Deutsche Bank versus Sparkassen Abkehr von der Arroganz
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Streit um die Aufsicht: Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon und Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen liefern sich einen heftigen Schlagabtausch über die Zukunft der Geldhäuser in Europa. Und nebenbei geht es mal wieder um das Renditeziel der Deutschen Bank.
Kulturwandel will gelernt sein. Keine drei Minuten hatte Jürgen Fitschen das Podium im Frankfurter Marriott Hotel verlassen, bis er wieder zurück in den Saal marschiert. Dass der Chef der Deutschen Bank ein Branchentreffen mit einer Rede eröffnet und danach zu wichtigeren Terminen eilt, war in den vergangenen Jahren nichts Ungewöhnliches. Doch die Deutsche Bank hat sich unter den beiden neuen Vorstandschefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen zum Ziel gesetzt, die Kultur zu verändern. Dazu gehört es offenbar auch, gegenüber den kleinen Banken nicht mehr den arroganten Branchenprimus zu geben. Und so unterbricht Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon erstaunt seine Rede, als Fitschen vorbei am Rednerpult wieder zurück an seinen Platz kehrt. "Vielen Dank, dass Sie die Bereitschaft zeigen, ihre Termine zu verschieben", dankt der Sparkassenpräsident dem Großbanker.
Doch mit diesen Gesten war es mit den offenen Sympathiebekundungen auch schon wieder vorbei. Denn Fitschen und Fahrenschon kämpfen derzeit auf zwei verschiedenen Seiten des Spielfeldes. Fitschen will, dass alle Geldhäuser in Europa von der Europäischen Zentralbank (EZB) beaufsichtigt werden, Fahrenschon kämpft vehement dagegen. Neben einer gemeinsamen Aufsicht bei der EZB beinhaltet das Konzept von EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier, dass die Banken auch in einen gemeinsamen Rettungstopf einzahlen, der einspringt, wenn ein Institut in Schieflage gerät.
"Eine Art Lebensversicherung für systemrelevante Kreditinstitute"
"Wer Europa als einheitlichen Marktplatz wolle, darf sich einer einheitlichen Bankenaufsicht nicht verschließen", sagt Fitschen. Das sei notwendig, um künftige Krisen zu verhindern. Deutschland dürfe dabei nicht bremsen. Es sei nicht wünschenswert, dass man sich auf dem "geringstmöglichen Nenner" bei den Regulierungsstandards treffe. Wenn Deutschland auf Ausnahmen dränge, würde das andere Länder auch dazu verleiten auszuscheren.
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Der Sparkassen-Präsident sieht das anders. Es müsse ausgeschlossen werden, dass die Bankenunion "eine Art Lebensversicherung für systemrelevante Kreditinstitute" werde, schießt er gegen die Deutsche Bank, ohne das größte deutsche Geldhaus direkt beim Namen zu nennen. Denn die Sparkassen müssten in einen gemeinsamen Rettungsfonds genauso einzahlen wie die Großbanken. Für die kleinen Banken könnte das teuer werden. "Es gibt für uns keinen vernünftigen Grund, mit unseren Beiträgen die Too-big-to-fail-Problematik noch weiter abzusichern", so Fahrenschon weiter. Die großen Banken könnten sich billiger Geld am Markt holen, da die Investoren darauf vertrauen, dass Großbanken vom Staat gerettet werden.
Das Argument, dass Größe per se gefährlich ist, will Fitschen nicht gelten lassen. Er hält in der Diskussion dagegen: "Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass kleine Banken nicht systemrelevant werden können. Da haben wir schon Überraschungen erlebt", sagt Fitschen und erinnert an die spanische Sparkassengruppe Bankia und die US-Investmentbank Lehman.
Hans-Peter Keitel, Präsident des Unternehmerverbandes BDI, versucht zwischen den verhärteten Fronten am Podium zu vermitteln. Sparkassen, Genossenschafts- und Privatbanken sollten sich an einen Tisch setzen und eine Position ausarbeiten, die nicht direkt aus dem jeweiligen Geschäftsmodell abgeleitet sei, fordert Keitel seine Mitdiskutanten auf. "Wir brauchen Koexistenz von kleinen Spezialinstituten und Universalbanken. Uns ist nicht damit gedient, wenn alle Banken vom Global Player bis hin zum Kassenverein auf Gegenseitigkeit gleich reguliert werden", so Keitel.
Bei der Regulierung müsse man darauf achten, dass die Interessen der Realwirtschaft nicht außer Acht gelassen werden, pflichtet ihm auch Fitschen bei. Denn viele Finanzprodukte, die als Spekulation gebrandmarkt würden, seien Teil des Werkzeugkastens der Unternehmen, mit dem sie ihre Risiken besser kontrollieren können. "Ich verstehe nicht, warum so mancher Mittelständler am Abend auf das einhaut, was er vormittags noch selbst benutzt hat", sagt Fitschen. "Wir sind einsichtig, wir haben Konsequenzen aus der Finanzkrise gezogen und wir werden noch weitere Konsequenzen ziehen. Aber man kann nicht den Banken allein die Schuld in die Schuhe schieben", so der Chef der Deutschen Bank. "Sie geben den Banken viel zu viel Kredit, wenn Sie meinen, dass ein paar Investmentbanker so die Welt verändern können." Zugleich räumte er ein, dass sein Haus früher der Versuchung unrealistischer Renditen "teilweise erlegen" sei. "Doch wir haben gelernt, dass nicht alles, was legal ist, auch legitim ist."
Dann spielt Fitschen den Ball zurück an die Realwirtschaft: Viele Familienunternehmer hätten über Jahre hinweg 30 Prozent Eigenkapitalrendite erwirtschaftet. "Warum fangen die dann zu pfeifen an, wenn wir über 25 Prozent sprechen?", fragt Fitschen. Sein Vorgänger Josef Ackermann hatte der Deutschen Bank einst das Ziel verordnet, 25 Prozent Eigenkapitalrendite zu erwirtschaften und dafür Kritik einstecken müssen. Zwischen den Zeilen wird klar, dass sich die Bank auch unter der neuen Führung ein klares Ziel stecken wird. Doch die Frage, wie hoch es ausfallen wird, bleibt unbeantwortet. Erst am 11. September wollen Anshu Jain und er verraten, was der angekündigte Kulturwandel der Bank in Zahlen ausgedrückt bedeutet.