Deutsche-Bank-Tochter in der Krise Kahlschlag bei Sal. Oppenheim

Die Deutsche Bank will bei ihrer Tochter Sal. Oppenheim knapp 500 Mitarbeiter entlassen, nur 280 sollen übrig bleiben. Die einst stolze Privatbank geriet durch die Zusammenarbeit mit einem umstrittenen Immobilienfinanzierer ins Zwielicht.

Von Andrea Rexer, Frankfurt

Die Deutsche Bank will bei ihrer Tochter Sal. Oppenheim knapp 500 Mitarbeitern kündigen, die Stellen sollen schon bis zum ersten Quartal 2014 abgebaut sein. Das bestätigten mehrere mit der Situation vertraute Personen der Süddeutschen Zeitung.

Die Betriebsräte sind entsetzt: "In dieser kurzen zeitlichen Frist ist ein sozialverträglicher Abbau unmöglich. Es wird zu betriebsbedingten Kündigungen kommen", warnt ein Arbeitnehmervertreter. Der Mitarbeiterstamm der in Köln ansässigen Privatbank soll von derzeit rund 780 auf knapp 280 Mitarbeiter heruntergefahren werden.

Betroffen sind vor allem nachgelagerte Jobs im so genannten "Backoffice" - also etwa die IT-Abteilung. Diese Aufgaben sollen künftig von der Deutschen Bank ausgeführt werden. Im Jargon des Geldhauses heißt es, dass Sal. Oppenheim künftig die "Infrastruktur der Deutschen Bank mitnutzen" soll. So wurde es in den Unterlagen für den Betriebsrat formuliert.

Degradiert zur Vertriebsplattform

Mit diesem Schritt werde Sal. Oppenheim zu einer reinen Vertriebsplattform degradiert, heißt es aus dem Betriebsrat. Das heißt im Klartext: Zwar bleibt die Marke Sal. Oppenheim nach außen hin bestehen, es werden auch weiterhin Berater unter dieser Marke mit den Kunden Kontakt aufnehmen, doch nach innen wird die Bank ausgehöhlt.

Die Deutsche Bank kaufte im Jahr 2010 die Kölner Privatbank und wollte damals seine Vermögensverwaltung stärken. Gelungen ist das nicht. Denn die Vermögensverwaltung ist nicht zuletzt seit Ausbruch der Finanzkrise ein schwieriges Geschäft: Die Kunden sind verunsichert und halten sich zurück, einerseits wegen der Eurokrise, andererseits macht die Problematik rund um die behördliche Verfolgung von Steuerflüchtigen der gesamten Branche zu schaffen.

Die Deutsche Bank hat in der Zwischenzeit bereits mehrfach versucht, ihre komplette Vermögensverwaltung zu verkaufen. Nachdem das nicht gelungen ist, schlug die Bank einen anderen Weg ein: Sie will die Sparte komplett auf neue Beine stellen. Das Asset und Wealth Management soll nun unter Michele Faissola, einem Vertrauten von Co-Vorstandschef Anshu Jain, umgebaut werden.

Doch Sal. Oppenheim scheint bei all den Umbaumaßnahmen an den Rand gedrängt worden zu sein: "Uns hat sehr erstaunt, dass die Maßnahmen für Sal. Oppenheim getrennt von dem restlichen Asset und Wealth Management vorgestellt wurden", sagt ein Betriebsrat. Das verheiße nichts Gutes, meinen die Arbeitnehmervertreter. Sie sind entsetzt, dass den Mitarbeitern den Gesprächen zufolge keine Perspektive innerhalb des Konzern angeboten werden soll. Hinzu komme, dass bereits in den vergangenen Jahren viele Stellen abgebaut worden seien und viele sozialverträgliche Methoden - etwa Vorruhestandsregelungen - weitgehend ausgeschöpft worden seien. Intern hatte Wilhelm von Haller, der Chef von Sal. Oppenheim, das Projekt vorgestellt.

Nächster Schritt: Interessenausgleich

Der nächste Schritt wird nun ein Interessenausgleich zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmern sein. Doch die Stimmung ist eisig. Die Betriebsräte fühlen sich von der Bank hinters Licht geführt. Denn viele haben nicht damit gerechnet, dass es außerhalb der Postbank zu größerem Stellenabbau kommen wird. Für die Postbank haben sie bis 2014 einen Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen ausgehandelt. Für die anderen Bereiche der Bank gilt das nicht. Und genau das könnte vielen Mitarbeitern jetzt zum Verhängnis werden. Die Deutsche Bank bestätigte die Nachricht vom Stellenabbau, wollte sich zu konkreten Zahlen aber nicht äußern.

Für die einst stolze Privatbank Sal. Oppenheim hatte der deutsche Branchenprimus im Jahr 2010 1,3 Milliarden Euro auf den Tisch gelegt. Doch schon damals war die Privatbank angeschlagen gewesen: Zur Schieflage hatten unter anderem die Zusammenarbeit mit dem umstrittenen Kölner Immobilienfinanzierers Josef Esch beigetragen, der in der Vergangenheit viele Geschäfte mit der früheren Führung der Bank eingefädelt hatte. Die Kreditvergabe der Bank an die Esch-Projekte sorgte für zahlreiche Probleme. 2008 schrieb die Bank erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg einen Verlust.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt derzeit gegen vier frühere Mitglieder der Geschäftsleitung wegen Untreue. Medienberichten zufolge könnte es im kommenden Jahr zu einer Anklage kommen. Ein juristisches Nachspiel haben die "Esch-Fonds" auch von Kundenseite: Einige namhafte Kunden von Sal. Oppenheim versuchen sich juristisch gegen die Verluste zu wehren, da sie sich falsch beraten fühlen.

Erst kürzlich unterlag der Milliardär Wilhelm von Finck jedoch mit seiner Schadensersatzklage vor dem Bonner Landgericht. Er hatte argumentiert, von der Privatbank zu wenig über das unternehmerische Risiko der "Esch-Fonds" aufgeklärt worden zu sein, doch das Gericht wies die Klage ab. Derzeit sind noch weitere 13 Klagen im Zusammenhang mit den Esch-Fonds anhängig.