Angst lähmt den Konsum: Die Schuldenkrise verunsichert die Deutschen so sehr, dass sie Gefahr laufen, den Aufschwung abzuwürgen. Dabei ist die globale Rezession nur eine Befürchtung, nicht mehr. Vorausgesetzt, die Politik sorgt für klare Verhältnisse - und die Löhne steigen endlich stärker.
Es war zu einfach: die Bundesrepublik, das Wunderland. Entsteigt ohne Schaden der härtesten Finanz- und Wirtschaftskrise seit drei Generationen. Schafft Jobs, als sei die Massenarbeitslosigkeit Historie. Wächst dieses Jahr mit einer Rate, als betreibe es eine Ökonomie mit Nachholbedarf wie China.
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Die Angst vor einem globalen Abschwung könnte den Konsum in Deutschland abwürgen. (© AP)
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Die neuen Zahlen zeigen: So einfach ist es nicht. Die deutsche Volkswirtschaft stagnierte in den vergangenen Monaten nur noch, nachdem sie furios ins Jahr gestartet war. Die größte Wirtschaftsmacht der Währungsunion kann den fußkranken Rest nicht mehr allein aus dem Sumpf ziehen. Das ist noch kein Anlass für die selbst im Ausland bekannte German Angst. Nur für mehr Realismus über den bereits als neues Wirtschaftswunder gefeierten Aufschwung.
Wichtige Faktoren für die deutsche Konjunktur bleiben intakt. Unternehmen und Sozialsystem wurden in einer großen Anstrengung modernisiert, die dem Land auf den Weltmärkten noch länger eine starke Stellung sichert. Die Exportfirmen werden weiterhin vom historischen Aufstieg Chinas, Indiens oder Brasiliens profitieren.
Auch nach dem schwachen zweiten Quartal könnte die deutsche Wirtschaft dieses Jahr mit knapp drei Prozent wachsen - das wäre im Schnitt der vergangenen zwei Dekaden ein stolzer Wert. Doch natürlich kann sich gerade ein so international verflochtenes Land keinen globalen Trends entziehen, und die zeigen seit März abwärts
Das begann mit dem Atomunfall in Japan, der Asiens zweitgrößte Wirtschaft lahmlegte. Es setzte sich mit der schwachen Nachfrage aus Euro-Staaten fort, die unter Sparprogrammen ächzen. Und es gipfelt in der Einsicht, dass die weltweit größte Volkswirtschaft Amerika schwächelt - mit maroder Industrie, einem Schuldenberg und einer politischen Klasse im ideologischem Grabenkampf.
Sobald Industriestaaten Schwäche zeigen, betrifft es den Exporteur Deutschland. Wenn die Weltwirtschaft in den kommenden Monaten tatsächlich in die Knie gehen sollte, wird es ganz schwierig. Die Europäische Zentralbank sollte darauf reagieren und ihre Zinsen vorerst nicht weiter erhöhen.
Die Einkommen stagnieren schon zu lange
Aber die Angst vor dem globalen Abschwung ist bisher nur eine Befürchtung, nicht mehr. Bemerkenswert ist, dass einige Facetten der deutschen Konjunktur nach wie vor gut aussehen. Die Exporte florierten, die Firmen investierten. Auffällig schwach fiel dagegen der Konsum aus. Obwohl die Unternehmen Stellen schaffen und erstmals seit längerem hohe Löhne zahlen, hielten sich die Deutschen zurück. Sie kauften nicht, obwohl sie das Geld dafür hatten. Das weist auf zwei Schwächen hin, um die sich die Politik kümmern muss.
Zum einen stagnieren die Einkommen vieler Deutscher schon zu lange. Für Menschen mit wenig Qualifikationen ist die Arbeitswelt unsicher und die Arbeit schlecht bezahlt. Und auch viele aus der Mittelschicht, die keine begehrten Spezialisten sind, können sich kaum mehr leisten als vor einigen Jahren. Die Deutschen werden nur mehr konsumieren, wenn nicht nur die Gewinne der Firmen steigen, sondern auch ihre Löhne.
Zum Zweiten sind viele Bürger völlig verunsichert. Erst sollen sie als Steuerzahler mit riesigen Rettungspaketen die Eskapaden der Finanzbranche ausbügeln, nun die Misswirtschaft einiger Euro-Länder ausgleichen. Die Rechnung dafür, das ist ihnen klar, werden auf Dauer höhere Abgaben oder eine höhere Inflation sein - das erzwingen die gigantischen Schulden aller Industriestaaten.
