Deutsche Bank Wie die Deutsche Bank um Vertrauen kämpft

Die Deutsche Bank will nun vor allem Vertrauen zurückgewinnen.

(Foto: Getty Images)
  • "Nein, ich mache mir keine Sorgen um die Deutsche Bank." Der Satz von Finanzminister Schäuble sorgte nicht für Vertrauen, sondern für neue Zweifel.
  • Die Bank versucht dem Markt nun zu signalisieren, dass die Nervosität übertrieben ist. Heute stiegen die Kurse deutlich.
Von Cerstin Gammelin, Stephan Radomsky und Meike Schreiber, Frankfurt/Berlin/München

Es ist nur ein einziger Satz, den Wolfgang Schäuble am Dienstag in Paris gesagt hat, doch auch am Tag danach sorgt er in den Türmen der Deutschen Bank bei Mitarbeitern für Irritationen: Warum, um Himmels willen, hat der Bundesfinanzminister diesen Satz gesagt? Ist es in Wahrheit nicht ein schlechtes Zeichen, wenn ausgerechnet er der Bank sein Vertrauen aussprechen muss?

Der Satz, der nicht nur bei Deutschen Bank, sondern auch an den Finanzmärkten viele nervös macht, fällt am Rande des Deutsch-Französischen Wirtschafts- und Finanzministerrats, Schäuble sagt ihn zuerst auf Deutsch und später, als ihn eine Videoreporterin von Bloomberg TV an einem Aufzug abfängt, noch einmal auf Englisch: "Nein, ich mache mir keine Sorgen um die Deutsche Bank." Danach verschwindet er ohne weitere Details im Aufzug.

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Bei der Deutschen Bank wird über Schäuble gemurrt

Der Satz, den die Nachrichtenagentur Bloomberg sofort sendet, soll Vertrauen schaffen, aber er bewirkt das glatte Gegenteil: Die Anleger an den Finanzmärkten stoßen noch mehr Aktien der Deutschen Bank ab. Die Preise für Credit Default Swaps, kurz: CDS, für jene komplizierten Wertpapiere also, mit denen man sich gegen eine Pleite der Deutschen Bank versichern kann, schnellen weiter nach oben - ein klares Signal, dass die Anleger an der Solidität der Deutschen Bank zweifeln. Es sollen, so ist am Mittwoch in Finanzmarktkreisen zu hören, auch zahlreiche Hedgefonds unterwegs seien, die auf fallende Kurse bei der Deutschen Bank wetten - und die Aktie "nach unten prügeln", wie es unter Händlern heißt.

Die Anleger irritiert, dass Schäuble sich überhaupt äußert. Ihre Schlussfolgerung: Wenn der Finanzminister eigens vor die Kamera geht, um zu sagen, dass er sich keine Sorgen macht, dann macht er sich welche. Auch bei der Deutschen Bank murren wichtige Menschen, dass der Minister der Bank einen Tort angetan habe. Denn die Lage an den Finanzmärkten ist schon nervös genug, die Sorge über Europas Banken ist in den vergangenen Wochen massiv gewachsen - und sie konzentriert sich seit einigen Tagen eben nicht nur, wie bisher, auf portugiesische, griechische oder italienische Banken, sondern nun auch auf das größte deutsche Geldhaus.

Die Gründe dafür sind vielfältig: Die Deutsche Bank hat vor wenigen Wochen den höchsten Verlust ihrer Geschichte verkündet, die teuren Rechtsstreitigkeiten nehmen kein Ende, die Aufräumarbeiten bei den Affären kommen nicht schnell genug voran. Und am Montag verbreitet dann noch eine Analystenfirma, dass die Deutsche Bank Mühe haben könnte, im nächsten Jahr die Zinsen auf ihre hochverzinslichen Anleihen zu bedienen. Dabei handelt es sich um sogenannte Coco-Bonds, ein neuartiges Finanzinstrument, das im Gefolge der Finanzkrise entwickelt wurde - und die Banken eigentlich stabiler machen soll (siehe Text unten)