Deutsche Pfandbriefbank Kriseninstitut will um deutsche Sparer buhlen

In der Finanzkrise musste der Staat die Hypo Real Estate mit Milliarden retten. Nun plant die daraus hervorgegangene Deutsche Pfandbriefbank den Einstieg ins Einlagengeschäft. Experten monieren Wettbewerbsverzerrung, die Konkurrenz reagiert mit Häme.

Von Simone Boehringer

Mit 4,8 Billionen Euro haben die Deutschen so viel Geld auf der hohen Kante wie noch nie. Ausgerechnet eine Krisenbank möchte sich einen Teil davon sichern. Es geht um die Deutsche Pfandbriefbank (pbb), den gesunden, abgespaltenen Teil des ehemaligen Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate (HRE), der in der Bankenkrise 2008 mit Milliardenhilfen vom Staat aufgefangen wurde.

"Das Einlagengeschäft ist zur Verbreitung der Refinanzierungsbasis interessant", sagte ein Sprecher der pbb am Montag. "Wir prüfen mit unserem Eigentümer permanent alternative Refinanzierungsquellen." Allerdings: Im Unterschied zu den meisten anderen Geschäftsbanken kann die pbb eine solche Strategie nur umsetzen, wenn die Regierung zustimmt. Der Bund ist Eigentümer der Bank.

Mit großer Erwartung wird diesbezüglich ein Gutachten der Unternehmensberatung Roland Berger in Zusammenarbeit mit der Bank HSBC erwartet, das dem Institut und damit der Regierung eine realistische Perspektive auf einen Verkauf bescheinigt. Den verlangt die EU-Kommission und hat dafür eine Frist bis 2015 gesetzt. Bis wann die Ergebnisse des Gutachtens vorliegen sollen, ist noch nicht bekannt. Eine Anfrage der SZ an die Bundesanstalt für Finanzmarktstabilisierung (früher Soffin) blieb bislang unbeantwortet.

Unterdessen meldeten sich die Kritiker eines solchen Vorstoßes der pbb zu Wort: "Wenn staatlich gestützte Kreditinstitute, egal ob aus dem Inland oder Ausland, jetzt mit Kampfkonditionen um den deutschen Sparer werben, dann erzeugt das bei solide wirtschaftenden Kreditinstituten mehr als ein Stirnrunzeln", heißt es beim Deutschen Sparkassenverband (DSGV).

Der Präsident des Genossenschaftsbanken-Verbandes (BVR), Uwe Fröhlich, äußerte seine Zweifel, ob die Nachfolgebank der HRE im Privatkundengeschäft Erfolge feiern kann: "Die HRE gehört schließlich zu den Hauptverursachern der Finanzkrise in Deutschland", sagte er der Financial Times Deutschland. "Das hat der deutsche Sparer bestimmt nicht vergessen." Und der DSGV stichelte: Für einen erfolgreichen Markteintritt im Privatkundengeschäft sei eine Marke notwendig, "die Vertrauen ausstrahlt". Da sehe man den Vorstößen der pbb gelassen entgegen.

Die Häme kommt nicht von ungefähr. Schon jetzt setzt der harte Wettbewerb um das Geld der Sparer den Sparkassen zu - er wird den kumulierten Zinsüberschuss der 426 Institute in diesem Jahr Schätzungen zufolge um bis zu eine halben Milliarde Euro drücken. Viele Sparkassen-Funktionäre machen dafür vor allem die Konkurrenz durch staatliche gestützte Institute aus dem In- und Ausland verantwortlich.

Meist sind es ausländische Newcomer-Banken oder auch zuletzt die gleichfalls staatlich gestützte IKB, die den anderen Instituten mit Kampfkonditionen meist deutlich über zwei Prozent die Kunden streitig machen. "Wenn die pbb ihre dank der Staatsdeckung gute Bonität ausnutzt, um Kunden abzuwerben, ist das eine klare Wettbewerbsverzerrung", urteilt Martin Faust, Professor für Bankbetriebslehre an der Frankfurt School of Finance. "Langfristig geht es zudem für die Pfandbriefbanken darum, ein zukunftsfähiges Geschäftsmodell zu entwickeln. Ein Einstieg ins Einlagengeschäft regelt nur die Finanzierung" und führe nicht weiter.

Der Markt für Hypothekenbanken ist umkämpft. Die zur Commerzbank gehörende Eurohypo wird abgewickelt. Und die pbb muss nach den Vorgaben der EU so attraktiv werden, dass sich ein Käufer findet. Ansonsten muss der Staat für eine Abwicklung zahlen.

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