Außen blitzt die Alufassade des Flachbaus, innen ist es zugig und im Sommer heiß. Hier stehen Sortiermaschinen für normale Briefe, für Großbriefe oder ungewöhnliche Formate. Ein Stück weiter sortieren andere Maschinen die Post bereits weitgehend für die Briefträger vor. Über Müllers Kopf rattern Förderbänder, bringen Kästen mit Briefen heran. Müllers Job hat sich immer mehr zu einem Fließbandjob entwickelt. "Die Maschine gibt das Tempo vor", sagt sie. Und im nächsten Jahr soll eine neue Großmaschine aufgebaut werden, die noch mehr kann. Dann werden erneut Jobs wegfallen. Und manch einer bei der Post träumt schon von einer Maschine, in welche man die gesamte Post einspeist und die am Ende automatisch gepackte Taschen für die Briefträger ausspuckt.

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Auch die Tätigkeit der Boten hat sich durch die Technik verändert. Wie viel Zeit ein einzelner Briefträger für seine Route hat - dies berechnet ein Computer nach einer komplizierten Formel, zu der unter anderem Wegezeiten, Verkehrsmittel und Lage gehören. Vorbei sind die Zeiten, als noch es noch Platz für einen Plausch gab - heute hetzen die Briefträger mit ihren Handwagen durch die Innenstädte oder mit dem Fahrrad über das Land.

Gestiegener Arbeitsdruck

Viele Boten klagen über den gestiegenen Arbeitsdruck. Einige kommen schon eine Stunde vor dem offiziellen Arbeitsbeginn um sechs Uhr, um ihre Taschen zu packen. "Weil die vorgesehene Zeit nicht reicht, machen sie unbezahlte Überstunden", sagt Michaela Frank. Auch sie will ihren richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen, weil sie Druck durch die Vorgesetzten fürchtet.

Frank verteilt in einem ländlichen Bezirk die Post; früher war sie für 600 Haushalte zuständig, heute sind es 950. Morgens wuchtet sie Posttaschen mit einem Gewicht von mehr als 200 Kilogramm auf ihr Fahrrad - und sie braucht regelmäßig länger für ihre Tour, als vom Computer vorgesehen. "Wer häufig Überstunden macht, der muss sich bei den Vorgesetzten rechtfertigen", sagt Frank. Dabei räumen die Manager selbst ein, dass die Boten kaum schneller arbeiten können.

Viele Beschäftigte im Briefbereich sehen sich als Opfer einer fehlgeschlagenen Strategie der Post. Seit der Privatisierung verfolgen die Manager mit Rückendeckung des Bundes einen klaren Kurs. Die schrumpfenden nationalen Brieferlöse sollten durch Gewinne aus dem weltweiten Logistikgeschäft kompensiert werden. Und so kaufte der Konzern in atemberaubender Geschwindigkeit mehr als 200 Firmen ein, darunter namhafte Adressen wie die Schweizer Spedition Danzas oder die britische Expressfirma DHL.

Die Konkurrenz formiert sich erneut

Aber die Rechnung ist bislang nicht aufgegangen. Zwar spielt die Post nun in der Liga der Logistikkonzerne ganz oben mit und verantwortet fünf Prozent des weltweiten Warentransports. Viel hat sie damit aber noch nicht verdient. Eher das Gegenteil. Zuletzt verbrannte sie durch den missglückten Einstieg in das US-Expressgeschäft sieben Milliarden Euro. Und nun zeigt sich in der Wirtschaftsflaute auch die Konjunkturanfälligkeit des Logistikgeschäfts. So muss die Post Lagerhäuser schließen, die sie für den Versandhändler Quelle betrieben hat. Hier drohen weitere Abschreibungen in Millionenhöhe.

Geld verdienen wird die Post im Krisenjahr 2009 nur dank der Briefsparte. Das sagt Andrea Kocsis immer wieder. Doch auch sie weiß, dass die jahrelang üppigen Gewinnmargen schmaler werden. So könnte die neue Bundesregierung die Mehrwertsteuerbefreiung der Post zum Teil kippen. Zudem dürfte Geschäft wegbrechen, wenn die Behörden ihre Mitteilungen elektronisch verschicken, um Porto zu sparen - hier läuft ein Pilotversuch der Telekom. Und die zwischenzeitlich durch die Einführung des Mindestlohns für Briefträger geschwächte Konkurrenz formiert sich ebenfalls erneut: So kooperiert die niederländische TNT mit einigen Zeitungsverlagen.

Auf ihren Touren begegnet Michaela Frank immer wieder den Boten von Firstmail, der hauseigenen Konkurrenz. Vor sechs Jahren hat die Deutsche Post den lokalen Briefdienstleister gekauft. Wer hier arbeitet, verdient deutlicher weniger und hat weniger Urlaub. Für die Post ist First Mail ein Versuchslabor. Frank aber macht meist einen Bogen um den Kollegen. Bis heute schaffe sie es nicht, ihn zu grüßen, sagt sie. Denn da ist sie sich sicher: Auch wenn Postchef Appel nun weitere Verlagerungen für die nächsten zwei Jahre ausgeschlossen hat - es ist nur eine Gnadenfrist.

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  1. Ende einer Freundschaft
  2. Appel knickt ein
  3. Sie lesen jetzt "Die Maschine gibt das Tempo vor"
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(SZ vom 31.10.2009/tob)