Kein Wunder, dass es immer weniger Aktionäre gibt. Im Jahr 2000, auf dem Höhepunkt des Hypes, hatten rund 6,2 Millionen Aktionäre Einzelaktien von Unternehmen in ihrem Depot. Heute sind es gerade einmal noch 3,6 Millionen. Die Deutschen Privatanleger waren nach dem Crash scheu geworden. Und sie griffen nicht mehr zu, als die Kurse niedrig waren und Investments zu hohen Gewinnen geführt hätten. "Die Anleger haben viele Chancen liegen lassen in den letzten Jahren", meint von Rosen.
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Schauspieler und Sänger Manfred Krug warb erst für die T-Aktie - und entschuldigte sich knapp zehn Jahre später bei allen, die seiner Empfehlung gefolgt waren und enttäuscht wurden. (© ddp)
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Damit platzten aber auch alle Hoffnungen, die mit dem Projekt Volksaktie verknüpft waren - etwa die Hoffnung, dass breite Schichten an den Gewinnen der Unternehmen teilhaben und nicht nur wenige Reiche, und dass der Kapitalismus so für alle zum Erfolgsmodell wird.
Volksaktie? Frank Rothauge ist skeptisch, wenn er diesen Begriff hört. Der Aktienstratege der Berenberg Bank beobachtet die Telekom seit dem Börsengang. "Der Begriff Volksaktie war sicher zu hoch gegriffen", meint er. Die Aktie habe es aber immerhin geschafft, noch heute das Dividendenpapier zu sein, das unter Privatanlegern am weitesten verbreitet ist. Trotz der langen Kursmisere. Wer damals das Papier kaufte und es bis heute hielt, "hat an der Aktie etwas verdient", meint Rothauge. Denn die Telekom zahlte über die Jahre immer wieder gute Dividenden.
Derzeit liegt die Dividendenrendite bei knapp acht Prozent. "Das müssen Sie mit einem anderen Investment erst einmal erzielen", meint Heike Pauls, Analystin bei der Commerzbank.
Papier ohne Phantasie
Die Frage ist, was dem schwachen Kurs der Aktie mehr Auftrieb geben könnte. Große Fortschritte konnte Vorstandschef René Obermann in den vergangenen Monaten nur auf einem Feld vorweisen: bei der Kostenkontrolle. Die Anleger warten vergeblich auf frische Ideen und technische Innovationen, mit denen die Telekom sich im Wettbewerb ein Alleinstellungsmerkmal erobern kann. In diesen Disziplinen herrscht bei Deutschlands größten Technologiekonzern seit langem Flaute.
Edward Kozel, viele Jahre Vorstand beim US-Netzwerkausrüster Cisco, sollte das ändern. Mit großen Vorschusslorbeeren hatte er im Mai 2010 als Technik- und Innovationsvorstand bei der Telekom angefangen. Obermann hatte ihn als "angesehenen Experten mit ausgewiesenem Know-how und hervorragenden Führungsqualitäten" begrüßt. Doch nun, erst eineinhalb Jahre später, ist offensichtlich Schluss: Kozel will den Konzern verlassen. Der Amerikaner habe den Aufsichtsrat gebeten, seinen bis 2015 laufenden Vertrag vorzeitig zu beenden, meldet das Handelsblatt.
Kozels Abgang zeige, "dass es offensichtlich sehr schwierig ist, in der Telekom neue Geschäftsfelder zu etablieren", meint Analyst Rothauge. Mehr denn je jedoch ist das Unternehmen auf neue Ideen angewiesen. Denn mit dem geplanten Rückzug aus den USA wird die Telekom ein europäischer Konzern. Das begrenzt die Wachstumsperspektiven. Schon die Erwartungen auf stark wachsende Geschäfte in Südosteuropa sind bisher nicht aufgegangen.
Ohne Innovationen bleibt die T-Aktie ein Papier ohne Phantasie. Wie ein schrumpliger Luftballon, aus dem heiße Luft entwichen ist.
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(SZ vom 19.11.2011/aper)
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