Deutsche Bank und der Libor-Skandal Auspacken statt zahlen

Strafe zum Aktionspreis: Die Deutsche Bank soll sich im Skandal um die Manipulation des Libor-Zinssatzes den Kronzeugenstatus gesichert haben. Dies könnte bedeuten, dass das Geldhaus im Falle einer Strafe deutlich günstiger wegkommt. Mit einem Schuldeingeständnis habe das allerdings nichts zu tun, heißt es.

Die Zahlen sind ungemütlich: Experten hatten ausgerechnet, dass die Deutsche Bank in dem Skandal um die Manipulation des Londoner Interbankenzinses (Libor) im Falle einer Strafe womöglich richtig viel Geld zahlen müsste.

Die Bank Morgan Stanley geht von Gesamtkosten von mehr als einer Milliarde Dollar aus, die 2013 und 2014 auf das Institut zukommen könnten. Noch aber ist unklar, ob und inwieweit das Institut überhaupt an den Manipulationen beteiligt war. Gleichwohl soll sich die Deutsche Bank Branchensinsidern zufolge bei der EU und in der Schweiz einen Kronzeugenstatus gesichert haben.

Mit der bereits im vergangenen Jahr auf den Weg gebrachten Regelung bekomme die Bank im Falle einer möglichen Strafe einen Nachlass, sagten zwei Personen aus dem Umfeld des Geldhauses der Nachrichtenagentur Reuters. Sie gehe jedoch nicht mit einem Schuldeingeständnis einher. Auch der Spiegel hatte über die Kronzeugenregelung berichtet.

Vergleich statt Urteil

Ein Sprecher der Deutschen Bank wollte sich nicht zu der Angelegenheit äußern. Andere in den Skandal verstrickte Banken wie etwa die Schweizer UBS haben in verschiedenen Ländern ebenfalls einen solchen Status erhalten. Einer ganzen Reihe von internationalen Großbanken wird vorgeworfen, von 2005 bis 2009 den Londoner Interbankenzins mit falschen Angaben zu ihren Gunsten manipuliert zu haben.

Der Libor wird einmal täglich ermittelt und zeigt an, zu welchen Konditionen sich die Institute untereinander Geld leihen. Er basiert auf individuellen Angaben der Banken und dient als Referenz für Kredite an Unternehmen, Privatpersonen und weitere Finanztransaktionen in einem Volumen von 360 Billionen Dollar.

Einem Bericht der New York Times zufolge bereitet das US-Justizministerium in der Affäre Strafverfahren gegen mehrere Banken und einige ihrer Angestellten vor. Im Verlauf des Jahres solle zumindest gegen eine Institution Klage eingereicht werden, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Regierungskreise. Unter den betroffenen Einzelpersonen seien auch Händler der britischen Großbank Barclays. Einige Finanzinstitute, darunter mindestens zwei europäische Geldhäuser, arbeiteten bereits an Vergleichen.