im Mobilfunk ist der europäische und deutsche Markt so gesättigt, dass die Telekom in ihrer Sparte T-Mobile hier keine großen Umsatzsprünge erwarten kann. Für Dynamik sorgt allein der US-Markt, wo die dortige Tochter T-Mobile USA im vergangenen Jahr mehr als drei Millionen neue Kunden hinzugewann und somit der wichtigste Umsatztreiber für die Telekom war.
Konjunkturdelle in USA
Allerdings verliert die US-Konjunktur an Schwung. Ob die Telekom ihr rasantes Wachstum fortsetzen kann, ist also fraglich. Doch es bestehen Hoffnungen, da sich der Mobilfunkmarkt von Konjunkturdellen in der Regel verhältnismäßig unbeeindruckt zeigt. Die von Obermann für T-Mobile USA im laufenden Jahr angekündigten Investitionen machen also Sinn.
Den hohen Investitionsbedarf im Breitband- und Mobilfunkgeschäft wird die Telekom aber schultern können, wenn der Konzern an anderer Stelle an der Kostenschraube dreht.
Der Telekom-Chef weiß dies, und er stellte sich dieser Herausforderung mit Verve, indem er beispielsweise 50.000 Mitarbeiter in eine neue - schlechter dotierte - Servicegesellschaft auslagerte. Allein dies entlastet die Telekom um 800 bis 900 Millionen Euro pro Jahr.
Als Sparkommissar Standvermögen bewiesen
Insgesamt übertrafen die Einsparungen von 2,3 Milliarden Euro die angepeilten Kostensenkungen für 2007 von zwei Milliarden Euro deutlich. Das ausgegebene Sparziel von 4,7 Milliarden Euro bis 2010 hat der Konzern damit bereits zur Hälfte erfüllt und Obermann bewies als Sparkommissar Standvermögen.
Ein Sorgenkind Obermanns bleibt die Geschäftskundensparte T-Systems. Beständig sinken hier Umsatz und Ertrag - und so erwarteten etliche Beobachter, dass Obermann endlich einen geeigneten Käufer präsentieren würde. Erneut geschah dies nicht. Zwar kündigte der Telekom-Chef an, dass der Konzern in "sehr weit fortgeschrittenen Gesprächen" mit einem Interessenten stehe und davon ausgehe, "in Kürze eine Vereinbarung abschließen zu können". Doch es darf bezweifelt werden, dass diese Vereinbarung die Telekom von der als wettbewerbsschwach geltenden T-Systems gänzlich entlastet. Die Baustelle dürfte Obermann also erhalten bleiben.
Zwischenstation
Die Zahlen der Telekom für 2007 machten vor allem eins deutlich: Gemessen an der langen Wegstrecke, die Konzern-Chef Obermann noch vor sich hat, war das Jahr nur eine Zwischenstation. Um die durchaus bestehenden Chancen etwa im Breitband- oder Mobilfunkbereich zu nutzen, muss die Telekom weiterhin eisern sparen. Gleichzeitig sollte der Koloss schneller und fitter werden, indem er möglichst gute Leute in effizienten Strukturen zum Einsatz bringt. Erste Weichen in diese Richtung hat Telekom-Chef Obermann gestellt.
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(sueddeutsche.de/bgr)
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