Bei dieser Perspektive konsumiert es sich ungern. Es ist eher die Zeit für die Bargeld-Reserve auf der Bank, das eilig erworbene Eigenheim oder die Goldbarren im Tresor. Je schneller Europas Politiker die Unsicherheit über den Euro reduzieren, desto eher werden sich die Deutschen wieder an der Ladenkasse zeigen. Noch aber ist es so, dass die Spekulanten die Regierungschefs vor sich hertreiben.
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(SZ vom 17.08.2011/lom)
der Autor, Herr A. Hagelueken schreibt etwas das nach der grossen Angst aussieht, dass kann sein oder auch nicht. Es stimmt, Deutschland als Exportnation brauch Auftraege von aussen,sonnst geht nicht. Aber das war in den letzten 150 Jahren nicht anders gewesen als heute,niemand ist eine Insel der Glueckseligen. Warum wird jetzt im Vorfeld der grosse Aufruf zur Panik laut ? Die Entwicklungen kommen,so oder so,oder mit oder ohne Angst. Was kommen wird das weiss zu 100% so gut wie niemand wirklich,abgesehen von Finazkriesen oder anderen Dingen. Nun es stimmt der Kaufkraftzuwach ist seit sehr vielen Jahren heruntergegangen,oder bestenfalls stehen geblieben. Diese Erkentnisse sind ein alter Hut,dass betrifft auch bis auf die ganz oberen Einkommen fast alle Berufstaetigen insgesammt. also lieber Autor,was neues war es nun wirklich nicht.
Wunderland ist Mythos, genauso viele Zahlen. So kann man Deutschland schwerlich "einfach vergleichen", zb 3.65 Billionen BIP 2009 im "Vergleich" mit Litauen 37 Millionen BIP 2009.
Es scheint einfach so, dass die Agonie weitergeht.
Zwischen den Staatschulden die Aufgrund des Zinseszinses immer jegliche Wachstumrate schlagen, wir haben ja nur eine Grenze für "Nettoneuverschuldung", keinerlei Tilgung.
Und der Prekarisierung durch die Globalisierung, vgl Keynes "Capitalism is the astounding belief that the most wickedest of men will do the most wickedest of things for the greatest good of everyone.”
Es wird im Bereich privater Konsum und Reallöhnen sicherlich noch sehr viel schlimmer werden. Denn zwischen der Schere Staatsausgaben und Lohnabsenkung gibt es kein Entkommen. Allerdings haben wir in Deutschland, s.o., ein so grosses Polster, dass wir es hoffentlich in dieser Generation nicht merken werden. Womit wir bei Herrn Rösslers Fröschen wären.
dem Journalisten klappert vor Angst schon das Gebiss.
Früher, zu Zeiten der Schreibmaschinen, konnte man das nicht hören. Aber heute zu Zeiten von MultiMedia kommt das voll gut rüber.
Offenbar haben einige Mächtige der Wirtschaft Konjunkturangst befohlen und die Meute pariert.
...folgt denn jetzt der Abschwung? Dieser vielzitierte Aufschwung im "Wirtschaftswunderland" Deutschland war doch bloß schön herbeigerechnet. Das sieht man doch an den getürkten Arbeitslosenzahlen. Beim einfachen Volk war doch dieser sogenannte Aufschwung gar nicht angekommen. Also gab es ihn auch nicht!
....langsam glaube ich, die gutbezahlten Redakteure der Süddeutschen Zeitung haben auch schon die Bodenhaftung verloren, die kennen sicher niemand mehr privat, der ein normales Durchschnittsgehalt erhält......viele komsumieren nicht, weil es hinten und vorne nicht reicht...seit 10 Jahren fressen jede noch so kleine Lohnerhöhung die erhöhten Abgaben auf, mein Netto-Gehalt hier im öffentlichen Dienst stagniert seit 10 Jahren, dazu noch eine Riester-Rente abgeschlossen, um privat vorzusorgen. Viele haben die Warnungen ernst genommen und sorgen privat vor, falls was dafür übrig bleibt. Dieses Geld geht eben nicht mehr in den Konsum.Es wär wahrscheinlich sinnvoller, das Geld noch zu verleben, als auf dubiose Zukunftszahlungen zu warten...
Die andere Seite: die Gewinne der Wirtschaft und der oberen 10 % der Bevölkerung kommen deshalb zustande, weil nicht mehr anständig bezahlt wird, billige Leiharbeit vergeben wird, Firmen sich auf Staatskosten bereichern, Reiche es schaffen keine Steuern bezahlen müssen . Manager und andere Gewinner des Systems sahnen ab. Eine Untersuchung ergab, dass nur die Bestverdiener reale Nettolohnzuwächse während der letzten Dekade erhielten, die größten Einkommenseinbußen (bis 22%) bei den Geringverdienern entstanden sind. Was für ein mieser Kapitalismus....!
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